Kirchdorf
Naturschützer wehren sich - Das Ried soll eine Grünfläche bleiben

Naturschützer wollen nicht, dass das Gebiet Ried eingezont und überbaut wird. Behörden sind anderer Meinung: Das Gebiet zwischen Veloweg/Kirchweg und Riedweg fände schnell Abnehmer für Wohnungen. Im Oktober kommt das Planwerk vor den Einwohnerrat.

Corinne Rufli
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Christian Schärer, Vizepräsident des Natur- und Vogelschutzvereins Obersiggenthal, erklärt auf dem Areal Ried zwischen Veloweg und Riedweg die Wichtigkeit von Hochstämmern für Vögel und Insekten. corinne rufli

Christian Schärer, Vizepräsident des Natur- und Vogelschutzvereins Obersiggenthal, erklärt auf dem Areal Ried zwischen Veloweg und Riedweg die Wichtigkeit von Hochstämmern für Vögel und Insekten. corinne rufli

Der Duft von Heu liegt in der Luft. Das Maisfeld wiegt sich im Wind, während die Vögel singen. Die Aussicht ist wunderbar. Fast kitschig. Falls dieses Gebiet zwischen Veloweg Kirchweg und Riedweg in Kirchdorf tatsächlich überbaut wird, werden sich für die Wohnungen schnell Abnehmer finden.

1,2 Hektaren Grünfläche müssten aber dafür geopfert werden. Mit ihnen auch ein «Bungert» mit sieben mächtigen Birnen- und Apfelbäumen – Hochstämmer.

Einzonungen in den Gebieten Loo und Ried

Die ausgearbeitete Nutzungsplanung macht eine Anpassung des Richtplanes notwendig, die vom Grossen Rat des Kantons Aargau genehmigt werden muss. Die Gemeinde will neu zwei Gebiete einzonen: zum einen die Fruchtfolgefläche im Gebiet Loo in Nussbaumen. In der künftigen Wohnzone W2 sollen verdichtete Einfamilienhausformen entstehen. Zum anderen soll das Gebiet Ried/Kirchweg in Kirchdorf ebenfalls in die Wohnzone W2 eingezont werden - mit Gestaltungspflicht. (cru)

Widerstand macht sich breit

Die Revision des kommunalen Nutzungsplans sieht Einzonungen vor, die im kantonalen Richtplan einzutragen sind (siehe Box). Die Auflage lief Ende Juni ab. Nachdem sich die meisten kantonalen Parteien gegen die Einzonung des Gebiets Loo in Nussbaumen ausgesprochen hatten, regt sich nun auch Widerstand gegen die Einzonung des Areals Ried in Kirchdorf.

Während des Auflageverfahrens gab es einige Einwendungen. Auch Birdlife Aargau – der Dachverband der Natur- und Vogelschutzvereine – und WWF Aargau machten Einsprachen, wie Thomas Brian, Leiter der Bauverwaltung Obersiggenthal bestätigt. Beide Geschäftsstellen waren ferienhalber nicht erreichbar (siehe Kontext).

Siedlungsdruck: «Die Gemeinde muss Wohnraum schaffen»

Seit bald 10 Jahren arbeitet die Gemeinde Obersiggenthal an der Revision der Nutzungsplanung. «Der vorliegende Entwurf ist das Resultat einer Abwägung aller raumplanerischen und umweltrelevanten Belange», sagt Thomas Brian, Leiter der Bauverwaltung. Es gebe aber für alles ein Dafür und ein Dawider. Der Siedlungsdruck im Einzugsgebiet Baden ist gross. Obersiggenthal müsse die rechtlichen Grundlagen für neuen Wohnraum schaffen, erklärt der Bauverwalter. «Allein mit innerer Verdichtung schaffen wir das nicht, es muss Land eingezont werden.» Mit dem Gebiet Loo und Ried habe man nur marginale Flächen gewählt. Sie seien aufgrund ihrer Lage und Beschaffenheit am wenigsten einschneidend. Beim Mitwirkungsverfahren habe es etwa 40 Eingaben gegeben. Bei der Auflage durften nur noch Grundeigentümer, Anwohner und Verbände mit Beschwerderecht Einwendungen machen. Es gab rund 25 Einwendungen. «Ich bin optimistisch, dass wir zusammen mit den Einwendern eine Lösung finden», sagt Brian. Zu den Einwendungen, die das Gebiet Ried betreffen, kann Brian keine Auskunft geben, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Die von der Gemeinde in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie für eine Überbauung des Gebiets Ried sieht neun Gebäude vor mit insgesamt 55 Wohnungen. «Die Grünplanung ist Teil des Gestaltungsplanes», sagt Brian. Sie soll dort den ökologischen Ausgleich schaffen. «Es gibt immer Investoren, die an Bauland interessiert sind. Für das Ried sind nach unserer Kenntnis keine Interessen angemeldet worden», sagt Brian. Das Gebiet Ried besteht aus vier Parzellen mit vier Grundeigentümern. Dazu gehört auch die Einwohnergemeinde. «Der mögliche Verkauf des Landes bringt der Gemeinde zwar Geld, kann und darf aber nicht der Grund für die Einzonung sein», sagt Brian. Motivation seien rein planerische Gründe. (cru)

Pufferzone zwischen Gemeinden

Auf Anfrage beim Natur- und Vogelschutzverein Obersiggenthal sagt Vizepräsident Christian Schärer, dass sie am Mitwirkungsverfahren zur Revision der Nutzungsplanung teilgenommen und ihre Bedenken zu den Einzonungen geäussert hätten. «Leider ist nichts davon in die Pläne eingeflossen», sagt Schärer.

Das Recht auf eine Einsprache habe der Verein selber zwar nicht, dafür aber Birdlife, mit denen sie sich abgesprochen hätten. Schärer erklärt die Anliegen: «In erster Linie wollen wir, dass zwischen Kirchdorf und Nussbaumen eine Grünfläche erhalten bleibt. Die Dörfer sollen nicht komplett zusammenwachsen.»

Mit einer Einzonung würden auch zwei wertvolle Fruchtfolgeflächen für die Landwirtschaft verloren gehen. Die heutige Situation stimme, denn die offene Grünfläche bilde eine Pufferzone zwischen dem Siedlungsgebiet, den Magerwiesen am Riedweg und dem Wald.

Baumgarten: Lebensraum für Tiere

Auch der Baumgarten, der an die Fussballwiese des Schulhauses Kirchdorf grenzt, sei ein wertvoller Lebensraum für Vögel und Insekten, sagt Schärer. «Baumgärten gehören zum ursprünglichen Landschaftsbild von Kirchdorf und Nussbaumen.» Diese Obstgärten sollen deshalb erhalten bleiben.

Berta Hitz aus Kirchdorf schrieb in ihrem Lesebrief gar, dass es eine Sünde wäre, diesen Baumgarten zu überbauen.

So gehts weiter mit der Nutzungsplanung

Im August finden die Einwendungsverhandlungen statt. Anfang September eröffnet der Gemeinderat seine Entscheide. Im Oktober wird dem Einwohnerrat das gesamte Planwerk mit den Einwendungsentscheiden vorgelegt.