Neuenhof
Übergabe an die nächste Generation: Auf die Warnung des Treuhänders reagiert

Eduard und Doris Huser übergeben die Klosterrüti Garage in Neuenhof an ihren 31-jährigen Sohn David.

Alexander Wagner
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Doris und Eduard Huser (links) übergeben die Klosterrüti Garage in Neuenhof an ihren Sohn David Huser (rechts).

Doris und Eduard Huser (links) übergeben die Klosterrüti Garage in Neuenhof an ihren Sohn David Huser (rechts).

Bild: Alexander Wagner

Seit 1986 führen Doris und Eduard Huser im Industriequartier praktisch auf der Grenze zwischen Baden und Neuenhof die Klosterrüti Garage. Bereits vor zehn Jahren haben sie sich zum ersten Mal Gedanken über die Nachfolgeregelung gemacht. «Wir wollten dies offen und ohne Scheuklappen angehen», meint Eduard Huser. Die Lösung mit dem Sohn als Nachfolger lag scheinbar auf dem Tisch – jedoch nur auf dem ersten Blick.

Sohn David Huser hat eine klassische Lehre als Automechaniker absolviert. «Jedoch bewusst ausserhalb des elterlichen Betriebs. Damit ich auch Erfahrung mit anderen Marken sammeln kann», erklärt der heute 31-Jährige. Danach hat er noch den Automobildiagnostiker absolviert und das KV nachgeholt. Seit 2011 arbeitet er auf der technischen Seite in der Werkstatt und seit sechs Jahren ist er als Verkaufsleiter bei seinen Eltern in der Klosterrüti Garage angestellt. Also der ideale Nachfolger.

Zwei gleichberechtigte Partner geht nicht

Die Tochter unterrichtet als Primarlehrerin in Wettingen. So weit, so gut. Ihr Ehemann kommt aber ebenfalls aus der Autobranche. Die optimale Lösung mit Sohn und Schwiegersohn schien jetzt noch greifbarer. Doch der Treuhänder wies sie unmissverständlich darauf hin, dass es bei zwei gleichberechtigten Partnern in der Familie zu 90 Prozent nicht funktioniere.

«Neun von zehn Betrieben machen in dieser Konstellation innerhalb von drei Jahren zu», erklärt Vater Huser. Also musste eine andere Lösung her. «Wir haben uns miteinander an einen Tisch gesetzt und nichts parallel oder hintenrum gemacht», betonen alle. «Wir mussten ohne Druck eine Lösung finden, die für alle Beteiligten stimmt», unterstreichen Vater und Sohn.

Zwei gleich grosse Töpfe

«Wir haben zwei gleich grosse Töpfe gemacht», bringt es der mittlerweile 70-jährige Senior auf den Punkt. So haben sie die Klosterrüti Garage an ihren Sohn verkauft und die Tochter erhält die private Liegenschaft. In dieser Konstellation können alle in eine neue Zukunft starten.

Eduard und Mutter Doris Huser, welche sich um die Administration der ganzen Garage kümmert, wollen sich sukzessive aus dem Betrieb zurückziehen. Der Plan ist, dass sie noch bis Mitte 2021 rund 50 Prozent in der Garage sind, vorwiegend am Nachmittag und Samstagmorgen. «Ich schätze das sehr. Ich kann mich auf sie verlassen», betont Sohn David, der genauso wie sein Vater seit längerem nicht mehr in den Ferien weilte. Aber wenn es denn mal wieder klappen sollte, «dann weiss ich, dass ich eine zuverlässige Stellvertretung habe», freut er sich.

Auch andere Themen am Familientisch

Natürlich ist bei Husers immer wieder mal die Garage ein Thema, auch am sonntäglichen Familientisch. «Ich lege Wert darauf, dass wir das Geschäftliche und das Privatleben trennen», betont die 65-jährige Doris Huser. «Und dass auch andere Themen besprochen werden.» Sie will sich mit ihrem Mann jetzt vermehrt wieder um anderes kümmern und mehr Zeit mit den Enkelkindern, Freunden und den Hunden verbringen, während Sohn David den Betrieb mit seinen zehn, zum Teil sehr langjährigen, Mitarbeitern in zweiter Generation führt. Die Mitarbeiter waren auch laufend über den Übergabeprozess informiert. Und dass viele Angestellte so lange bleiben, hat auch damit zu tun, dass sich die Familie Huser um ihre Leute kümmert: So bekamen alle trotz der Kurzarbeit den vollen Lohn und hatten keine Einbussen.

«Wir sind halt ein Geheimtipp»

Nur am Standort der Klosterrüti Garage im Industriegebiet kann auch Sohn David nichts ändern. «Wir sind halt ein Geheimtipp», meint Vater Huser lachend. «Dafür haben wir einen grosszügigen Parkplatz und sowohl der Autobahnzubringer als auch die Bushaltestelle sind vor der Haustüre», betont David Huser. «Ich sehe das sehr positiv.» Genau wie die Geschäftsübergabe, für welche die Familie Huser zwar nicht die erste, aber die beste Lösung gefunden hat.

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