Andreas Lang
Neuer Badener Polizeichef: «Wir wollen gegen Tempo- und Tuning-Exzesse vorgehen»

Andreas Lang, der neue Kommandant der Stadtpolizei, spricht im Interview über seine Ziele und Wünsche als Sicherheitschef, über die geplante Fusion mit der Wettinger Polizei - und über das Velofahren in der neuen Cordulapassage.

Andreas Fahrländer
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Vom Staatswissenschaftler zum Sicherheitschef

Vom Staatswissenschaftler zum Sicherheitschef

Alex Spichale

Andreas Lang, seit November sind Sie Kommandant der Stadtpolizei und Sicherheitschef der Stadt Baden. Geht für Sie ein Bubentraum in Erfüllung?

Andreas Lang: Ja, das kann man tatsächlich so sagen. Ich würde wieder denselben beruflichen Weg wählen, der mich ja über einige Umwege zu diesem Ziel geführt hat.

Sie sind als öffentliche Person noch relativ unbekannt in der Stadt. Wer ist der neue Badener Polizeikommandant?

Ich bin, wie viele Polizeikommandanten, ein Quereinsteiger. Nach der Militärakademie an der ETH Zürich war ich als Berufsoffizier in der Westschweiz tätig und habe ein juristisches Nachdiplomstudium gemacht. Zurück in der Deutschschweiz war ich einige Jahre bei der Intervention SBB als Rayonleiter. Bei Not- und Ereignisfällen habe ich als Einsatzleiter die Koordination mit den Blaulichtpartnern, insbesondere mit der Polizei, übernommen. Zuletzt war ich als Fachlehrer Nachrichtendienst am Armeeausbildungszentrum. Dank der bisherigen beruflichen Stationen eignete ich mir das Wissen an, das ich nun für die drei Bereiche Polizei, Feuerwehr und Zivilschutz benötige.

Sie sind als Sicherheitschef nicht nur Polizeichef, sondern auch quasi oberster Feuerwehrmann und Zivilschützer.

Das ist richtig. Unter dem Dach der Öffentlichen Sicherheit befinden sich nebst meinem Polizeikommando auch die Kommandi der Stützpunktfeuerwehr und der Zivilschutzorganisation. Letztere Beide verfügen je über einen eigenen Kommandanten. Diese Vielseitigkeit und die Zusammenarbeit mit den Kommandanten der Feuerwehr und des Zivilschutzes schätze ich enorm. Obwohl ich stets im Sicherheitsbereich tätig war, bin ich aktiv dabei, mich im Polizeihandwerk praktisch ausbilden zu lassen und absolviere dazu den Führungslehrgang für Polizeioffiziere.

Aber Sie haben sich gut eingelebt am neuen Arbeitsplatz?

Danke, ich bin immer noch dabei, mich einzuleben. Es läuft sehr viel, da hat man das Gefühl, man sei schon Jahre Teil des Teams. Alle meine Mitarbeitenden sind sehr offen und kommunikativ.

Was sind Ihre Ziele und Wünsche als Kommandant?

Ich will eine «adaptive Polizei». Das heisst, eine die sich den aktuellen Bedrohungen und Gefahren anpasst. Ich denke auch an Terror. Ich möchte mit den gut ausgebildeten Polizistinnen und Polizisten hier in Baden berechtigte Anliegen der Bevölkerung ernstnehmen. Was mir auch wichtig ist: Ich setze viel daran, dass wir mit unseren Blaulichtpartnern den Ernstfall proben können. Und ich möchte eine gute Partnerschaft pflegen, sei das mit anderen Polizei-Korps, etwa mit der Kantonspolizei oder mit den anderen Regionalpolizei-Korps. Ich möchte Schnittstellen zu Nahtstellen machen.

Stichwort Partnerschaften: Es gibt den Plan, die Stadtpolizei Baden und die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal zusammenzulegen. Wie weit sind die Pläne für eine Fusion fortgeschritten?

