Baden/Wettingen
Nach Schüler-Demo: Bildungsdepartement will Protest «ernst nehmen»

Beim Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) ist man nicht überrascht über die Demonstration der Schüler der Bezirksschulen Baden und Wettingen: Es sei nachvollziehbar, dass einzelne Massnahmen bei Betroffenen auf Kritik stossen, heisst es.

Stefanie Suter
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Am Mittwoch demonstrierten die Schüler der Bezirksschulen Baden und Wettingen gegen die geplanten Sparmassnamen des Kantons.

Am Mittwoch demonstrierten die Schüler der Bezirksschulen Baden und Wettingen gegen die geplanten Sparmassnamen des Kantons.

Stefanie Suter

Über 200 Schüler versammelten sich für einen Protestmarsch vom Schulhaus Burghalde in Baden zum Wettinger Ratshaus, um für ihre Wahlfächer zu kämpfen (az vom 30.1.). Zusätzlich erhielten Regierungsrat Alex Hürzeler und Grossratspräsident Thierry Burkart einen Tag vor der Demonstration ein Dringlichkeitsschreiben von besorgten Wettinger Eltern.

Schüler-Demo in Baden gegen Sparpaket
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Cyril (l.), 12 Jahre, Würenlos und Ramon, 12 Jahre, Wettingen Ramon: «Ich könnte zu Hause schreiben – aber durch die Tipps der Lehrperson im Fach Schreibsupport kann ich mich auch weiterentwickeln.» Cyril: «Ich würde gerne Italienisch wählen, da ich es wichtig finde, andere Sprachen zu lernen. Leider soll dieses Wahlfach gekürzt werden.» «Ich könnte zu Hause schreiben – aber durch die Tipps der Lehrperson im Fach Schreibsupport kann ich mich auch weiterentwickeln.» Cyril: «Ich würde gerne Italienisch wählen, da ich es wichtig finde, andere Sprachen zu lernen. Leider soll dieses Wahlfach gekürzt werden.»
Ayat, 14 Jahre, Baden «Das Chemiepraktikum und Italienisch interessieren mich. Es ist schade, wenn diese Angebote gekürzt werden.» «Das Chemiepraktikum und Italienisch interessieren mich. Es ist schade, wenn diese Angebote gekürzt werden.»
Philipp, 11 Jahre, Wettingen «Ich besuche ‹Freies Gestalten›. Dort kann man der Kreativität freien Lauf lassen – ein guter Ausgleich zu den Notenfächern.» «Ich besuche ‹Freies Gestalten›. Dort kann man der Kreativität freien Lauf lassen – ein guter Ausgleich zu den Notenfächern.»
Romy (l.), 14 Jahre, Ennetbaden und Anna, 14 Jahre, Baden «Das Biopraktikum hilft bei der Berufswahl. Man kann dieses Feld auf freiwilliger Basis ausprobieren, sich herantasten und praktisch umsetzen, was man im regulären Unterricht gelernt hat. Es ist schade, dass dieses Angebot gekürzt werden soll – zusammen mit Italienisch, einer Landesprache.» «Das Biopraktikum hilft bei der Berufswahl. Man kann dieses Feld auf freiwilliger Basis ausprobieren, sich herantasten und praktisch umsetzen, was man im regulären Unterricht gelernt hat. Es ist schade, dass dieses Angebot gekürzt werden soll – zusammen mit Italienisch, einer Landesprache.»
Fabian (li.), 14 Jahre, Ennetbaden und Arne, 15 Jahre, Baden «Wahlfächer wie ‹français conversation› oder ‹englisch speaking› sind wichtig, um sich auf die mündlichen Abschlussprüfungen optimal vorbereiten zu können. Es ist schade, wenn wir Jungen in der Freizeit etwas lernen möchten, dies aber in Zukunft nicht mehr möglich sein soll.» «Wahlfächer wie ‹français conversation› oder ‹englisch speaking› sind wichtig, um sich auf die mündlichen Abschlussprüfungen optimal vorbereiten zu können. Es ist schade, wenn wir Jungen in der Freizeit etwas lernen möchten, dies aber in Zukunft nicht mehr möglich sein soll.»
Emma, 15 Jahre, Wettingen «Mich betrifft das Sparprogramm nicht mehr – ich bin in der 4. Klasse. Aber mein kleiner Bruder möchte auch mal Wahlfächer besuchen.» «Mich betrifft das Sparprogramm nicht mehr – ich bin in der 4. Klasse. Aber mein kleiner Bruder möchte auch mal Wahlfächer besuchen.»

Schüler-Demo in Baden gegen Sparpaket

Stefanie Suter

Die Forderungen und Wünsche der Schüler und Eltern verhallen nicht ungehört: «Das Bildungsdepartement und auch der Gesamtregierungsrat nimmt alle Kundgebungen, Reaktionen und Stellungnahmen ernst», sagt Irene Richner, Pressesprecherin des BKS. Sie würden im laufenden Anhörungsprozess sorgfältig ausgewertet werden.

Besonders das Ausmass, in dem es die Wahlfächer trifft, ärgert die Schüler: «Wir sind wütend und entsetzt, wie radikal die Massnahmen sind», sagte Schülerin Milena Stuck im Vorfeld der Demonstration. Die Kundgebung zeigt, dass die Schüler den Plänen des BKS kritisch gegenüberstehen, das Angebot an Wahlfächern stark zu reduzieren.

Richner entgegnet: «Insbesondere im interkantonalen Vergleich sowie im Hinblick auf die geplante Einführung des Deutschschweizer Lehrplans verfügt der Kanton Aargau heute über ein überdurchschnittlich ausgebautes Wahlfach- und Freifachangebot.»

Dieses sei zwar attraktiv, aber auch mit hohen Kosten verbunden. «Der Regierungsrat ist verpflichtet, einen ausgeglichenen Staatshaushalt zu führen.» Auch nach Umsetzung der vorgeschlagenen Massnahmen, die Wahl- und Freifächer zu kürzen, bestehe weiterhin ein gutes Angebot.

Betroffen zeigten sich die Schüler auch über den geplanten Abbau des Deutsch-Zusatz-Angebots. «Es handelt sich um eine moderate Massnahme», erklärt Richner. «Dieses Angebot wird nicht gestrichen, sondern die Zuweisung wird neu gestaffelt.» Dies bedeute, dass das einzelne Kind gleich viele Unterrichtslektionen besuche wie bis anhin, die Gruppe in Einzelfällen jedoch um ein Kind grösser sei. Das kantonale Sparpaket kommt im Juni in den Grossen Rat.