Naturschutz
Philipp Vock aus Wettingen gewinnt den Walder-Preis

Fast vier Jahrzehnte lang hat er sich mit Leib und Seele für den Wald eingesetzt. Dafür wird er nun mit dem Walder-Preis geehrt. Zudem ist auf seine Initiative die Waldschule entstanden, die auf grossen Anklang gestossen ist.

Drucken
Teilen
Philipp Vock aus Wettingen gewinnt den Walder-Preis 2021.

Philipp Vock aus Wettingen gewinnt den Walder-Preis 2021.

zvg / Kathrin Schulthess

37 Jahre hat Philipp Vock als Revierförster in Wettingen gewirkt und dabei viele Spuren hinterlassen. In einer Zeit, als Naturschutz im Wald noch kaum umgesetzt wurde, eignete sich Vock durch persönliche Weiterbildung Wissen zu diesem Thema an. So wurde ihm der ökologische Wert von Totholz bewusst.

Vock erkannte, dass das Isloch, ein schon länger nicht mehr genutztes felsenreiches Waldgebiet auf der Lägern, als Naturwaldreservat prädestiniert wäre. Das Naturwaldreservat Lägern wurde 1998 auf seine Initiative hin eingerichtet – es ist das älteste Naturwaldreservat im Kanton Aargau und umfasst heute 109 Hektaren, davon 70 Hektaren in Wettingen.

Der Walder-Preis

Die Walder-Bachmann Stiftung unterstützt konkrete Naturschutzmassnahmen in Wald und Offenland in der Nordwestschweiz. Weiter vergibt sie seit dem Jahr 2002 jährlich den mit CHF 50'000 dotierten Walder-Preis für Naturschutz. In diesem Jahr geht er also nach Wettingen zu Philipp Vock.

1998 lanciert er ein Herzensprojekt

Sein feines Gespür für die Schönheit und den Wert der Natur, sein grosses Wissen und seine seriöse Art haben damals wohl auch geholfen, die Waldeigentümer für ein Naturwaldreservat zu überzeugen. Auf seine Initiative wurden zahlreiche weitere Naturschutzprojekte im Wald umgesetzt, zum Beispiel lichte Wälder oder Waldweiher. Dass die Region Wettingen im Waldnaturschutz seit Jahrzehnten stark ist, ist massgeblich dem Engagement von Philipp Vock zu verdanken.

Im Jahr 1998 hat Vock ein weiteres Pionierprojekt lanciert: die Wettinger Waldschule. Er hatte die Idee, neben den Waldbegehungen und Führungen speziell etwas für Kinder anzubieten. Denn nicht alle Kinder haben einen Bezug zur Natur. Seine Überlegungen stiessen bei der Gemeinde und den Schulen auf grossen Rückhalt und so nahm die Waldschule bald Gestalt an: Die Absicht war, dass die Kinder den Wald mit allen Sinnen erleben und so eine persönliche Beziehung zu diesem Ökosystem schaffen können. Vocks Überzeugung war, dass Kinder mit einem Bezug zum Wald später eher Sorge zur Natur tragen.

Das Pilotprojekt wurde ein voller Erfolg. Mittlerweile ist die Waldschule zertifiziert und wird von der Gemeinde Wettingen und den Schulen finanziert. Rund 750 Schulkinder besuchen jährlich den Wald und erleben ihn als wertvollen und diversen Lebensraum. Unter der Leitung von Waldpädagogen und Forstmitarbeitern lernen sie beispielsweise, welche Tiere im Wald leben, wie man sie anhand ihrer Spuren erkennt und wie man Rücksicht auf sie nimmt oder wie man einheimisches Holz nutzen kann.

Der Wald war Philipp Vocks zweites Zuhause.

Der Wald war Philipp Vocks zweites Zuhause.

Kathrin Schulthess / zvg

Philipp Vock hat die Waldschule während 20 Jahren mit Herzblut geleitet. Auch in der Forstwartausbildung hat sich Vock im Gebiet der Umweltbildung ausserordentlich engagiert und profiliert. Und im Kreis der Försterkollegen hat er sich schon ganz früh für das Thema Naturschutz stark gemacht. Während 20 Jahren war er auch Naturschutzbeauftragter der Einwohnergemeinde Wettingen.

Auch nach seiner Frühpensionierung blieb Vock sehr engagiert: Er leitete die Waldschule bis Ende 2018 weiter und war auch in dieser Zeit weiterhin für den Naturschutz zuständig. Zwischen 2015 und 2020 amtierte er zusammen mit Walter Schneider als Naturschutzbeauftragter der Gemeinde Würenlos: Das Natur- und Landschaftsschutz-Inventar der Gemeinde wurde überarbeitet, Arbeitseinsätze für die Bevölkerung zum Thema Biodiversität im Siedlungsraum wurden organisiert und mehrere Waldweiher gebaut. Und bei den Waldschultagen in Neuenhof ist er noch bis Ende 2022 als Kursleiter aktiv.

Mit seinem grossen Engagement für den Waldnaturschutz und dem Aufbau der Waldschule hat Vock massgebliche Beiträge zu wichtigen Nachhaltigkeitsthemen geleistet, die weit über seine berufliche Laufbahn hinaus Bestand haben werden, schreibt die Stiftung abschliessend.

In den Vorjahren waren mit dem Walder-Preis ausgezeichnet worden:

  • 2020 Absage Preisvergabe
  • 2019 Forstbetrieb Leberberg, Selzach SO
  • 2018 Naturschützer Bruno Erny, Rothenfluh BL
  • 2017 Kreisforstingenieur Beat Feigenwinter, Waldenburg BL
  • 2016 Projektgemeinschaft Goldseileren, Lauwil BL
  • 2015 Revierförster Josef Borer, Breitenbach SO
  • 2014 Forstwart Thomas Mesmer, Zunzgen BL
  • 2013 W. Brandt mit Forstgruppe Sonnhalde Gempen, R. Zimmermann, Th. Weiland
  • 2012 Revierförster Markus Lack, Allschwil BL
  • 2011 Biologin Susann Wehrli, Kanton Aargau
  • 2010 Verein Natur- und Vogelschutz Möhlin AG
  • 2009 Revierförster Hansruedi Plattner, Münchenstein BL
  • 2008 Landwirte Urs und Peter Schneider, Hof Ulmet, Lauwil BL
  • 2007 Basellandschaftlicher Natur- und Vogelschutzverband
  • 2006 Revierförster Johann Schneider, Rünenberg BL
  • 2005 Revierförster Werner Habermacher, Wölflinswil AG
  • 2004 Naturschützer und Vogelkenner Kurt Mohler, Lausen BL
  • 2003 Revierförster Gerhard Walser (Liesberg BL), Revierförster Roger Maurer (Waldenburg BL) und Biologe Christophe Berney (Riehen BS)
  • 2002 Kreisförster Martin Roth, Forstkreis Dorneck-Thierstein SO

Aktuelle Nachrichten