Der Strafregister-Auszug umfasst fünf A4-Seiten. Aufgeführt sind vorwiegend Vergehen gegen das Strassenverkehrs-Gesetz, wobei Fahren ohne Berechtigung deutlich obenaus schwingt. Auf die Frage von Gerichtspräsident Daniel Peyer, wie es zu all den Bussen, Geld- und Haftstrafen gekommen ist, meint Rico (Name geändert) lapidar: «I bi halt jung gsi.» Mit seinen gut 27 Jahren ist Rico – Jeans, auffällig weiss bedrucktes schwarzes Sweatshirt, breite Schultern, kurz geschorenes Haar, unrasiert, in einem Ohrläppchen einen silbernen Spiess – immer noch jung.

Obwohl er leidenschaftlich gerne Auto fährt, hatte er es nicht geschafft, einen Führerschein zu erwerben. Es sei, sagt er, an seinen «schulischen Leistungen gescheitert». Seit einer Anlehre zum Landwirt schlägt er sich mit Temporärjobs mehr schlecht als recht durchs Leben. Als er 2014 eine achtmonatige Haftstrafe hätte antreten müssen, hatte er sich aus dem Staub gemacht. «Warum ausgerechnet nach Uganda?» Er sei durch ein Inserat, in dem Kräfte für ein Hilfsprojekt gesucht wurden, darauf gekommen. «Ich war dort in der Landwirtschaft tätig. Das hat mir gefallen.» Trotzdem war Rico nach einem guten Jahr in die Schweiz zurückgekehrt und hatte hier seine Strafe verbüsst.

Als Totalfälschung entpuppt

Zurückgeblieben ist eine Uganderin mit einer heute zweijährigen Tochter, mit der Rico via Skype in Verbindung steht und die er mit durchschnittlich 160 Franken monatlich unterstützt. Mitgekommen war ein ugandischer Führerausweis. Diesen hatte Rico im Oktober 2016 beim Strassenverkehrsamt in Schafisheim zusammen mit einem «Gesuch um Umtausch eines ausländischen Führerausweises» eingereicht. Der ugandische Ausweis kam den Beamten spanisch vor und prompt entpuppte er sich als Totalfälschung. «Ich hatte in Uganda einen Deutschen getroffen, der mir Fahrstunden gab und den Führerausweis ausgehändigt hat.» Umgerechnet 1000 Franken habe er bezahlt und sei von der Echtheit des Ausweises überzeugt gewesen. Hier war er bloss im Januar 2017 nochmals ohne Ausweis gefahren: «Es war ein Notfall. Meine Schwester, mit der ich verkracht bin, wollte mein Kinderbett, das unser Vater selber gemacht hatte, weggeben. Ich musste es auf der Stelle abholen.»

Alles in allem sass Rico diesmal wegen versuchten Missbrauchs von Ausweisen, einmal mehr wegen Fahrens ohne Berechtigung sowie «Widerhandlung gegen die Bestimmungen zur Verwendung von Wechselkontrollschildern» vor Gericht. Für den «Notfall» hatte er das Auto seines damaligen Arbeitgebers, eines Garagisten, versehen mit Händlerschildern, verwendet.

Acht Monate Freiheitsstrafe unbedingt sowie Widerruf einer 2012 bedingt erlassenen Freiheitsstrafe von sechs Monaten – dies der Antrag des Staatsanwaltes. Der Verteidiger plädierte für einen Freispruch vom Vorwurf des versuchten Missbrauchs von Ausweisen: «Dieser Tatbestand setzt Vorsatz voraus, welcher meinem Mandanten nicht rechtsgenüglich nachgewiesen ist.» In den übrigen Anklagepunkten sei Rico schuldig. Dafür sei eine unbedingte Geldstrafe von 900 Franken angemessen. Seit 2012 habe Rico sich bis zum Ausrutscher im Januar 2017 wohlverhalten. Weshalb vom Widerruf abzusehen sei.

Einstimmiges Urteil

Das Gericht entschied einstimmig: In der Sache mit dem ugandischen Führerschein wurde Rico nach dem Grundsatz in dubio pro reo frei-, ansonsten schuldig gesprochen und zu einer unbedingten Geldstrafe von 3600 Franken verurteilt. Der bedingte Vollzug der sechs Monate aus dem Jahre 2012 wird widerrufen. «Da holt Sie nun die Vergangenheit ein, aber Sie können diese Strafe in Halbhaft absitzen», schloss Präsident Peyer.