Wettingen
Nach Nein zum Kredit: Neuer Sporthalle-Standort für Kanti-Rektor keine Option

Der Grosse Rat wies den 22-Millionen-Kredit für das Sporthallen-Projekt zurück. Kurt Wiedemeier, Rektor der Kantonsschule Wettingen, verweist darauf, dass es aus denkmalschützerischen Gründen zur teuren Lösung kam.

Pirmin Kramer
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So hätte die neue Sporthalle aussehen sollen – der Grosse Rat hat dasProjekt zurückgewiesen. Hauptargument: zu teuer. Visualisierung/ZVG

So hätte die neue Sporthalle aussehen sollen – der Grosse Rat hat dasProjekt zurückgewiesen. Hauptargument: zu teuer. Visualisierung/ZVG

ZVG

Mit 65 zu 62 Stimmen hat das Kantonsparlament das Sporthallen-Projekt für die Kantonsschule Wettingen zurückgewiesen. Für 22 Mio. Franken hätte eine unterirdische Dreifachhalle gebaut werden sollen. Grossrat Daniel Vulliamy (SVP) bezeichnete die Kosten als «exorbitant»: «Ich habe in Erfahrung gebracht, dass beispielsweise in Bremgarten für rund 6 Millionen Franken und im Unteren Fricktal für 8 bis 9 Millionen Franken Dreifachhallen ohne Mehrzwecknutzung erstellt wurden beziehungsweise geplant sind.» Er verlangte eine neue Vorlage mit einem Kostendach von 15 Mio. Franken, und der Grosse Rat folgte ihm.

«Teure Lösung sozusagen aufgezwungen worden»

Kurt Wiedemeier, Rektor der Kantonsschule Wettingen, hat den Entscheid mit grosser Überraschung zur Kenntnis genommen, wie er auf Anfrage sagt. «Ich habe Verständnis dafür, dass man die Kosten von 22 Mio. Franken als hohe Zahl erachtet, wenn man das Klosterareal nicht kennt. Tatsache ist aber, dass das Kloster Wettingen ein denkmalgeschütztes Objekt von nationaler Bedeutung ist, weshalb sich die Silhouette des Zisterzienserklosters nicht verändern darf.» Deswegen sehe das Projekt vor, die Halle zwingend unterirdisch zu bauen. «Die in Augen mancher Politiker teure Lösung ist uns also sozusagen aufgezwungen worden, weil denkmalschützerische Gründe ebenfalls zu respektieren sind.»

Daniel Vulliamy, Sportkoordinator und Präsident der Kommission für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Aargau, ergänzt: «Ich bin dem Sporthallenprojekt gut gesinnt, und die SVP will es nicht torpedieren. Es ging uns darum, ein Zeichen zum Sparen zu setzen, speziell im Vergleich zu grösseren Bauvorhaben in den Gemeinden und in der Privatwirtschaft.» Er sei überzeugt, dass in kurzer Zeit ein Projekt für 15 Millionen Franken erarbeitet werden könne. «Wenn nötig, könnte die Halle auch ausserhalb der Klosterhalbinsel gebaut werden.»

Rektor Wiedemeier entgegnet: «Dass die Dreifachsporthalle ausserhalb der Klosterhalbinsel zu stehen kommt, ist für uns keine Option. Der Zeitverlust für die Schüler wäre zu gross, die Stundenpläne könnten nicht eingehalten werden.» Die Standortfrage sei im Vorfeld von Experten ausführlich diskutiert worden. Alternativen gebe es keine – ausser man würde den Denkmalschutz lockern. «Wir können nur hoffen, dass schnell eine die schulischen Bedürfnisse befriedigende und für den Grossen Rat akzeptable Lösung gefunden wird. Denn derzeit können wir Schüler noch in der Tägerhard-Halle unterrichten, doch der Vertrag mit der Gemeinde läuft bald aus.»

Gemeinde will Schule helfen

Markus Dieth, Wettinger Gemeindeammann und CVP-Grossrat, sagt: «Dass beim Sporthallenprojekt die Handbremse gezogen werden könnte, damit mussten wir rechnen.» Im Vorfeld der Sitzung sei ein mulmiges Gefühl aufgekommen, dies wegen des negativen Bescheids der Nationalbank, keinen Gewinn auszuschütten. «Zum Glück wurde das Projekt nur zur Überarbeitung zurückgewiesen und nicht abgelehnt. Der Bedarf nach einer neuen Dreifachhalle wird also nicht infrage gestellt.» Der Gemeinderat werde die Kantonsschule nicht im Stich lassen, sagt Dieth: «Wir werden der Mittelschule die Tägerhard-Halle im Rahmen der Möglichkeiten als Notüberbrückung vorübergehend weiterhin vermieten.»