Baden
Nächtliches Lichterlöschen: Quartierbewohner fühlen sich schlecht informiert

Quartierbewohner in Baden fühlen sich beim Projekt Lichterlöschen vor vollendete Tatsachen gestellt. Vor einem Monat startete das Projekt in zwei Quartieren, bei dem die Strassenbeleuchtung für vier Stunden in der Nacht ausgeschaltet wird.

Sabina Galbiati
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Das Projekt Lichterlöschen ist vor einem Monat angelaufen (die az berichtete). Betroffen sind die beiden Stadtteile Rütihof und Allmend/Münzlishausen.

Von Montag bis Freitag wird nachts zwischen ein und fünf Uhr die Strassenbeleuchtung ausgeschaltet. Die Nächte am Wochenende sind ausgenommen. Eine Anfrage der az zeigt: Die Bewohner im Quartier Allmend/Münzlishausen sind über das Lichterlöschen gar nicht erfreut.

Die Leute kritisieren, der Stadtrat habe im Vorfeld zu wenig informiert. Konkret: «Drei Tage bevor wir es in der Zeitung lasen, wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt», sagt der Präsident des Quartiervereins Nick Marolf.

Er hätte sich mehr Mitspracherecht erhofft. Einige Anwohner wollten Unterschriften gegen das Lichterlöschen sammeln. «Doch die Leute im Quartier denken, der Stadtrat mache sowieso, was er wolle.» Marolf hat einen der Stadträte, auf das Unterschriftensammeln angesprochen.

«Besagter Stadtrat liess dazu verlauten, wir könnten Tausende von Unterschriften als Ausdruck des Volkswillens vorlegen, das ändere für sie nichts.» Den Namen des Stadtrats will, Marolf nicht bekannt machen. Indes kann sich Stadtammann Geri Müller nicht vorstellen, dass ein Stadtrat eine solche Äusserung machen würde.

Sollte es dennoch so gewesen sein, verweist Müller darauf, dass er zu anonymer Kritik keine Stellung nehmen kann. «Es wäre in einem solchen Fall aber sicherlich gut, wenn die beiden aufeinander zu gehen würden und prüfen würden, ob das so gemeint war.»

Müller räumt ein: «Dass wir nicht schon bei der Planung dieses Pilotversuchs auf die beiden Quartiere zugegangen sind, war ungeschickt.» Dies will der Stadtrat künftig ändern. «Der Stadtrat will enger mit den Quartiervereinen arbeiten und das Gespräch suchen», sagt Müller.

«Es wäre schade, wenn das Projekt gefährdet wäre, nur weil wir früher hätten informieren sollen. Nach wie vor ist der gesamte Stadtrat überzeugt vom Projekt.» Zudem hätten Erfahrungen aus anderen Gemeinden überzeugt. Es habe nicht mehr Einbrüche oder Überfälle gegeben und es sei auch nicht zu mehr Unfällen gekommen.

Bewohner: «Kein positives Wort»

Das überzeugt die Bewohner in Allmend/Münzlishausen nicht. Sie zweifeln am Nutzen des Lichterlöschens. «Ich habe in den Gesprächen mit den Quartierbewohnern kein einziges positives Wort gehört», sagt Marolf. Einige Anwohner seien überzeugt, «mit zeitgemässer LED-Technik liesse sich mehr sparen», sagt er. «Auch die Sicherheit gibt im Quartier zu reden.»

Ganz anders sieht es im Quartier Rütihof aus: Gelöschte Lichter auf den Strassen scheinen für die Bewohner längerfristig ein vorstellbares Szenario zu sein. «Wir hatten die Bewohner in unserer Quartierzeitung Rütihöfler gebeten, sich zu melden, falls sie Fragen oder Bedenken haben», sagt Daniel Schneider, Präsident des Quartiervereins Rütihof.

Fakt ist: Bis heute sei keine einzige Rückmeldung gekommen. «In der Nachbarschaft scheint es kein Thema zu sein, denn es spricht niemand davon». Schneider wertet das als positives Zeichen. «Keine Meldung deute ich als ein ‹alles ist gut›.» Martin Koch, Leiter Abteilung Tiefbau, versichert: «Wir sind jederzeit offen für Fragen und Anregungen.» Zudem sei die Stadtpolizei ins Konzept eingebunden.

«Sie würden uns Zwischenfälle melden.» Doch seit des Teststarts hätten sich weder die Quartierbewohner noch die Polizei gemeldet, sagt Koch. Lediglich eine Zeitungsverträgerin habe sich über die Dunkelheit beim Austragen geärgert.