Kultur- und Kongresszentrum
Neue Mietverträge: Die Stadt Baden will fürs Trafo nicht nur zahlen, sondern auch mitbestimmen

In zwei Jahren laufen die Mietverträge zum beliebten Badener Kultur- und Kongresszentrum aus – der Stadtrat hinterfragt nun das Engagement. Er will dereinst mehr Einfluss auf den Kurs des Trafos erhalten.

Philipp Zimmermann
Drucken
Teilen
Beliebt für Events: Im Trafo fand etwa die Miss-Schweiz-Wahl statt.

Beliebt für Events: Im Trafo fand etwa die Miss-Schweiz-Wahl statt.

Sandra Ardizzone

Seit bald 20 Jahren subventioniert die Stadt Baden das Kultur- und Kongresszentrum Trafo. Soll das so bleiben – und unter welchen Bedingungen? Diese Fragen stellt sich der Badener Stadtrat zurzeit. Denn Ende September 2022 laufen die Mietverträge zum Trafo 1 mit Trafohalle, Glassaal und weiteren Räumen aus.

Vor 20 Jahren bestand noch der Badener Kursaal, in dem grosse Feste stattfanden. Allerdings war da schon klar, dass er zu einem Spielsaal des Grand Casinos umgebaut wird. Die heutige Trafohalle wurde quasi zum Nachfolger des Stadtsaals. Grundlage für das Engagement der Stadt Baden war ein klares Ja bei der Volksabstimmung am 26. November 2000. Die Stadtcasino Baden AG, die Betreiberin des Grand Casinos, verpflichtete sich damals, sechs Millionen Franken an den Ausbau der Trafohalle beizusteuern und für ihren Betrieb aufzukommen.

Rund 1,3 Millionen Franken pro Jahr

Die Trägerschaft des Trafos ist unübersichtlich und fusst auf komplizierten Vertragsverhältnissen. Die Stadt Baden mietet die Trafohalle 1 von der Eigentümerin, der Zurimo «B» AG, vermietet diese wiederum an die Betreiberin, die Trafo Betriebs AG. An dieser ist die Stadtcasino AG zur Hälfte beteiligt, und diese wiederum ist zur Hälfte im Eigentum der Stadt.

Jedes Jahr übernimmt die Stadt Baden beim Trafo 1 Mietzinsdifferenzen von 780000 Franken. Das ist aber noch nicht alles: Die Stadt zahlt auch Beiträge für den Unterhalt der Hallen 36 und 37 (Trafo 2) sowie an Badener Vereine, welche den Trafosaal mieten. Rund 1,3 Millionen Franken lässt sich die Stadt die Beteiligung am Betrieb jährlich kosten. Weitere Subventionen für Kulturveranstaltungen nicht mitgerechnet.

Grossveranstaltungen wie der «Talk im Trafo» finden in der Trafohalle Baden statt.

Grossveranstaltungen wie der «Talk im Trafo» finden in der Trafohalle Baden statt.

Sandra Ardizzone (Baden, 13. Januar 2020) Bild: Fabio Bara

«Jetzt wollen wir das klare Bekenntnis erneuern und auf ein zeitgemässes Fundament stellen», sagt Stadtrat Philippe Ramseier (FDP) mit Bezug auf die Abstimmung von 2000. Mit zeitgemäss meint er, dass die Stadt nicht mehr nur einen Teil mitfinanziert, sondern auch einen Einfluss auf den Kurs des Trafos erhält. «Wir wollen den Leuchtturm Trafo noch mehr zum Leuchten bringen», unterstreicht Ramseier. Eine finanzielle Unterstützung für die langfristige Sicherung des Trafos als Tagungsort sei nach wie vor notwendig und daher von hohem öffentlichen Interesse, schreibt der Stadtrat in einer Vorlage an den Einwohnerrat. Und der Betrieb eines Kultur- und Kongresszentrums sei ohne finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand ein Verlustgeschäft.

Ein Kommissionsmitglied aus jeder Fraktion

Der Stadtrat hat ein Projekt lanciert. Philippe Ramseier hat den Vorsitz des Projektausschusses. Vertreter von Stadt, Trafo-Betriebsgesellschaft, Stadtcasino Baden AG und einer externen Firma arbeiten mit. Weiter will der Stadtrat nun eine siebenköpfige Kommission des Einwohnerrats bilden. Sie soll das Projekt begleiten, bis es dem Badener Parlament im Jahr 2021 als Vorlage unterbreitet wird.

Der Einwohnerrat wird an seiner Sitzung von heute Abend über diesen Vorschlag des Stadtrats entscheiden. Jede Fraktion des Einwohnerrats soll für die Kommission ein Mitglied stellen. Im nächsten Jahr soll das Resultat der Projektarbeit als Vorlage dem Einwohnerrat unterbreitet werden. Bereits im Januar hatte Einwohnerrat Fritz Bosshardt (Team) zur Subventionierung des Trafos einen Vorstoss eingereicht. Seine Fragen sollen dabei beantwortet werden.

Aktuelle Nachrichten