Ab Mai 2018 wird das Sportzentrum Tägerhard in Wettingen saniert und erweitert. Die Bauarbeiten werden rund eineinhalb Jahre dauern. Bis zur Wiedereröffnung im Spätherbst 2019 steht die Infrastruktur für die Bevölkerung nur beschränkt zur Verfügung. So ist vorgesehen, dass im Sommer die Minigolfanlage und einen Teil des Gartenbads mit ungeheiztem Schwimmbecken geöffnet bleiben. Die Sanierungsarbeiten haben aber auch Auswirkungen auf die Sportvereine, etwa die Eissportvereine und der Schwimmclub. Sie müssen sich vorübergehend neue Trainingsstätten suchen: Das Hallenbad und der Eisbereich werden geschlossen.

Dieser Umstand wirft bei den beiden SVP-Einwohnerräten Daniel Notter und Michaela Huser Fragen auf. In einer Interpellation wollten sie vom Gemeinderat unter anderem wissen, welche Hilfe den Vereinen, die das «Tägi» nutzen, für die Sanierungszeit bisher angeboten wurde.

Politischen Druck ausüben

«Mit unserem Vorstoss möchten wir politischen Druck ausüben», sagt Notter. Denn in verschiedenen Gesprächen habe sich gezeigt, dass beispielsweise der Schwimmclub grosse Mühe habe, während der Sanierungsphase in der Umgebung Wasserflächen für Trainings zu finden. Dem hätten die beiden Einwohnerräte auf den Grund gehen wollen. «Da wir auch für Transparenz sorgen möchten, haben wir den Gemeinderat zusätzlich zu den erwartenden Preiserhöhungen befragt und zu den Kriterien, wie die Vereine des ‹Tägi› im Vergleich zu anderen Wettinger Klubs finanziell unterstützt werden», sagt Notter.

Der Gemeinderat hat die Fragen nun beantwortet. So teilt er den Interpellanten mit, dass es aufgrund sehr hoher finanzieller Kosten nicht möglich sei, Provisorien zu schaffen. «Die betroffenen Vereine (Kunsteisbahn und Hallenbad) sind aber untereinander in ihrer Sportart sehr gut vernetzt.» Den Vereinen seien die Möglichkeiten bekannt, die sich bieten, um Trainingszeiten und Wettkampfmöglichkeiten in anderen Anlagen zu bekommen. «Bereits heute werden die Trainings der Argovia Stars bezüglich der im Kanton vorhandenen Eisflächen koordiniert», schreibt der Gemeinderat. Beispielsweise seien während der Sanierung der Kunsteisbahn in Aarau mehr Trainings im «Tägi durchgeführt worden. Daher sei zurzeit seitens der Gemeinde kein Handlungsbedarf gegeben.

Beiträge der Eissportvereine steigen

Was die Preiserhöhungen betrifft, schreibt der Gemeinderat, dass die heutigen Regelungen nicht mehr marktgerecht seien. Mittelfristig werde davon ausgegangen, dass eine Stunde exklusive Nutzung des offenen Eisfelds für die Vereine neu 48 Franken kostet. Eine Stunde gedecktes Eisfeld 112 Franken. «Die Beiträge der Eissportvereine steigen daher von heute 30 000 Franken auf 92 000 Franken.» Kostenpflichtig sei neu auch die exklusive Nutzung der Schwimmbahnen, die zuvor gratis war: Neu kostet eine Schwimmbahn für den Verein 12 Franken, was bei 1600 Bahnstunden pro Jahr einen Betrag von 19 200 Franken ergibt. «Die Vereine wurden entsprechend informiert.» Niedrigere Preise beziehungsweise eine stärkere Unterstützung der Vereine sei grundsätzlich möglich. «Gleichzeitig steigt dadurch jedoch das Betriebsdefizit beziehungsweise die Notwendigkeit höherer Betriebsbeiträge, finanziert durch den Steuerhaushalt, an.» Zudem teilt der Gemeinderat mit, dass die finanzielle Unterstützung der Vereine Teil einer Massnahme des Sparprojekts «Lova 2» sei und im Rahmen dieser noch beantwortet würde.

Mehr Transparenz gewünscht

Einwohnerrat Daniel Notter ist mit den Antworten nur teilweise zufrieden. «Insbesondere bei der finanziellen Unterstützung hätten wir uns mehr Transparenz gewünscht.» Er bedaure, dass der Gemeinderat sich hinter der Lova verstecke, statt die Kriterien für die Unterstützung offenzulegen. Zudem hätte er sich gewünscht, dass die Exekutive den Vereinen bei der Suche nach Trainingsflächen politisch verstärkt unter die Arme greife.

Katharina Urfer, Präsidentin des Schwimmclubs Tägi Wettingen, bestätigt, dass sich die Suche nach Wasserflächen zu Beginn schwierig gestaltet habe. «Doch nun haben wir mit dem Hallenbad in Nussbaumen eine Teillösung finden können. Dafür sind wir sehr dankbar», sagt sie. Derzeit verhandle man noch mit dem Hallenbad Baden. «Sollte die Zusammenarbeit klappen, ist der Schwimmclub während der Sanierungszeit mit Trainingsflächen gut abgedeckt», sagt Urfer.