Neuenhof
Nach 180 Jahren verschwindet das Gasthaus Posthorn – wie das historische Gebäude saniert wird

Mietwohnungen statt Restaurant: Die Neuenhofer Traditionslokal wird umfassend saniert und muss einem Wohnbau weichen. Nach dem Umbau soll es wieder in altem Glanz erstrahlen – auch das alte Wirtshausschild bleibt hängen.

Rahel Künzler
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Das über 180-jährige Gasthaus Posthorn wird umfassend saniert und mit einem Neubau ergänzt – neu entstehen hier 23 Mietwohnungen.

Das über 180-jährige Gasthaus Posthorn wird umfassend saniert und mit einem Neubau ergänzt – neu entstehen hier 23 Mietwohnungen.

Sandra Ardizzone

Seit vergangener Woche beissen sich Bagger durch die Fassade des «Posthorn» an der Zürcherstrasse in Neuenhof. Die Abrissarbeiten am geschichtsträchtigen Wirtshaus erregen die Gemüter. Auf Facebook zeigen sich Einwohnerinnen und Einwohner besorgt:

«Abbruch? Das ist Neuenhofer Geschichte!»

Und: «Ich frage mich schon die ganze Woche, ob, wenn ja wie viel davon abgebrochen wird.»

Abreissen dürfen die Eigentümerinnen Eveline Voser-Waeber und Yvonne Loosli-Voser das «Posthorn» nicht: Das Gebäude mit Baujahr 1834 steht unter Ortsbildschutz. In den nächsten anderthalb Jahren sanieren die Schwestern das «Posthorn» umfassend. An Stelle des ehemaligen Gasthauses bauen sie sieben Mietwohnungen ein – je zwei auf den drei Stöcken sowie eine im Dachstock.

Eigentümerinnen entfernen Anbauten am Ursprungsgebäude

Den Anbau für die Restaurantküche auf der Rückseite sowie den zusätzlichen Vorraum auf der Seite entfernen die Besitzerinnen während des Umbaus. Sie möchten das Gebäude in sein Ursprungsvolumen zurückversetzen. Zudem ergänzen sie den Altbau durch einen L-förmigen Neubau mit 16 Wohnungen.

Ferdy Blaser von Blaser Baumanagement AG, der das Bauprojekt leitet und die Bauherrschaft vertritt, sagt: «Um das ‹Posthorn› weiterhin als Restaurant zu vermieten, hätten die Eigentümerinnen grosse Investitionen machen müssen.»

So werden sich das sanierte «Posthorn» und der L-förmige Neubau voraussichtlich in anderthalb Jahren präsentieren.

So werden sich das sanierte «Posthorn» und der L-förmige Neubau voraussichtlich in anderthalb Jahren präsentieren.

Visualisierung/Rgp Architekten

Gebäudestatik als Herausforderung

Erfreut über den Baubeginn zeigt sich der leitende Architekt Christian Aberle vom Badener Büro Rgp Architekten Sia AG: «Die ersten Skizzen entstanden 2012. Lange haben wir mit Ortsbildschutz und Denkmalpflege diskutiert, bis wir einen Konsens fanden.» Nach dem Abriss der Anbauten werde ein Kran gestellt, um das «Posthorn» zu entkernen. «Die Innenwände und Decken bauen wir bis auf den Gewölbekeller zurück», sagt Aberle.

Die Statik des über 180-jährigen Gebäudes stelle ihn und den beauftragten Bauingenieur immer wieder vor neue Herausforderungen. Aberle sagt:

«Das Bruchsteinmauerwerk ist nicht so tragfähig wie eine Betonwand.»

Ein Stahlturm sichert das ausgehöhlte Gebäude deshalb vorübergehend. Nach Abschluss der Grobarbeiten würde historische Fassade wiederhergestellt, so Aberle. Die ursprüngliche Fenstereinteilung und die genaue Farbe hätte das Projektteam aufgrund von Archivunterlagen rekonstruiert.

Einst Etappenort auf der Postlinie Zürich–Aarau–Bern

Ein Metallbauer restauriere zudem das denkmalgeschützte Wirtshausschild, sagt Aberle. Nach Abschluss der Bauarbeiten kehre es an seinen angestammten Platz zurück, um weiterhin an die bewegte Geschichte des «Posthorn» zu erinnern. Das markante Gebäude, eingeklemmt zwischen altem Dorfkern und Hauptverkehrsader von Neuenhof, war einst Gasthof und Pferdewechselstelle auf der Postlinie Zürich–Aarau–Bern.

In einer Zeit, wo Briefe noch per Postkutsche versendet wurden, freuten sich Kutscher und Reisegäste hier über eine Rast. Bis zum Bau des ersten Postbüros im Jahr 1885 diente die Gaststätte als Postablage.

Das Gasthaus Posthorn um 1912.
3 Bilder
Neuenhof auf einer Postkarte von 1905: Das «Posthorn» ist damals neben der Kirche das markanteste Gebäude im Dorf.
EIn Metallbauer restauriert das denkmalgeschützte Wirtshausschild.

Das Gasthaus Posthorn um 1912.

Badener Tagblatt

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