Ein Blick auf die Bilder von Sibylle Bolliger zeigt: Die Frau will sich stilistisch nicht festlegen, denn die Malerei ist für sie ein lustvolles Ausprobieren und Experimentieren. Da wären einerseits ihre Stillleben, die äusserst realistisch daherkommen; die Mirabellen in Einmachgläsern wirken so echt, dass man danach greifen möchte.

Andererseits kontrastieren an den Wänden kraftvolle Farbkompositionen mit Werken in zarten Pastelltönen. Und je weiter der Besucher durch die verschiedenen Räume der verwinkelten «Galerie im Gwölb» spaziert, desto abstrakter werden die Bildwelten der 55-jährigen Künstlerin aus dem Schwarzwald.

«Es war wie eine Explosion»

Die Malerei hat Bolliger schon seit ihrer Kindheit begleitet. «Um acht Geschwister herum war das Malen für mich ein Rückzugsort in meine eigene Fantasiewelt», sagt sie. Ihr Talent schlummerte allerdings lange im Verborgenen. Sie machte eine Ausbildung zur Kindergärtnerin, spielte Musik, lernte ihren Mann Hansjörg Bolliger kennen und zog nach Untersiggenthal.

Später kam ihre gemeinsame Tochter Lena zur Welt. «Die grosse Offenbarung kam mit den ersten Malseminaren, die ich 2007 besuchte», sagt die Künstlerin. «Es war wie eine Explosion — laut und bewegend. Ich wusste sofort, dass ich mich nun auf dem richtigen Weg befand.» Nachdem der Knoten geplatzt war, wollte Bolliger am liebsten nur noch malen. «Meine Familie musste mich ab und zu daran erinnern, dass sie auch noch da ist», sagt sie und lacht.

Vor einigen Jahren erwarb ihr Mann das Haus an der Römerstrasse 3a und unterzog die geschichtsträchtigen Räumlichkeiten einer Totalsanierung. Aus dem ehemaligen Weinkeller entstand die Galerie, in einem seitlichen Anbau befindet sich das Malatelier der Künstlerin. Seit diesem Monat ist «BilleBo» — unter dem Synonym signiert sie ihre Bilder — frischgebackene Galeristin. «Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen», sagt sie glücklich.

Türen für andere Künstler öffnen

Sibylle Bolliger möchte die Räumlichkeiten künftig nicht nur für die Präsentation ihrer eigenen Exponate nutzen, sondern die Türen auch für andere Künstler und Kulturgenres öffnen. In einem Raum steht ein Flügel, der darauf wartet, gespielt zu werden.

Ab dem 23. Februar 2018 findet eine Gemeinschaftsausstellung mit Petra Zantdeschi, Claudia Marek, Bernadette Rapaz und Meg Künzli statt. Im Juni steht ein szenischer Liederabend mit Rahel Sohn Achermann und Noëmi Sohn Nad auf dem Programm und im Herbst ist ein Jazzkonzert geplant. Sibylle Bolliger möchte dafür sorgen, dass sich das Gebäude mit Leben füllt und zu einem neuen kulturellen Treffpunkt in Baden wird.

«Galerie im Gwölb»: Bis 28. Januar 2018, Besuchszeiten: Dienstag, 14 bis 15 Uhr, Freitag, 19 bis 21 Uhr, jeweils am ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr, Römerstrasse 3a, Baden.