Wenn die Australier ein Fest feiern, stellen sie ein paar Zelte auf und räumen sie am gleichen Abend wieder weg: Zwar etwas überspitzt, aber so beschreibt der Neuenhofer Peter Zöllig den Kontrast zur Badenfahrt. Für das zehntägige Volksfest reist er jedes Mal aus Surfers Paradise nahe dem australischen Brisbane an. 16'200 Kilometer Fluglinie. Vor rund 20 Jahren ist er nach Down Under gezogen oder besser: nicht mehr aus dem Urlaub zurückgekehrt.

«Wenn ich den Australiern erklären will, was die Badenfahrt ist, fehlen mir die Worte», sagt Zöllig. «Die Stimmung einer Badenfahrt bringt man nirgends sonst hin. Und wenn man sie nicht selber erlebt oder als Helfer beteiligt ist, kann man den Enthusiasmus vermutlich nicht nachvollziehen.» Der 56-Jährige arbeitet momentan selber jeden Tag in der Neuenhofer «Gschpändli»-Beiz auf dem Schlossbergplatz.

Zu grosse Runde für die Beizen

Die erste Beiz baute der Verein an der Badenfahrt vor 30 Jahren. «Da hatten wir noch Haare auf dem Kopf», sagt Zöllig und schmunzelt. Weil Zöllig und seine Kumpel damals eine ziemlich grosse Truppe waren, fanden sie in den Beizen am Seenachtsfest in Zürich nirgends Platz. «Da kamen wir auf die Idee, an der nächsten Badenfahrt eine eigene Beiz auf die Beine zu stellen, und gründeten unseren ‹Gschpändli›-Verein», erzählt er. Seither brauche man in Neuenhof eigentlich keine Klassenzusammenkünfte mehr. «Wir treffen uns einfach an der Badenfahrt in der ‹Gschpändli›-Beiz.»

Weil Zöllig bei den Vorbereitungssitzungen nicht dabei sein konnte, hat er bei den «Gschpändli» das Nachsehen: Ich springe ein, wo es mich braucht, und bin meistens schon am Nachmittag vor Ort. Aber meine Einsätze konnte ich nicht wählen.» Zeit zum Bummeln bleibt dem Neuenhofer dennoch genug. «Die Badenfahrt wird mit jedem Mal spektakulärer, die Bauten werden immer verrückter und ich bin gespannt, wie die Beizen in zehn Jahren aussehen.»

So viel Engagement beim Arbeiten und beim Feiern verlangt nach einer Pause: Zöllig wird sich nach der Badenfahrt erst mal zwei Wochen in Neuenhof erholen. Das Geschäft des selbstständigen Netzwerkcontrollers im australischen Surfers Paradise muss warten. «Ich habe mein Geschäft geschlossen. Nichts ist wichtiger als die Badenfahrt», betont er. So wichtig auch, dass er jeweils zwei Jahre vor der Badenfahrt in die Schweiz reist und sicherstellt, dass der Gschpändli-Verein sich für das Fest anmeldet.