Baden
Neue Ausstellung gibt Einblick in die Bildungslandschaft der vergangenen 100 Jahre

Die Sonderausstellung «Zeitsprung Bildung» im Historischen Museum Baden lädt zur interaktiven Auseinandersetzung mit Beruf und Bildung ein und eröffnet dem Publikum neue Perspektiven.

Ursula Burgherr
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Intime Einblicke in den damaligen Alltag erhalten die Besucherinnen auch dank Originaldokumenten ehemaliger BBC-Lehrlinge.

Intime Einblicke in den damaligen Alltag erhalten die Besucherinnen auch dank Originaldokumenten ehemaliger BBC-Lehrlinge.

Badener Tagblatt

«Was willst du werden?» steht im Eingang zur Ausstellung in grossen Lettern an der Wand. Es ist eine der essenziellen Lebensfragen, die sich jeder Mensch in jungen Jahren stellt. Und dann im reiferen Alter: «Wurdest du das, was du werden wolltest? Was würdest du heute machen, wenn du nochmals von vorne beginnen könntest?»

Die Ausstellung «Zeitsprung Bildung», die bis zum 31. Juli 2021 im Historischen Museum Baden zu erleben ist, zeigt die Wege von Menschen in Ausbildung der letzten 100 Jahre mit verschiedensten technischen Berufslaufbahnen auf. Das Publikum kann sich mittels Filmsequenzen und an Hörstationen von den Protagonistinnen und Protagonisten ihren Werdegang erzählen lassen und erfahren, was aus ihnen geworden ist. Es geht um Selbstfindung, erfüllte und unerfüllte Träume, Bilderbuchkarrieren – und manchmal auch ums Scheitern.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Geschichte der BBC-Werkschule, die im Bereich Lehrlingsausbildung schweizweit Pionierarbeit leistete und Vorreiterin für das duale Bildungssystem war. Zu alten Original-Werkstücken und Fotos von BBC-Lehrlingen wird ein Zeitsprung in die heutige Bildungslandschaft gemacht. Der Wechsel von der analogen zur digitalen Welt ist frappant. Gleichbleibend ist bis heute die Sehnsucht nach Identifikation und Sinn im Beruf.

«Ein Faktor, der die Industrie bis heute prägt»

«Zeitsprung Bildung» findet im Rahmen des kantonalen Projekts «#ZeitsprungIndustrie» statt. Der Aargau hat sich vom einstigen Bauern- zu einem der führenden Schweizer Industriekantone entwickelt, in dem unter anderem der Würfelzucker, die Alufolie und die elektrische Zahnbürste erfunden wurden. «Wir nehmen uns einem Faktor an, der die Industrie bis heute prägt und für die Zukunft wichtig ist: Der Ausbildung von hochqualifizierten Leuten, die die Industrie und Wirtschaft weiterbringen», sagt Museumsleiterin Carol Nater Cartier. Parallel ist auch ein Teil der Ausstellung im Gartensaal der Berufsfachschule BBB am Martinsberg zu sehen.

Arbeitsprogramme und andere Originaldokumente ehemaliger BBC-Lehrlinge geben im Historischen Museum Aufschluss über den damaligen Alltag, der inklusive obligatorischem Turnunterricht (wurde von der BBC 1952 eingeführt) und 15-Minuten-Pausen streng durchgetaktet war. Intime Einblicke erhalten Besucherinnen und Besucher auch dank Lohnzetteln oder Bewerbungsschreiben.

Der Respekt vor dem Vorgesetzten und die Pflichterfüllung standen an erster Stelle. Aber auch die Identifikation der Lehrlinge mit ihrer Firma war der BBC wichtig. Davon zeugen verschiedene Fotos und Pokale, Sportclubs wie die Modellfluggruppe, Schiess- und Bowlingvereine. Urs Stalder, Standortleiter «libs Industrielle Berufslehren», macht den Sprung in die Gegenwart und erzählt, dank welcher Angebote und Massnahmen sich der Nachwuchs heute mit dem Ausbildungsplatz identifiziert.

Spielerische Beschäftigung mit der Vergangenheit

Ein Herzstück der Ausstellung entstand aus der Zusammenarbeit von sechs Pensionierten der BBC, die sich jeweils mit einem heutigen Lehrling der Berufsfachschule BBB als Tandempaar zusammentaten. Anhand von Objekten wie einer alten Messbrücke und einem neuen digitalen Messgerät erzählen sie gemeinsam eine Geschichte, die Unterschiede oder Gemeinsamkeiten von Vergangenheit und Gegenwart aufzeigen. Besucherinnen und Besucher können sich per iPad in die verschiedenen Episoden einklinken. Kann der pensionierte Ingenieur das Radiogerät des jungen Polymechanikers reparieren?

Verschiedene Werkstattatmosphären lassen «Zeitsprung Bildung» lebendig wirken. Oft scheint es, als ob jemand nur kurz seinen Arbeitsplatz verlassen hätte. Flussdiagramme von sechs Persönlichkeiten zeigen, welch teilweise unplanbare Wendung ihr Leben genommen hat. Und am Schluss sind die Besucherinnen und Besucher selber gefordert: Sie können sich an die Tische mit bereitgestelltem Material setzen und eine Pumpe zusammenbauen, ihr räumliches und logisches Denken testen oder alte Prüfungen der BBC nachmachen. Und via Berufsfinder spielerisch herausfinden, für welche technische Ausbildung sie sich heute eignen würden.

Die Sonderausstellung „Zeitsprung Bildung“ im Historischen Museum Baden ist zweisprachig (D/E) und kann bis zum 31. Juli 2021 besichtigt werden. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Samstag, 13 bis 17 Uhr, Donnerstag, 12 bis 19 Uhr sowie Sonntag von 10 bis 17 Uhr.