Obersiggenthal

Nein zu Veloautobahn: Warum sich die Gemeinde gegen ein Projekt des Kantons wehrt

Dieser Feldweg im Siggenthal soll Teil des kantonalen Velohighways werden.

Dieser Feldweg im Siggenthal soll Teil des kantonalen Velohighways werden.

Schon wieder kommen Verkehrspläne des Kantons Aargau beim Gemeinderat Obersiggenthal nicht gut an. Er will die Route auf die andere Limmatseite verlagern.

Obersiggenthal und weitere Gemeinden haben sich vorerst mit Erfolg gegen eine Umfahrung Badens gewehrt. Der Regierungsrat belässt die Idee eines neuen Tunnels durch den Martinsberg sowie einer neuen Autobrücke über die Limmat nach Wettingen auf dem Status eines wenig bindenden Zwischenergebnisses. Kaum hat die 8600-Einwohner-Gemeinde einen ersten Etappensieg errungen, nimmt sie das nächste kantonale Verkehrsprojekt ins Visier.

Auch die Idee einer Veloautobahn durch das Siggenthaler Feld kommt nicht gut an. Das Siggenthaler Feld, ein Naherholungs- und Landwirtschaftsgebiet, müsse geschützt werden, so das wichtigste Argument des Gemeinderats.

FDP-Politiker fordert Schutz der «grünen Insel»

Die neue Velovorzugsroute, so der offizielle Begriff, soll von Spreitenbach und Neuenhof über Baden, Siggenthal und Turgi nach Windisch bis ins Zentrum von Brugg führen. Der Veloanteil am Gesamtverkehr soll sich bis ins Jahr 2040 verdreifachen, lautet das Ziel der Regierung in Aarau. Auf den Velohighways ist nicht die Schnelligkeit das primäre Ziel, sondern Direktheit, ungestörter Fahrfluss und Sicherheit.

Angestossen hat die Debatte in Obersiggenthal FDP-Einwohnerrat Peter Marten mit einem Postulat. Der Gemeinderat müsse sich gegen die Velohighway-Pläne wehren, denn es handle sich beim Siggenthaler Feld um eine der letzten grünen Inseln im Siedlungsgürtel. «Das Siggenthaler Feld ist ein Naherholungsgebiet und auch für unsere Landwirtschaft wichtig», hält Peter Marten fest.

Peter Marten, Einwohnerrat FDP

Peter Marten, Einwohnerrat FDP

Der Gemeinderat pflichtet ihm nun bei: «Zwar wäre eine Anbindung von Obersiggenthal an eine Velovorzugsroute grundsätzlich positiv zu werten, doch stehen wir dem Vorhaben des Kantons, die Route über das Siggenthaler Feld zu führen, kritisch gegenüber.» Das Feld geniesse in den kantonalen Richtplänen in verschiedener Hinsicht erhöhten Schutz – es figuriere dort zum Beispiel als Fruchtfolgefläche. Sollte effektiv ein Ausbau im vorgesehenen Umfang realisiert werden, ginge wertvolle Fruchtfolgefläche für Ackerbau verloren, schreibt der Gemeinderat.

Der Gemeinderat wird sich im weiteren Verlauf der Planung für eine alternative Linienführung über das Badener Quartier Kappelerhof auf der gegenüberliegenden Limmatseite einsetzen.

Gemeinde will Veloroute nach Baden verlagern

«Eine solche Verbindung wäre direkter und kürzer», schreibt der Obersiggenthaler Gemeinderat. Bereits bei der Anhörung für das regionale Gesamtverkehrskonzept hat er sich dementsprechend geäussert.

Die Landwirtschaftskommission, die zuhanden des Gemeinderats einen Bericht zum geplanten Velohighway erstellt hat, führt diverse Argumente auf, warum die Route via Kappelerhof besser wäre. «Sie würde näher an den Bahnhöfen Turgi und Baden vorbeiführen, der Veloverkehr wäre damit besser an den öffentlichen Verkehr angebunden», lautete eines der Argumente. Und nicht zuletzt dürfe das Naherholungsgebiet nicht den Interessen einer Bevölkerungsgruppe geopfert werden.

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