Wer bei dichtem Verkehr von Westen her nach Baden fährt, bekommt seit dieser Woche die Reisezeit so geliefert, dass er rechtzeitig noch die Alternativ-Route wählen kann. Die Informationsdisplays stehen an der Autobahn vor der Ausfahrt Baden West und in Dättwil an der Mellingerstrasse.

Sie zeigen bei erhöhtem Verkehrsaufkommen die aktuelle Fahrzeit bis ins Zentrum an. Die Minutenzahl wird durch das Verkehrsinformationssystem errechnet. Damit weiss jeder Autofahrer, wie lange die Fahrt via Mellingerstrasse oder via Baregg und Neuenhoferstrasse dauert.

Bislang habe man die Wartezeiten in den Stauräumen beider Routen aufgezeigt, erklärt Arnim Wagner, Projektleiter Verkehrstechnik. Das gemeinsame Pilotprojekt von Kanton und Astra (Bundesamt für Strassen) läuft seit Monat Juli. Neu leuchte nun die effektive Reisezeit auf, was laut Daniel Schwerzmann, Leiter Verkehrsmanagement beim Kanton, benutzerfreundlicher ist.

Das Pilotprojekt soll im Hinblick auf die Massnahmen des Verkehrsmanagements für den Grossraum Baden-Wettingen Aufschluss geben. Die Baustelle am Schulhausplatz bildet für die Verkehrstechniker eine ideale Übungsanlage. Das System soll später auch auf den andern Achsen eingesetzt werden. Es korrigiert bei starken Schwankungen die Angaben innert kurzer Zeit.

Die Hauptverkehrszeiten sind zwar bekannt, doch die Staulage kann von Tag zu Tag unterschiedlich sein. Ursache könne eine Bautätigkeit sein, erklärt Wagner. Wird auf einem Zubringer der Verkehr behindert, kann die Koordination mit der Verkehrssteuerung beeinträchtigt werden.

Kurzfristige Staus entstehen bei vorübergehender Behinderung so: Die in die Fahrbahn eingefräste Kontakt-Schlaufe wird nicht mehr überfahren und signalisiert der Lichtsignalanlage beim Pförtner freie Fahrt.

Die Informationen liefern die bestehenden Astra-Messstellen an der Autobahn beidseits des Bareggtunnels sowie die in der Fahrbahn verlegten Schlaufen bei den Lichtsignalanlagen.

Zusätzlich überwachen Kameras auf der Mellingerstrasse (Stammroute) und Neuenhoferstrasse (Alternativroute) den Stauraum; sie können auch die Route der Fahrzeuge verfolgen, indem die Kontrollschilder erfasst werden. «Das geschieht unter den strikten Vorschriften des Datenschutzes», erklärt Wagner.

Der Nutzen wird geprüft

Das Informationssystem soll dem Fahrzeuglenker die Möglichkeit geben, aufgrund der angezeigten Situation seine Route zu bestimmen.

Der erwünschte Nebeneffekt sei natürlich, dass sich der Verkehr ausgleichend verteile und damit zu einer Verflüssigung des Gesamtverkehrs beitragen soll, führt Schwerzmann aus. Das Pilotprojekt sei für den Kanton richtungsweisend. Bislang finden solche Versuche in der Schweiz erst im Raum Zürich statt.

«Weil solche Informationssysteme mit einigen Investitionen verbunden sind, muss auch ihr Nutzen geprüft werden», erklärt Wagner. Auf der Baustellen-Homepage des Kantons läuft darum ständig eine Umfrage. Der Rücklauf in der ersten Phase sei noch bescheiden geblieben, sagen die Spezialisten des Kantons.

Sie erhoffen sich nun mehr Aufschluss mit der zweiten Phase. Mit dem Pilotprojekt möchte man erfahren, wie weit der Fahrzeuglenker seine Entscheidung auf diese Informationen abstütze, wie hoch also der Beeinflussungsgrad der Angaben sei. In erster Linie würden damit Pendler und Ortskundige angesprochen.

Damit das Verkehrssystem seine Informationen optimal übermitteln kann, werden auch Verkehrspsychologen beigezogen. Zusammen mit der Automobilbranche laufen derzeit auch europäische Forschungsprojekte. Verkehrsinformationen sind vielerorts bereits über Apps erhältlich.

«Big data» ist bei zahlreichen Autoherstellern ein grosses Thema geworden. Darunter versteht man die Nutzung von Datenmengen aus unterschiedlicher Quellen, die rasch verarbeitet werden können.