Wettingen

Neue Ausstellung im Museum – wo Kunst neue Frische bekommt

Im Eduard Spörri Museum und im Gluri Suter Huus werden die aktuelle Weltlage und die Konsumgesellschaft kritisch hinterfragt. Die Künstlerin Nora Dreissigacker verfolgte keine politischen Absichten.

Das erste, woran man bei der neuen Ausstellung im Eduard Spörri Museum in Wettingen denkt, sind die Schlagzeilen über Flüchtlinge, die uns täglich in den Medien begegnen. Nora Dreissigackers Reliefwerke ziehen den Betrachter sogar noch stärker mitten ins Geschehen. Obwohl die Arbeiten durch die meist jungen Menschen und die bunte Farbstimmung eine spielerische Seite erlangen, ist die direkte Konfrontation mit dem ernsten Thema unvermeidbar.

«Ich sehe mich nicht als politische Künstlerin. Dass meine Arbeiten die momentane Weltlage reflektieren, ist eher Zufall. Begonnen habe ich schon 2011, als das Thema Migration noch nicht so präsent war», stellt die seit Jahren in Genua lebende Bernerin klar. Die Werke wurden vielmehr aufgrund ihrer Technik für die Ausstellungsreihe «Eduard Spörri trifft . . .» gewählt, die schon seit sechs Jahren fortgeführt wird.

Jedes Jahr neue Künstler

«Jeder Künstler entdeckt einen neuen Aspekt in Eduard Spörris Plastiken und ergänzt die Ausstellung mit zeitgenössischen Werken. So wird das Museum jedes Jahr neu belebt», erklärt Rudolf Velhagen, Kurator des Eduard Spörri Museums.

Zum Schluss wird die von Nora Dreissigacker entworfene Etikette für eine Weinflasche der Weinbaugenossenschaft Wettingen präsentiert. Besonders schlicht zeigt sie den Weinberg in Wettingen und ist selbst ein kleines Relief.

Der Konsum von Luxusgütern mag über die Wirklichkeit hinwegtäuschen. Wenn wir uns ständig beschäftigen und dem Leistungsdruck unserer Gesellschaft unterwerfen, haben wir keine Zeit, uns mit den wichtigsten Grundfragen zu befassen: Warum leben wir? Was geschieht nach unserem Tod?

Kritik an Konsumgesellschaft

Jan Sebesta, geboren in Tschechien und seit 2002 in der Schweiz wohnhaft, rüttelt uns wach. Seine Werke drehen sich unter anderem um Konsum, Vergänglichkeit und Neubeginn. Viele seiner Arbeiten erinnern an die Grundsätze des Barock, wenn auch übertragen auf unsere Zeit.

«Wir konsumieren masslos. Unsere Zufriedenheit ist kurzlebig. Dann wenden wir uns schon wieder neuen Dingen zu», bringt Jan Sebesta unser Konsumverhalten auf den Punkt. Besonders schlimm findet er die Entwicklung der Jugend. Bereits Kleinkinder werden mit Smartphones beschäftigt, mit Medien konfrontiert und manipuliert, ohne sich dem Informationsfluss entziehen zu können. «Später werden sie nicht mehr wie meine Generation dieses Verhalten hinterfragen.»

Seine Arbeiten werden ergänzt von Helena Wyss-Scheffler. Die Zürcherin im Studiengang Bildende Kunst befasst sich mit Erinnerungen. Sie befragte ältere Generationen nach ihren Innenräumen und blätterte alte Familienalben durch, um die Räume dann aus ihrer Vorstellung heraus zu malen. «Erinnerungen wandeln sich ständig. Sie werden verzerrt, verblassen oder erscheinen plötzlich in einer anderen Farbstimmung», sagt die Studentin, «so lösen sich die nicht mehr bestimmbaren, menschenleeren Innenräume und Gegenstände in meinen Bildern auf. Sie wirken wie verflossene Zeit.» Die hoffentlich gut genutzt wurde. Zum Beispiel mit einem Besuch im Gluri Suter Huus.

Eduard Spörri trifft . . . Nora Dreissigacker: Vieni via con me. Eduard Spörri Museum in Wettingen. Ausstellungsdauer: 28. Mai bis 11. Dezember 2016.

Behind Daily Puzzle, Jan Sebesta & Helena Wyss-Scheffler, Gluri Suter Huus in Wettingen. Ausstellungsdauer: 29. Mai bis 26. Juni 2016 (Mittwoch bis Samstag 15–18 Uhr, Sonntag 11–17 Uhr). Führung: 5. Juni, 11 Uhr mit Rudolf Velhagen, Leiter Gluri Suter Huus. Künstlergespräch: 19. Juni, 11 Uhr mit Rudolf Velhagen, Leiter Gluri Suter Huus, Jan Sebesta & Helena Wyss-Scheffler.

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