Hündin Bella ist elf Jahre alt. Seit neun Jahren lebt sie in Spreitenbach bei ihrem Halter Rocco Ricci. «Sie ist ein Mitglied unserer Familie», sagt er. «Sollte ihr etwas zustossen, wäre das einer der grössten Schmerzen meines Lebens.»

Diese Angst, dass dem geliebten Hund etwas zustossen könnte, beschäftigt zurzeit einige Spreitenbacher. Gleich vier Hunde sind Ende letzte Woche unter mysteriösen Umständen in der Gemeinde gestorben. Einer an der Güterstrasse vor dem Qualipet, einer am Pappelweg und zwei an der Industriestrasse, unweit vom Tivoli.

Die Symptome, welche die Hunde kurz vor dem Tod gezeigt haben, seien gemäss Kantonspolizei stets dieselben gewesen: erhöhter Speichelfluss, Zittern und Kreislaufschwäche. Ob die Hunde Opfer von Giftködern wurden, steht noch nicht fest. «Im besagten Gebiet konnten keine solchen aufgefunden werden», schreibt die Polizei. Die Vorfälle passierten unabhängig voneinander, die betroffenen Hundehalter kennen sich nicht.

Meldung im Giftköder-Radar

Am Sonntagmorgen um 9.48 Uhr wurde eine Meldung auf dem Giftköder-Radar – ein GPS-Warnsystem für Hundebesitzer – aufgeschaltet: «Unbekannte Substanz, führt innert zehn Minuten zum Tod.» Betroffen ist eine Hundehalterin aus Oberengstringen. Am Freitagabend war sie nach Spreitenbach gefahren, um ihre drei Hunde – alle kleine Pudelmischlinge – bei ihrer Schwester abzuholen.

Sie fuhr danach mit dem Auto an die Industriestrasse, wo sie ihre drei Hunde für wenige Minuten freiliess, so wie sie das immer tat. «Plötzlich sah ich, wie einer der Hunde regungslos am Boden lag und wie ein anderer stark zuckte», erzählt sie. Sofort brachte sie die zwei anderen ins Auto und nahm den am Boden liegenden Hund an sich. «Ich spürte, wie sein Herz langsam aufhörte zu schlagen. Es war schrecklich.»

Unterwegs starb der zweite Hund

Sie brachte die Hunde nach Watt in die Tierklinik. Unterwegs sei auch der zweite Hund gestorben, der dritte hingegen habe überlebt. «Er hatte einen verspannten Bauch, Kreislaufstörungen und erhöhte Temperatur. Womöglich hat er den Köder nur angebissen und nicht hinuntergeschluckt», sagt sie. Die beiden Hunde, die gestorben sind, befinden sich noch zur Obduktion im Tierspital Zürich.

Auch wenn noch keine Klarheit über die Todesursache herrscht, gibt sich die Schwester der betroffenen Hundehalterin, auf deren Hof in Spreitenbach die Hunde den Tag verbracht hatten, sehr besorgt. Auf keinen Fall möchte sie, dass ihr Name oder Bilder von ihrem Hof in die Medien gelangen. «Ich habe grosse Angst. Vielleicht greift der Täter auch uns an, schmeisst neue Giftköder über den Zaun auf unseren Hof und tötet weitere Hunde», sagt sie.

«Ich will das nicht wieder erleben»

Am Dienstagnachmittag spazierten weiterhin Hundehalter unmittelbar bei der Stelle, an der die zwei Pudelmischlinge der vermeintlich giftigen Substanz zum Opfer fielen. Rocco Ricci ist einer von ihnen. Er erzählt, wie er Hündin Bella vor neun Jahren zum ersten Mal sah.

Völlig erschöpft, regungslos und verlassen sei sie auf der Strasse gelegen. Er habe sie mit nach Hause genommen und sich um sie gekümmert. «Ich habe sie schon einmal fast tot gesehen, ich will das nicht wieder erleben.»