Neuenhof
Neuenhof will qualitativ wachsen – Tennisplätze sollen an Dorfrand zügeln

Die Revision der Ortsplanung sieht im Härdli von Neuenhof eine gemischte Wohn- und Gewerbezone vor. Die Gemeinde möchte nämlich qualitativ wachsen.

Martin Rupf
Merken
Drucken
Teilen
Im Gebiet Härdli ist eine gemischte Zone «Wohnen und Arbeiten»geplant. Tennisplätze und Familiengärten sollen an den östlichenDorfrand im Gebiet Langäcker verlegt werden. az-archiv

Im Gebiet Härdli ist eine gemischte Zone «Wohnen und Arbeiten»geplant. Tennisplätze und Familiengärten sollen an den östlichenDorfrand im Gebiet Langäcker verlegt werden. az-archiv

Knapp vier Jahre sind seit der gescheiterten Fusion zwischen Baden und Neuenhof vergangen. Die damals verschmähte Braut – immerhin sagten 93 Prozent der Neuenhofer Ja zu einer Heirat mit der Bäderstadt – hat den Kopf seither aber nicht in den Sand gesteckt.

Trotz oder gerade wegen der finanziell angespannten Lage ergriff sie mit der «Strategie Vorwärts» sprichwörtlich die Flucht nach vorne. Neben der Steuerfuss-Thematik und der Schulraumplanung bildet die Revision der Ortsplanung einen wesentlichen Pfeiler dieser Strategie.

Basierend auf der Annahme, dass die Einwohnerzahl Neuenhofs von 8300 bis ins Jahr 2030 auf rund 10 000 anwachsen wird, ist eines der Hauptziele der Revision, dass die Gemeinde qualitativ wachsen kann. Bauverwalter Peter Richiger präzisiert: «Qualitativ wachsen heisst, dass wir mehr hochwertigen Wohnraum anbieten wollen.»

Dies sei aber nur dann möglich, wenn es gelinge, die heute zum Teil sehr kleinen Parzellen zu grösseren Einheiten zusammenzuführen. «Das wiederum setzt voraus, dass wir mit der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) Anreize für die Grundeigentümer schaffen können», sagt Richiger.

Weiter soll das Gebiet Härdli, wo sich auch Tennisplätze und Familiengärten befinden, zu einer Zone für Wohnen und Arbeiten werden. «Das Gebiet liegt sehr attraktiv und ist durch die S-Bahnhaltestelle hervorragend erschlossen», sagt Vizeammann und Bauvorsteher Hanspeter Benz. Insofern sei es Luxus, wenn dieses zentrale Gebiet in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen eingezont ist.

Als Ersatzstandort der Freizeitanlagen ist der östliche Dorfrand im Gebiet Langäcker vorgesehen. «Die Anlagen wären für die Neuenhofer auch dort gut erreichbar und würden das dort beginnende Naherholungsgebiet gut ergänzen», ist Benz überzeugt. Dass der dort festgelegte Siedlungstrenngürtel – der kantonale Sachplan hat an dieser Stelle einen Naturstreifen vorgesehen – dieser Umplatzierung im Weg stehen könnte, verneint Benz.

«Wer sagt denn, dass in diesem Siedlungstrenngürtel nur Landwirtschaft betrieben werden kann?» Mit dem vom Regierungsrat genehmigten Sachplan werde die angestrebte Nutzung unterstützt.

Ein weiteres Element des Konzepts wird zudem das Betriebs- und Gestaltungskonzept der Hauptverkehrsachse sein. «Heute trennt die Zürcherstrasse das Dorf förmlich», so Benz. Man wolle diesen Raum deshalb aufwerten und insbesondere für Fussgänger und Velofahrer attraktiver gestalten. Und nicht zuletzt ist die Gestaltung eines – heute nicht wirklich existierenden – Zentrums im räumlichen Gesamtkonzept vorgesehen.

Weiter Mitwirkung geplant

Die Ziele der Revision wurden bereits vor gut einem Jahr in einem Zielkatalog mit Zukunftsbild in einem Zukunftsbild zusammengefasst. Basierend auf diesem Zukunftsbild ist nun das räumliche Gesamtkonzept (RGK) mit den entsprechenden Strategien für die Siedlung, den Verkehr und den Freiraum ausgearbeitet worden. Bis Mitte Januar lag es zur Mitwirkung auf.

«Der Gemeinderat ist jetzt daran, die Antworten auszuwerten», sagt Benz. Es habe erstaunlich wenig Rückmeldungen gegeben, was er als positives Zeichen werte. «Wir haben die Bevölkerung mit Workshops und Foren früh an der Entstehung des Konzepts teilhaben lassen, das zahlt sich jetzt wahrscheinlich aus.» Auch Kanton und der Planungsverband der Region hätten sich positiv zum Konzept geäussert.

So sieht der Fahrplan aus: Die Mitwirkungseingaben werden nun in der Ortsplanungskommission behandelt und anschliessend mit Anträgen dem Gemeinderat zur Verabschiedung vorgelegt. Basierend darauf wird die eigentliche Gesamtrevision der BNO bearbeitet – die letzte datiert aus dem Jahr 1997. Benz: «Wir werden auch in diesem Verfahren wieder Foren lancieren, um möglichst alle Interessen der Bevölkerung berücksichtigen zu können.»

Eine Braut macht sich fit

Kommentar von Martin Rupf:

Es verdient Anerkennung, wie Neuenhof allen Umständen zum Trotz vorwärtsschaut. So hat sich die Gemeinde weder vom Fusions-Nein aus Baden noch von der angespannten finanziellen Lage entmutigen lassen. Vielmehr nimmt sie ihr Schicksal selber in die Hand, indem sie ihr Ortsbild für die Zukunft fit machen will. Dabei tut sie dies auch im Hinblick auf erneute Fusionsgespräche. Neuenhof möchte attraktiv sein, wenn dereinst wieder ein Gemeindezusammenschluss zur Diskussion steht.

Der eingeschlagene Weg macht Sinn. Im zentral gelegenen Härdli soll Platz für Wohnungen und für das Gewerbe geschaffen werden. Auch wenn es ein bisschen schmerzt, dass die Freizeitanlagen an den Dorfrand zügeln müssen, so sind diese dort gut aufgehoben. Zu begrüssen ist auch, dass die Bevölkerung in den Prozess eingebunden ist - auch wenn es Stimmen gibt, die kritisieren, die Gemeinde habe an den bisherigen Foren vor allem ihre favorisierten Ideen präsentiert. Es liegt jetzt an der Gemeinde, bei der anstehenden Revision der Bau- und Nutzungsordnung das Gegenteil zu beweisen.

martin.rupf@azmedien.ch