Neuenhof
Eine neue Skulptur am Limmatufer erinnert an den Bauboom der 70er-Jahre

Der «Raumknoten» von Peter Hächler stand über 40 Jahre vor dem Schulhaus Pfaffechappe in Baden. Die Stiftung Kulturweg hat das Kunstwerk nun übernommen und nach Neuenhof gezügelt.

Rahel Künzler
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Stiftungspräsident Christoph Doswald (l.) und Gemeinderat Marco Hürsch erzählen, wie die neue Skulptur den Weg nach Neuenhof fand.

Stiftungspräsident Christoph Doswald (l.) und Gemeinderat Marco Hürsch erzählen, wie die neue Skulptur den Weg nach Neuenhof fand.

Rahel Künzler

Es sticht schon von weitem ins Auge: das neue Objekt aus bunten, kreuz und quer stehenden Stangen am Neuenhofer Limmatuferweg neben dem Fussballplatz. Was aussieht wie ein Klettergerüst, ist allerdings nur zum Anschauen gedacht. Es ist die Kunstskulptur «Raumknoten» von Bildhauer Peter Hächler – die neuste Errungenschaft auf dem Kulturweg Limmat.

Von 1975 bis 2019 stand sie auf dem Pausenplatz des Schulhauses Pfaffechappe in Baden. Weil die Stadt die Schule in den nächsten Jahren umfassend saniert und neugestaltet, hat sie das Kunstwerk nun in die Obhut der Kulturwegs-Stiftung übergeben. Deren Mitglieder haben es restauriert und den Umzug an den neuen Standort in Neuenhof organisiert.

Bereits das zweite Werk von Hächler auf dem Kulturweg

Knapp 70 Personen waren zur Einweihungsfeier am Mittwochabend anwesend, darunter zehn Mitglieder des Stiftungsrates, die beiden Töchter des 1999 verstorbenen Künstlers, der Neuenhofer Gemeinderat sowie eine Primarschulklasse. Diese eröffnete den Anlass mit einer Musik- und Tanzperformance. Hächlers Werk passe gut hierher, sagte Stiftungsratspräsident Christoph Doswald in seiner Rede.

Schon seit 1991 befindet sich nur wenig flussabwärts bereits eine Skulptur des Künstlers auf dem Kulturweg. Die drei flach gedrückten Stahlquader bei der alten Holzbrücke erinnern an die schweren Lasten, welche die Brücke in vergangenen Zeiten trug. Hächler hat sie «Raumwürfel» getauft.

In seinem neu ausgestellten Werk aus den 70er-Jahren bestehe ebenfalls ein klarer Bezug zum öffentlichen Raum, sagte der Stiftungsratspräsident und las dabei einen Tagebucheintrag des Künstlers vor: Während des Baubooms von damals seien ganze Quartiere und Siedlungen neu entstanden – auch hier im Raum Baden. Hächler habe die industrielle Aufbruchsstimmung in seiner Kunst aufgenommen. Doswald sagte:

«Wir laufen heute zu oft mit dem Blick aufs Smartphone durch die Welt.»

Die Kunstwerke auf dem Kulturweg sieht er als Chance, die eigene Realität neu wahrzunehmen.

Neuenhof erhält 2022 eine eigene Fachstelle für Kultur

Der Neuenhofer Gemeinderat Marco Hürsch (Die Mitte) geht noch einen Schritt weiter. Der Ressortvorsteher Bildung und Kultur sagte:

«Kunst bringt Menschen zusammen und fördert die Durchmischung.»

Dies habe die Einweihungsfeier gezeigt. Dass Neuenhof seine Kulturarbeit in den kommenden Jahren ausbaut, freue Hürsch deshalb besonders.

Auf Mitte 2022 sucht die Gemeinde in einem 30-Prozent-Pensum eine Leiterin oder einen Leiter der neuen Fachstelle Kultur. Im Juni stimmte die Gemeindeversammlung für vier Jahre einem jährlichen Budget über 100'000 Franken zu – umgerechnet 10 Franken Kulturausgaben pro Neuenhoferin und Neuenhofer.

Anders als etwa in Baden oder Wettingen wolle man nicht primär auswärtige Kunstschaffende nach Neuenhof holen, sondern das eigene Potenzial ausschöpfen, so Hürsch. «Wenn immer möglich, wollen wir Schülerinnen und Schüler, aber auch die Vereine und Kunstschaffenden aus Neuenhof bei Kulturveranstaltungen miteinspannen.» Ziel sei, dass die Gemeinde ihre multikulturelle Identität als Chance nach aussen trägt.

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