Waschmaschine
Nationales Erfolgsmodell: Von der Blechware zur «Merker Bianca»

Die Firma Merker hat ihren Ursprung am Schlossbergplatz. Aus einer einst kleinen Spenglerei wurde das erste Emaillierwerk der Schweiz.

Frederic Härri
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Von der Blechware zur «Merker Bianca»

Von der Blechware zur «Merker Bianca»

Historisches Museum, Fotohaus Zipser, Q.12.1.1258
Werbung für die «echte» Bianca im alten Merkerareal.

Werbung für die «echte» Bianca im alten Merkerareal.

Alex Spichale (Archiv)

Im Jahre 1839 kam der gebürtige Berliner Spengler Johann Friedrich Merker nach Baden, wo er seine erste Spenglerwerkstatt eröffnete. 1873 übernahm sein Sohn Friedrich Merker-Schaufelberger die väterliche Spenglerei am Schlossbergplatz, an der Stelle wo später das «Schild»-Haus gebaut wurde.

Es war das Geburtsjahr des Unternehmens F. Merker & Co. Zusammen mit 20 Mitarbeitern fertigte Merker Blechwaren für Küche und Haushalt an. Weil die Werkstatt aber bald zu klein wurde, erwarb der Spenglermeister das Grundstück auf dem heutigen Areal an der Bruggerstrasse und liess einen zweistöckigen Fabrikbau von 100 Metern Länge bauen. Das Geschäft, dem in der Folge ein Emaillierwerk – das erste der Schweiz – angegliedert wurde, entwickelte sich gut. Bereits 1907 übergab Friedrich Merker den Betrieb an seine Söhne Fritz, Carl, Walter und Hans.

Ein nationales Erfolgsmodell

Nach und nach wurden Spültische aus Chromstahl, Einbauküchen und Geschirrspülautomaten gefertigt. Der erste Merker-Waschvollautomat «Bianca» erlangte 1950 nationale Bekanntheit und war über Jahrzehnte ein Erfolgsmodell. 1991 gab das Unternehmen seine industrielle Tätigkeit auf. Das Waschmaschinengeschäft wurde an die Schulthess Maschinen AG abgetreten, die Abteilung Spezialartikel und Industrieteile übernahm die Egro AG in Niederrohrdorf. Die Stammfirma wurde in Merker Technik AG umbenannt.

Gastronomie statt Waschmaschinen

Sukzessive wurden die frei gewordenen Flächen an der Bruggerstrasse an Gewerbetreibende und Private vermietet. Ab 1995 befand sich in den ehemaligen Fabrikhallen beispielsweise das «Theater am Brennpunkt», die erste mittelgrosse Bühne im Kanton Aargau. Dem neuen Geschäftszweck entsprechend wurde das Unternehmen im Jahr 2000 zur Merker Liegenschaften AG. Die Immobilien- und Gastrogesellschaft wird von der Familie Merker mittlerweile in fünfter Generation geführt. Heute befinden sich auf dem Merkerareal unter anderem die Restaurants «Spedition» und «Rampe». Die Stanzerei wird als Konzert- und Eventlokal betrieben.

Die Waschmaschinenmarke Merker AG hat als Tochter von Schulthess ihren Sitz in Wolfhausen im Zürcher Oberland, wo immer noch Waschmaschinen und Trockner designt und produziert werden. Trotz starker Preiserosion bleibe der Standort auch in näherer Zukunft erhalten, hält Gebietsverkaufsleiter Adrian Ammann fest: «Als Schweizer Traditionsbetrieb schwören wir weiterhin auf den Produktionsstandort Schweiz.» Über 400 Mitarbeiter beschäftigt Schulthess schweizweit. Die Schulthess Group hat ihren Hauptsitz im zürcherischen Bubikon und ist wiederum eine Tochtergesellschaft des schwedischen Heizungsherstellers Nibe Industrier AB.