Vor zwei Wochen gab Ennetbadens Gemeinderat per Medienmitteilung seinen Wunsch bekannt, die Fusionsgespräche mit Baden abbrechen zu wollen. Das letzte Wort wird in dieser Frage die Gemeindeversammlung am 11. Juni haben. Ennetbadens Ammann Pius Graf weilte am Tag der Bekanntgabe und in den darauffolgenden Wochen aus beruflichen Gründen im Ausland. Nun beantwortet er Fragen zum geplanten Fusionsstopp. «Ich bin überzeugt, dass heute, 2015, ein Antrag für einen Zusammenschluss mit Baden abgelehnt würde», sagt er.

Herr Graf, Ennetbadens Gemeinderat will die Fusionsgespräche mit Baden auf Eis legen. Haben Sie nach Bekanntgabe dieses Entscheids viele Reaktionen erhalten?

Pius Graf: Es gab einige wenige Reaktionen, wobei die lobenden Stimmen klar in der Mehrheit waren. Insgesamt war es aber sehr ruhig, insbesondere blieben emotionale Reaktionen aus.

Wie erklären Sie sich diese Gleichgültigkeit?

Zusammenschlüsse sind bei der Bevölkerung ganz einfach kein dringliches Thema, es beschäftigt die Leute kaum. Das hat auch damit zu tun, dass es Ennetbaden finanziell und ganz allgemein sehr gut geht. Viele sehen keinen Änderungsbedarf.

Ist das auch Ihre persönliche Meinung? Als Beobachter hatte man nie den Eindruck, dass Sie eine Fusion mit voller Kraft vorantreiben. Zuerst haben Sie keine Stellung in dieser Frage bezogen, später haben Sie Baden sogar Arroganz und Untätigkeit vorgeworfen.

Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb wir als kleine Gemeinde den Lead übernehmen sollen, wenn es um den Aufbau einer Regionalstadt geht. Wenn schon, sollten Baden oder Wettingen diese Rolle übernehmen. Baden bekundet zwar Interesse mitzumachen, hat meines Wissens aber noch kein einziges fundiertes Papier zum Thema Regionalstadt verfasst. Auch von Wettingen würde ich mir mehr Engagement wünschen.

Hand aufs Herz: Befürworten Sie persönlich eine Fusion mit Baden oder nicht?

Das ist nicht wichtig. Und darum alleine geht es auch nicht. Für den Gemeinderat stand die Diskussion um einen Zusammenschluss mit Baden allein nie im Vordergrund, es ging stets auch um die Frage einer Fusion mit anderen Gemeinden zu einer Regionalstadt.

Als Begründung für den gewünschten Fusions-Stopp wurde im Communiqué auch die «politische Situation» in Baden angegeben. Es gibt Stimmen, die behaupten, die Krise komme Ennetbaden gerade recht, der Gemeinderat habe die Fusion sowieso nicht gewollt.

Dazu werde ich auch an der Gemeindeversammlung Stellung nehmen, denn diese Aussagen entsprechen nicht den Tatsachen. Es ist sonnenklar: Die Ausgangslage für Zusammenschlussprojekte ist derzeit denkbar schlecht. Darum bitten wir unsere Stimmbürger um Erlaubnis, die Gespräche auf Eis zu legen. Von den Gemeinden rund um Baden im sogenannten Kreis I fand keine den Zeitpunkt für Zusammenschlüsse ideal. Keine hat Fusionen als Legislaturziel definiert. Das hat auch damit zu tun, dass die Kooperationen nach wie vor sehr gut funktionieren. Und man darf die Realität nicht ausblenden: Die politischen Wirren in Baden sind keine gute Basis für den Start eines solchen Projektes.

Könnten Sie sich vorstellen, die Gespräche wieder aufzunehmen, wenn sich die politische Situation in Baden verbessert hat?

Ja, das kann ich mir vorstellen. Ein politisch stabiles Baden allein würde aber wie gesagt nicht genügen, auch die anderen Gemeinden müssten sich aktiv bemühen.

Was halten Sie vom Verein «Traktandum 1», der den Aufbau einer Regionalstadt von unten anstrebt – breit abgestützt in der Bevölkerung?

Grundsätzlich finde ich die Idee gut und die Diskussion wichtig. Allerdings hat es die Gruppe bisher noch nicht erreicht, sich annähernd genügend Gehör zu verschaffen.