Baden/Wettingen

Neue Ampeln sollen Badener Pendler-Frust beenden

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Der Kanton Aargau will bis 2018 den Stau rund um Baden verkürzen und so vor allem für pünktliche Busse sorgen. Insgesamt sind über 60 Massnahmen geplant, um den Verkehr zu optimieren. Kostenpunkt: 39,7 Millionen Franken.

Ob Bus, Auto oder Lastwagen – alle bleiben derzeit im Stau rund um Baden stecken. «Es ist wirklich zum Verzweifeln», schreibt eine Autofahrerin auf Facebook, die sich jeden Tag durch die Stadt kämpfen muss.

«Letzten Montag dachte ich: ‹Ab sofort laufe ich nach Zürich.›» Das Strassennetz in der Region Baden mit täglich 55 000 Autos und 25 000 öV-Pendler erreicht seine Leistungsgrenze.

Das kantonale Verkehrsmanagement Baden-Wettingen soll die Situation für die Pendler nun entschärfen. «Die Kapazität können wir nicht erhöhen», sagt Daniel Schwerzmann vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

So sei ein Ausbau der Strassen aus räumlichen und finanziellen Gründen nur beschränkt möglich. «Aber mit verschiedenen Massnahmen wollen wir das System optimieren und den Verkehr verflüssigen.»

So installiert der Kanton in den nächsten drei Jahren an 15 bis 17 Stellen Ampeln, die den Verkehr steuern und koordinieren. Sensoren im Boden erfassen die Anzahl Autos und senden die Daten an einen zentralen Verkehrsrechner, der alle Lichtsignale dirigiert und aufeinander abstimmt. Damit die bestehenden Ampeln ebenfalls mit diesem Rechner kommunizieren können, rüstet sie der Kanton auf.

Nie mehr den Zug verpassen?

Heute ist es keine Seltenheit, dass der Bus mit grosser Verspätung am Badener Bahnhof ankommt und die öV-Pendler deshalb ihre Anschlusszüge verpassen. Dies soll in Zukunft nicht mehr vorkommen – dank den Lichtsignalen, die dem Bus bei viel Verkehr den Vortritt gewähren. So beispielsweise auf der Landstrasse von Würenlos eingangs Wettingen (12) oder in Obersiggenthal an der Kreuzung Land-/Brühlstrasse (2).

Ein weiteres Beispiel ist die Fahrt von Ehrendingen nach Baden: Sensoren im Boden registrieren automatisch das Postauto oberhalb des Höhtals. Staut es weiter unten beim Landvogteischloss, wird eine Reihe von Massnahmen in Gang gesetzt (7b, 8, 9 und 10).

Zuerst kommt die elektronische Busspur zum Einsatz, die derzeit während der Belagssanierung auf der Ehrendingerstrasse eingebaut wird: Ausserhalb von Ennetbaden halten Rotlichter den Verkehr in beiden Richtungen an.

Der Bus kann somit talabwärts ohne Probleme auf der Gegenfahrbahn die stehende Kolonne überholen und hat freie Fahrt in Richtung Baden. Hält der Bus bei der Haltestelle Schützenhaus an, stoppt ein Rotlicht den Verkehr hangabwärts vor der Haltestelle. Autos dürfen erst weiterfahren, sobald der Bus die Haltestelle verlassen hat. Ampeln beim Kreisel vor dem Landvogteischloss und beim Abzweiger von der Wettinger- in die Schartenstrasse wissen, dass der Bus kommt, und stoppen die Autos von Ennetbaden und Wettingen. So hat der Bus erneut freie Fahrt.

Grüne Welle für die Autofahrer

Der öV wird dank der Lichtsignalanlagen also pünktlicher – auf Kosten der Autofahrer. Das ist gewollt, wie Schwerzmann bestätigt: «Der öV muss attraktiv bleiben, oder zumindest attraktiver sein als der Individualverkehr – das ist ein Auftrag des Grossen Rates.»

Dennoch profitieren auch die Autofahrer vom Verkehrsmanagement Baden-Wettingen. Das mühsame Stop and go von Ampel zu Ampel innerhalb der Stadt soll bald Geschichte sein.

Spätestens ab 2018 wird der Verkehr ausserhalb der bewohnten Gebiete gestaut. Der Autofahrer muss einmal länger warten, kann aber nachher dank der grünen Welle flüssig durch die Stadt fahren. Das sei zumindest das Ziel, sagt Schwerzmann. «Dies tagtäglich eins zu eins umsetzen zu können wird vermutlich aber nicht möglich sein. Das Verkehrsaufkommen übersteigt die Kapazität des Verkehrssystems in der Region Baden.»

Eine Pufferzone besteht bereits beim Dättwiler Weiher. In Untersiggenthal in Richtung Baden (1) beim Knoten Landstrasse/Güterweg und auf der Hertensteinstrasse (4) oberhalb von Nussbaumen entstehen zwei weitere solcher Pufferzonen. Die Strassen werden an diesen Stellen aber nicht verbreitert. Die Ampeln kommen nur bei Staugefahr zum Einsatz.

Sie stoppen die Autos und verhindern so, dass es innerhalb der Dörfer oder der Stadt Baden zu einem Verkehrskollaps kommt. Wird das Stauproblem so nicht einfach in die umliegenden Dörfer verlagert? Schwerzmann verneint: «Die Stauräume sind in unbewohntem Gebiet. Zudem stehen wir in engen Kontakt zu den Gemeinden und werden die Situation laufend überprüfen.»

20 Kameras überwachen Strassen

Insgesamt sind über 60 Massnahmen geplant, um den Verkehr zu optimieren. Kostenpunkt: 39,7 Millionen Franken. Mit 10 bis 20 Kameras will der Kanton in Zukunft den Verkehr an neuralgischen Stellen beobachten, wie dies bereits auf den Autobahnen der Fall ist. Eine totale Überwachung sei aber nicht zu befürchten, sagt Schwerzmann, «Nummernschilder und Gesichter werden nicht erkennbar sein». Man müsse sich das wie die Webcams von Skiorten vorstellen. «Dank den Kameras können wir jederzeit die aktuelle Verkehrssituation überprüfen und allenfalls die Lichtsignalanlagen anpassen.»

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