Bereits vor zehn Jahren führte das Historische Museum Baden eine Ausstellung zum Thema «Das jüdische Leben in und um Baden» durch. Ab morgen Donnerstag können sich Interessierte erneut intensiv mit dieser Thematik auseinandersetzen. Die Sonderausstellung «Haus Medine Blog – Jüdische Räume im Aargau und anderswo» feiert heute Vernissage.

Dass die Ausstellung erneut in Baden stattfindet, hat seinen Grund. «Die Stadt Baden und das Surbtal waren für die Juden in der Schweiz immer zentral», sagt Barbara Welter, Leiterin des Historischen Museums Baden. Zudem sei der Landvogt von Baden Schutz- und Schirmherr der Juden gewesen, die im Surbtal – in den Gemeinden Endingen und Lengnau – untergebracht waren. «Diese Ausstellung zeigt unter anderem den Kanton Aargau als Beispiel für die Schaffung von Räumen für Juden», so Welter.

Juden aus Baden und Zürich

Die Sonderausstellung ist in insgesamt fünf Abschnitte unterteilt, in denen verschiedene räumliche Ansätze porträtiert werden. «Die Ausstellung ist zudem örtlich zweigeteilt. Ein Teil befindet sich in der Galerie und der andere im Audienzraum des Landvogteischlosses», erklärt Welter.

«Im Landvogteischloss befindet sich der intimste Teil der Ausstellung: ‹Bei Juden zu Hause›», sagt Franziska Bark Hagen, eine von zwei Kuratorinnen. Dafür besuchte sie Jüdinnen und Juden in Baden und Zürich. «Wir porträtieren hier, was diese Personen für einen persönlichen Bezug zum Judentum haben», sagt Bark Hagen.

Gleich nebenan befindet sich der historische Teil der Ausstellung. «Die Juden durften früher nicht alle Berufe ausüben. Die Juden aus dem Surbtal konzentrierten sich daher auf die Viehzucht, das war ihnen erlaubt», sagt Christine Zahn, ebenfalls Kuratorin. Das Thema Viehzucht stellt daher einen wichtigen Aspekt der Surbtaler Juden dar – nicht nur in der Historie, sondern natürlich auch in der Ausstellung.

Wichtig ist daneben der lokale Bezug, den die Juden auf historischen Gegenständen verewigten. «Sie waren stolz zu zeigen, dass sie aus Baden kommen», sagt Zahn. So ziehe sich das Verwobensein mit dem Lokalen durch die gesamte Ausstellung.

Die symbolische Heimat

In der Galerie können drei weitere Abschnitte begutachtet werden. «Der erste Teil zeigt symbolische Heimaten. Hier sind tragbare Häuser und Ritualgegenstände ausgestellt», sagt Bark Hagen. Die symbolische Heimat sei für das jüdische Volk wichtig, erklärt sie. «Die Gegenwart Gottes, ein biblischer Text und Jerusalem sind omnipräsent.»

Im nächsten Ausstellungsteil werden Beispiele für die jüdische Popkultur präsentiert. «Das Magazin Heeb arbeitet beispielsweise mit hoch aufgeladener Selbstironie. Das ist teilweise grenzwertig. Wir wissen nicht, wie Besucher auf solche Darstellungen reagieren werden», gibt Bark Hagen zu bedenken.

Im letzten Teil, den die Kuratorinnen als Erinnerungsraum bezeichnen, sind Seiten aus einem Buch plakatiert. Ein Ex-Journalist, der den Pogrom in der litauischen Hauptstadt Vilnius überlebt hatte – von ursprünglich 80000 Juden überlebten 600 –, zeigt Erinnerungen an Vilnius.