Killwangen/Buchs-Rohr

Nachwuchs-Athleten sind dem Goodwill der Gemeinden ausgeliefert

Der Killwanger Fadri Bernet (Nr. 301) besucht die Sportschule Buchs-Rohr.

Der Killwanger Fadri Bernet (Nr. 301) besucht die Sportschule Buchs-Rohr.

Besuchen junge Athleten die Sportklasse in Buchs-Rohr, übernehmen fast alle Gemeinden die vollen Kosten. Nicht so Killwangen. Die Familie des Mountainbikers Fadri Bernet (14) wünscht sich mehr Wertschätzung.

46 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit die Sportklasse der Sekundarstufe 1 an der Kreisschule Buchs-Rohr. Aufgenommen wird nur, wer schweizweit zu den Top-Ten seines Jahrganges gehört, nationales Potenzial hat oder in einer Regionalauswahl ist und eine Talentkarte des Dachverbands Swiss Olympic besitzt. Unter den jungen Talenten befindet sich auch der Mountainbiker Fadri Bernet (14) aus Killwangen.

Seine Eltern unternehmen viel, damit er seinem Ziel – einmal an die Erfolge des Schweizer Olympiasiegers Nino Schurter anzuknüpfen – näherkommt. Dazu gehören finanzielle Aufwendungen, wie etwa Schulgebühren. Die Kosten für Schüler aus Aargauer Gemeinden betragen für das aktuelle Schuljahr 9300 Franken. Die Gemeinden, aus denen die Sportschüler stammen, sind nicht verpflichtet, sich an den Gebühren zu beteiligen; es handelt sich um eine freiwillige Leistung. Nichtsdestotrotz übernehmen über 90 Prozent der Gemeinden die vollen Schulgelder, wie Thomas Merkofer, Koordinator der Sportschule, sagt. Fadri Bernet hingegen wird von seiner Gemeinde nicht vollumfänglich unterstützt.

Dreimal eine Absage

«Unsere Gesuche für eine vollumfängliche Übernahme der Schulgebühren wurden in den letzten zwei Jahren abgelehnt. Vor kurzem erhielten wir auch eine Absage für das dritte Schuljahr», sagt Fadris Mutter, Tanja Bernet. Der Familie wird stattdessen «im Sinne einer Gleichstellung aller Schüler» die finanzielle Unterstützung im Umfang der Schulkosten für Oberstufenschüler zugesichert, wie aus dem Protokollauszug des Gemeinderats Killwangen hervorgeht. Für das Schuljahr 2018/19 sind es 6015 Franken. Der Restbetrag von rund 3000 Franken geht somit zulasten der Familie, Reise- und Verpflegungskosten nicht eingerechnet.

«Ich finde es schade, wurde unser Gesuch einmal mehr abgelehnt», sagt Bernet. Dies, obwohl sich die Schulleitung und die Schulpflege jedes Mal für eine volle Übernahme eingesetzt hätten. Die Schule Killwangen sei eine integrative Schule, die auch spezielle Talente und Begabungen fördert und integriert. «Die Gemeinde könnte eigentlich stolz sein, dass es einen Sportler gibt, der gute Resultate zeigt und Killwangen positiv vertritt.» Dies in Anbetracht dessen, dass es viele Jugendliche gebe, die Probleme bereiten würden und unterstützt werden müssten. «In solchen Fällen wird einfach bezahlt. Aber Jugendliche, die sich für etwas einsetzen, unterstützt man nicht. Das ist enttäuschend.»

Rund 15 Stunden pro Woche trainiert Fadri Bernet, der Mitglied des U17-Regionalkaders ist. Hinzu kommen Rennen an den Wochenenden. Neben Einheiten im Leistungsstützpunkt von Swiss Cycling in Gränichen absolviert er viele Kilometer mit seinem Mountainbike rund um Killwangen. «Uns geht es nicht primär um die Kosten, sondern vielmehr darum, dass man einem Sportler, der viel Zeit und Leidenschaft investiert, Wertschätzung entgegenbringt», sagt die Mutter von Fadri.

Grundsatz der Gleichstellung

Gemeinderat und Ressortvorsteher Schule Markus Schmid (CVP), der seit Oktober 2017 im Amt ist, sagt, dass man sehr wohl schätze, wie sich Fadri Bernet für das Mountainbiken engagiere. «Wir sind sehr stolz auf ihn und seine Leistungen. Das ist unumstritten.» Auch sonst schätze man Schüler, die über ein besonderes Talent verfügen. Doch was die Schulgebühren betrifft, könne man der Familie nur die Kosten zusichern, wie sie bei einem auswärtigen Schulbesuch von Oberstufenschüler anfallen. Sprich, den Betrag, der bei Killwanger Schüler anfällt, die das Oberstufenzentrum in Spreitenbach besuchen.

«Die Begabtenförderung – genauso wie die Förderung von Schwächeren – ist eine herausfordernde Thematik. Es ist nicht einfach, da verschiedene Interessen berücksichtigt werden müssen.» Deshalb habe man jeweils am Grundsatz festgehalten, alle Schüler gleich zu behandeln. «So werden Ungerechtigkeit und Neid verhindert», sagt Schmid.

Für Fadri Bernet wird sich betreffend Schulgebühren nichts mehr ändern. Für Talente, die nach ihm kommen, gibt es aber einen Funken Hoffnung, wie Schmid sagt: «Die Begabtenförderung wird je länger je wichtiger.» Dessen war man sich in Vergangenheit vielleicht nicht so bewusst. «Doch in Zukunft müssen wir uns mit dem Thema auseinandersetzen.» Ob und wann sich etwas ändert, kann Schmid zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Wiedererwägungsgesuch stellen

Der junge Mountainbiker ist nicht der einzige Sportschüler, der von seiner Gemeinde nicht vollumfänglich unterstützt wird: Neben Killwangen übernehmen auch zwei Gemeinden aus dem Bezirk Zofingen, eine weitere aus dem Bezirk Baden und eine aus dem Bezirk Lenzburg nicht die vollen Schulkosten, wie der Sportschulkoordinator sagt. «Die Eltern sind auf den Goodwill der Gemeinde angewiesen. Es ist eine schöne Geste, wenn die Kommunen die Schulgelder vollumfänglich übernehmen.» Und wenn dies nicht der Fall ist? «Bei einer Absage ermuntern wir die Eltern, die Gemeinden mit einem Wiedererwägungsgesuch zur vollen Bezahlung zu bewegen», rät Merkofer.

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