Spreitenbach
Nach Todessturz im Liftschacht: Anwohner müssen zu Fuss durchs 12-stöckige Treppenhaus

Mitte Juni stürzte in einem Wohnhaus in Spreitenbach ein 27-jähriger Mann in einem Liftschacht zu Tode. Ein Gutachten stellte danach fest, dass auch der zweite Lift im Haus wegen gravierenden Mängeln ausser Betrieb genommen werden muss. Dies zum Leidwesen der älteren Hausbewohner, die nun zu Fuss gehen müssen.

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Nach dem tödlichen Sturz im Liftschacht wurde der betreffende Lift ausser Betrieb genommen – nun wurde auch der Zweitlift gesperrt.

Nach dem tödlichen Sturz im Liftschacht wurde der betreffende Lift ausser Betrieb genommen – nun wurde auch der Zweitlift gesperrt.

Screenshot/TeleM1

Es war ein tragischer Unfall, der sich an jenem Montag Mitte Juni ereignete. Ein 27-jähriger Mieter des 12-stöckigen Hochhauses in Spreitenbach öffnete die Türen des Lifts und wollte die Kabine betreten. Doch die war nicht da, der junge Mann stürzte elf Stockwerke tief in seinen Tod.

Seither steht der Lift still. Die Bewohner der Liegenschaft mussten sich mit dem zweiten, kleineren Lift begnügen. Bis letzte Woche – denn nun wurde auch dieser Lift stillgelegt. Dies aufgrund eines Gutachtens, das auch dem Zweitlift gravierende Sicherheitsmängel attestiert, wie Recherchen der Tageszeitung «Blick» zeigen.

So fehle seit einem Umbau des Lifts im Jahre 2007 etwa ein Geländer. Weiter sollen eine Schachttürverriegelung angefeilt und zwei Türschlösser verkehrt herum eingebaut sein. Die Ingenieure, welche den Lift untersucht haben, kommen zum Schluss: das Sicherheitsproblem, das den 27-Jährigen das Leben kostete, könnte auch beim zweiten Lift auftauchen.

Untragbare Situation für die Bewohner

Aus diesem Grund hat die Verwaltung der Liegenschaft die Liftanlage «bis auf weiteres» ausser Betrieb genommen. Dies ist vor allem für die älteren Bewohner des Mehrfamilienhauses an der Langäckerstrasse 28 ein grosses Problem. Gegenüber «Blick» erklärte ein junger Italiener, dass seine 89-jährige Mutter im achten Stock des Hauses lebt. Sie sei fast blind und könne kaum Treppen steigen. «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie auf dem Weg in die Waschküche stürzt», so der junge Mann.

Auch für Bewohner mit Herzproblemen, Eltern mit Kinderwagen oder Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, ist die Situation im Wohnhaus derzeit untragbar, wie «Blick» weiter schreibt. Auf Anfrage bei der Stockag Immobilien und Treuhand AG, der Verwaltung der Liegenschaft, heisst es: «Wir bedauern sowohl den tödlichen Unfall im Juni wie auch die aktuelle Situation ausserordentlich. Doch wir mussten nach Vorliegen des Gutachtens auch den zweiten Lift ausser Betrieb nehmen – alles andere wäre verantwortungslos.» Man könne nicht verantworten, dass sich eine solche Tragödie wie Mitte Juni wiederhole.

Zudem sei ein eingeschriebener Brief der Gemeinde Spreitenbach bei der Immobilienverwaltung eingetroffen. Die Bauverwaltung untersage die Nutzung aller Liftanlagen im Wohnhaus ab sofort. Man arbeite aber «mit Hochdruck» mit den Aufzugsunternehmen an einer Lösung, beteuert ein Sprecher der Immobilienverwaltung. Bis die Reparatur abgeschlossen sei, dauere es aber mehrere Wochen. (luk)

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