Mellingen
Nächste Runde am Tägerigerweg - dieser muss 4.5 Meter breiter werden

Über 40 geplante Wohnungen sind am Tägerigerweg blockiert, weil das Strässchen zuerst breiter werden muss. Nun liegt der Erschliessungsplan vor.

Sabina Galbiati
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Damit die über 40 Wohnungen am Tägerigerweg realisiert werden können, soll die Fahrbahn auf Länge der roten Linie 4,5 Meter breit werden.

Damit die über 40 Wohnungen am Tägerigerweg realisiert werden können, soll die Fahrbahn auf Länge der roten Linie 4,5 Meter breit werden.

Der Ausbau des inzwischen berüchtigten Mellinger Tägerigerwegs kommt in eine nächste Runde. So darf man es wohl sagen, wenn ab Montag der Erschliessungsplan für den Ausbau ebenjenes Strässchen öffentlich aufliegt.

Zur Erinnerung: Seit über zwei Jahren ist der geplante Erweiterungsneubau des Alterszentrums «Im Grüt» blockiert wegen der ungenügenden Erschliessung über den Tägerigerweg. Der Neubau mit 14 Pflegewohnungen ist nicht das einzige Bauvorhaben, das deswegen auf Eis liegt: Auch die drei seit langem geplanten Mehrfamilienhäuser mit bis zu 30 Wohnungen, welche die Bauherren Paul Zürcher, ehemaliger Mellinger Gemeindeammann, und Thomas Masarik unweit des Alterszentrums am Tägerigerweg planen, kommen nicht vom Fleck. Zuerst muss der westliche Teil des Wegs als Zufahrtsstrasse ausgebaut werden. Eine solche braucht es für den berechneten Mehrverkehr durch die über 40 geplanten Wohnungen.

Der Erschliessungsplan sieht nun vor, dass der Weg von der Einmündung Lenzburgerstrasse bis zur Zufahrt des Alterszentrums auf 4,5 Meter verbreitert wird, sodass sich zwei Fahrzeuge kreuzen können. Die Verbreiterung soll gegen Norden hin erfolgen – unter anderem zulasten der Bauherren Zürcher und Masarik.

Öffentliche Auflage: Wohnnutzung in der Gewerbezone soll beschränkt möglich sein

Gleichzeitig wie der «Erschliessungsplan Tägerigerweg» wird die Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) öffentlich aufliegen. An der ausserordentlichen Gmeind im Herbst 2016 genehmigten die Anwesenden die neue BNO – allerdings mit zwei Teilrückweisungen. Ursprünglich sah die neue BNO eine erhebliche Beschränkung der Wohnnutzung in den Arbeitszonen vor. Damit war eine Mehrheit an der Gemeindeversammlung nicht einverstanden. Diesen Punkt musste der Gemeinderat neu beurteilen.

Künftig sollen bis zu 15 Prozent der anrechenbaren Gewerbefläche als Wohnraum genutzt werden dürfen. Die zweite Teilrückweisung betraf die Möglichkeit des Gemeinderates, die Verfügbarkeit von Bauland vertraglich zu regeln. Da seit Mai der Kanton für diese Regelung zuständig ist, kann in der BNO darauf verzichtet werden. Was die Gesamtrevision der BNO vom September 2016 betrifft, so ist deren Genehmigung noch beim Regierungsrat hängig.

Hier liegen auch zwei Beschwerden vor. Die eine von Thérèse Bächer-Hirt: Sie wehrt sich dagegen, dass rund 9000 Quadratmeter ihres Landes am Tägerigerweg der Landwirtschaftszone zugewiesen werden und stattdessen andernorts eine Arbeitszone geplant ist. Sie führt auch Beschwerde gegen die gesamte BNO. Eine weitere Beschwerde betrifft die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen in der Kreuzzelg. Der Gemeinderat will die Möglichkeit offenhalten, auf dieser Parzelle einen Kindergarten erstellen zu können. Der Beschwerdeführer will hingegen auf dem Land eine Wohnnutzung ermöglichen. (gal)

Mit dem Erschliessungsplan kommt der Gemeinderat dem Entscheid des Regierungsrats nach. Letzterer hatte bereits 2015 die Erschliessung für unzureichend befunden und damit gleichzeitig die Beschwerde von Thérèse Bächer-Hirt gutgeheissen. Sie besitzt das Land auf der gegenüberliegenden Südseite des Weges. Seit Jahrzehnten besteht ein Dienstbarkeitsvertrag, der es der Gemeinde erlaubt, einen Streifen des Bächer-Hirt-Landes für die Strasse zu nutzen.

Doch ebendieser liegt in der Landwirtschaftszone, deshalb darf er für die Erschliessung nicht genutzt werden und ist nicht mehr Teil davon. «Über den Dienstbarkeitsvertrag wird der Gemeinderat erst befinden können, wenn das Strassenbauprojekt rechtskräftig ist», erklärt Bauverwalter Emanuele Soldati.

Knacknuss im Osten

Nicht nur die Breite der Strasse bis zur Einfahrt des Alterszentrums gestaltet sich als Knacknuss. Weil der Tägerigerweg auch eine kantonale Radroute ist, muss die Gemeinde auf dem östlichen Abschnitt zwei Ausweichstellen einplanen. Eine davon ist auf dem gemeindeeigenen Parkplatz beim Alterszentrum eingeplant. Die zweite war ursprünglich auf zwei Parkplätzen und dem angrenzenden Biotop auf dem Grundstück von Ehepaar Berner vorgesehen.

Doch Berners wehrten sich bei einer vorgängigen Anhörung gegen dieses Vorhaben. Soldati: «Wir haben mit den betroffenen Grundeigentümern gesprochen und haben eine andere Ausweichstelle eingeplant.» Der Gemeinderat sieht diese nun auf der anderen Strassenseite bei der Zufahrt zum Bauwerk der Hochwasserentlastung vor. Die Parzelle ist Gemeindeeigentum. Die Berners sind froh: «Für uns stimmt die Lösung so.»

Sobald der «Erschliessungsplan Tägerigerweg» rechtskräftig ist, wird der Gemeinderat ein Strassenbauprojekt ausarbeiten lassen und den entsprechenden Baukredit der Gemeindeversammlung vorlegen.