Surbtal
Nachbarschaftlicher Wettbewerb: Ein jüdisches Museum, zwei Gemeinden

Das Surbtal könnte in naher Zukunft eine touristische Attraktion erhalten. Denn die Gemeinde Lengnau bemüht sich aktiv um den Bau des jüdischen Museums und löst damit gemischte Reaktionen aus. Im Unterschied zu Endingen sind die Planungen in Lengnau schon in vollem Gang.

Daniel Weissenbrunner
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So könnte das Doppeltür-Besucherzentrum aussehen: Wo es zu stehen kommt, ist noch völlig offen.

So könnte das Doppeltür-Besucherzentrum aussehen: Wo es zu stehen kommt, ist noch völlig offen.

Alan Edburg

Die Pläne sind ambitioniert: Das Surbtal könnte in naher Zukunft eine touristische Attraktion erhalten. Für rund 16 Millionen Franken soll die Geschichte der Surbtaler Juden aufbereitet werden (siehe Box). Herzstück des Projekts ist das geplante Besucherzentrum Doppeltür (die az berichtete).

Wo es zu stehen kommt und wann, ist gemäss Lukas Keller aber noch völlig offen. «Eine Prognose abzugeben, wäre zum heutigen Zeitpunkt unseriös», sagt der ehemalige Gemeindeammann von Endingen und Projektleiter von «Doppeltür». Zuerst müssten die nötigen Strukturen geschaffen werden. Keller rät davon ab, dass im Surbtal im Rennen um den Standort ein Wettbewerb entsteht.

In Lengnau beurteilt man die Ausgangslage offenbar anders. Gemeindeschreiber Anselm Rohner bezeichnet den angelaufenen Prozess als gut nachbarschaftlichen Wettbewerb. Im Unterschied zu Endingen sind die Planungen in Lengnau in vollem Gang. Im Rahmen der neuen Zentrums- und Dorfplatzentwicklung hat eine Arbeitsgruppe mehrere Standorte geprüft und gefunden. Drei Grundstücke bzw. Liegenschaften werden im Nutzungskonzept für den symbolträchtigen Bau explizit als geeignet erwähnt und empfohlen.

Rietwise:Die öffentliche Zone Rietwise im Umfang von knapp 8000 m2 befindet sich im Besitz der Gemeinde und geht mit der Kaufpreiszahlung im Jahre 2018 auch nutzungsmässig an die Gemeinde. Die eingesetzte Arbeitsgruppe erachtet die öffentliche Zone Rietwise als prioritäre Option für ein Besucherzentrum für das Projekt «Doppeltür».

Liegenschaft Krone: Alternativ wird das Kronengebäude für das Besucherzentrum aufgrund seiner attraktiven Lage im Dorfzentrum vorgeschlagen. Die Liegenschaft wurde im Jahre 1995 von der Gemeinde erworben. Nebst dem Restaurantteil, welcher im Jahre 2014 modernisiert wurde, steht ein Gewerberaum der Bäckerei zur Verfügung. Langfristig soll die Liegenschaft abgerissen und der vordere Hauptbau neu gebaut werden.

Liegenschaft Gmür: Als weitere Option empfiehlt die Arbeitsgruppe die mittelfristig zum Verkauf stehende Liegenschaft Gmür. Erste Abklärungen mit dem Eigentümer der Liegenschaft haben ergeben, dass grundsätzliche Verkaufsbereitschaft besteht.

Lukas Keller will sich zum Vorgehen der Lengnauer nicht äussern. Er weist jedoch darauf hin, dass sich das Projekt dereinst in den Händen einer gemeinnützigen privaten Stiftung befinden wird und nicht die Gemeinden über die Standortfrage entscheiden werden. Dass sich Lengnau mit der aktiven Suche einen Vorteil verschafft, verneint Keller. «Einfach deshalb, weil wir, Stand jetzt, nicht wissen, wie das Anforderungsprofil an ein Besucherzentrum aussehen wird.»

Erst vergangene Woche hat Keller 30 Institutionen landesweit angeschrieben, mit dem Ziel, Mitglieder für die geplante Gründung des Vereins im kommenden Jahr zu gewinnen sowie die nötigen Mittel zu beschaffen. Allein das Besucherzentrum soll 12 Millionen Franken verschlingen.

Keine Nervosität in Endingen

Unbestritten ist, dass das Projekt «Doppeltür» sowohl Lengnau wie auch Endingen eine einmalige Chance bieten würde. Die Initianten gehen von rund 30 000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr aus. Vom zu erwartenden Andrang soll die lokale Gastronomie, die Hotellerie oder das Gewerbe entsprechend profitieren. «Wenn jeder Besucher nur einige Franken hier konsumiert, würde sich das spürbar auswirken», sagt Anselm Rohner.

Keine Hektik lösen die Pläne der Lengnauer in Endingen aus. «Uns läuft die Zeit nicht davon», gibt sich Ammann Ralf Werder gelassen. Die Gemeinde verfüge bei Bedarf über die nötigen Grundstücksreserven. «Wir wollen aber nicht vorgreifen.»

Das Besucherzentrum soll letztlich dort zu stehen kommen, wo der Nutzen am grössten ist, sagt Werder frei von jeglichem «Gärtlidenken». Die Frage stellt sich, ob man in Lengnau die gleiche Sichtweise hat. Gemeindeammann Franz Bertschi sagte im April an der Vorstellung des Projekts. «Die Endinger hätten es gerne in Endingen, die Lengnauer gerne in Lengnau.»

Ein Bild über den aktuellen Stand kann sich die Bevölkerung am 29. Oktober machen. An diesem Tag veranstaltet die Lengnauer Behörde einen Workshop.

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