Das Rehkitz aus Turgi hatte keinen einfachen Start ins Leben: Seine Mutter wird angefahren und stirbt, als es gerade einmal sieben Wochen alt ist; der Rehbock, dem es sich später anschliesst, wird von Jägern abgeschossen, weil er zu zutraulich wurde und in die umliegenden Gärten ging.

Das Rehkitz musste sich im Wald von Turgi alleine durchschlagen und wurde als «Bambi von Turgi» bekannt. Wildhüter zeigten sich damals erstaunt darüber, dass das Tier so lange ohne seine Mutter überleben konnte. Normalerweise verbringt ein Kitz ein Jahr an der Seite seiner Mutter. Tierfreund Fredi Schären aus Turgi beobachtete und filmte das weibliche Jungtier von Anfang an. Noch im September vergangenen Jahres machte er sich Sorgen, ob es den bevorstehenden Winter alleine überleben wird.

Bambi schlägt sich im Wald bei Turgi ohne Mutter durch: So berichtete «Tele M1» im September 2014.

Bambi schlägt sich im Wald bei Turgi ohne Mutter durch: So berichtete «Tele M1» im September 2014.

Ein Freudentanz zum Abschied

Nun gibt er Entwarnung: «Dem Reh geht es gut.» Er habe es während des ganzen Winters beobachtet. Das Tier habe regelmässig bei ihm vorbeigeschaut und bei starkem Regen Unterschlupf im offenen Unterstand gesucht. «Ich habe ihm auch Heu hingelegt», sagt Schären. Gestreichelt oder von Hand gefüttert habe er das junge Reh aber nie. Ein Reh sei ein Wild- und kein Haustier.

«Wildtiere sollte man nicht zähmen», weiss Schären. Seit gut zwei Wochen sieht er das Reh nicht mehr. Beunruhigt ist Schären aber keineswegs: «Es hat sich am 13. Mai mit einem speziellen Abschiedsgruss von mir verabschiedet.» Das Reh sei auf der frischgemähten Wiese herumgaloppiert wie ein Fohlen und dabei ganz in seine Nähe gekommen. «Ich bin überzeugt, dass es in der Nacht darauf weitergezogen ist.»

«Bin ein bisschen traurig»

Rehe werden in diesem Alter geschlechtsreif. «Wahrscheinlich hat es eine Fährte aufgenommen», sagt Schären. Um ganz sicherzugehen, dass seinem jungen Schützling nichts zugestossen ist, hat er die Lieblingsplätze des Rehs trotzdem noch abgesucht. Auch beim Jagdaufseher im Revier hat er nachgefragt.

Aber auch diesem ist nichts aufgefallen. Schären geht deshalb davon aus, dass es das Reh sicher über die nahegelegene Landstrasse geschafft hat. Der plötzliche Abschied fällt Schären nicht einfach: «Ich bin natürlich schon ein bisschen traurig, dass es weg ist. Aber vielleicht kommt es ja wieder und bringt seinen Partner mit.»