Die Zusammenarbeit mit den benachbarten Polizei-Korps pflegen wir schon seit Jahren. Einerseits, weil die Gegenseite nicht Halt macht an der Gemeindegrenze. Andererseits, weil diese beiden Polizei-Korps deckungsgleich sind in Ausbildung und Einsatztaktik. Weiter gibt es Spareffekte, etwa im Beschaffungswesen. Und es gibt Bereiche, in denen man Synergien nutzen kann: Beispiel Verkehrserziehung. Das könnte man gut zusammen machen.

Die Regionalpolizei Wettingen würde sich für eine Fusion logischerweise am besten eignen.

Die Zusammenarbeit mit den Kameradinnen und Kameraden aus Wettingen an der Badenfahrt 2017 war sehr erfolgreich. Zum Einen leisteten wir die Spezialeinsätze für die Badenfahrt, zum Andern mussten wir ja die Grundversorgung in den Gemeinden aufrechterhalten. Weil wir vom Dienstmodell her identisch aufgestellt sind und wir auch sonst harmonieren, hat das hervorragend funktioniert. Das hat die Politik bestärkt, hier eine Vertiefung anzustreben.

Also kann man sagen, dass die Badenfahrt Auslöser für die Fusionspläne war?

Es war sozusagen ein Testfall, wie das Tagesgeschäft umzusetzen wäre. Aber es sind immer noch alle Varianten offen. Von einer intensivierten Kooperation, über eine Zusammenlegung von Teilbereichen...

...an welche Bereiche denken Sie da konkret?

Zum Beispiel an die Verkehrserziehung, eine Ordnungsbussenzentrale oder auch eine gemeinsame Administration. Bis hin zu einer Fusion der beiden Korps. Alle Varianten sind denkbar.

Einen Zeitplan gibt es dafür aber noch nicht?

Das ist schwierig zu sagen. Es ist letztlich ein politischer Entscheid.

Wenn die beiden Korps fusionieren, würde das neue Korps 16 Gemeinden abdecken, von Bergdietikon bis Würenlingen. Im Aargau gibt es bisher keine so grosse Regionalpolizei.

Das ist richtig. Die Stadtpolizei Baden ist jetzt schon die grösste Regionalpolizei, Wettingen-Limmattal gehört auch zu den grössten. Nach einer Fusion wären wir mit Abstand das grösste Regionalpolizei-Korps im Aargau.

Persönlich

Andreas Lang (43) ist studierter Staatswissenschaftler und diplomierter Berufsoffizier.
Vor seinem Amtsantritt als Badener Sicherheitschef war er Fachlehrer beim Militärischen Nachrichtendienst im Armee-Ausbildungszentrum in Luzern. Davor war er Leiter Intervention des Rayons Olten und damit im Führungsteam der Region Mitte der SBB. Lang lebt mit seiner Familie in der Region Baden.

Das Stadtpolizei-Korps ist auch für die Gemeinden Birmenstorf, Ehrendingen, Ennetbaden, Freienwil, Gebenstorf, Obersiggenthal, Untersiggenthal, Turgi und Würenlingen zuständig. Als Chef der Abteilung Öffentliche Sicherheit der Stadt Baden hat Andreas Lang rund 60 Mitarbeiter, darunter 47 uniformierte Polizistinnen und Polizisten. Hinzu kommen drei einsatzfähige Polizeihunde. (AF.)

Aber flächenmässig wäre das gut machbar?

Gemeinsam wären wir für rund 115 000 Einwohnerinnen und Einwohner zuständig. Wir haben ja die kantonale Zielgrösse 1:700, also ein Polizist auf 700 Einwohner. Diese Dichte erreichen die Regionalpolizei-Korps (ein Drittel) gemeinsam mit der Kantonspolizei (zwei Drittel). Falls wir das nicht mehr erreichen, müssen beide aufstocken. In unserer Region nimmt die Bevölkerungszahl weiter zu und das Wohnen wird verdichtet. Da ist es besonders wichtig, dass man nah am Puls der Bevölkerung bleibt. Hierfür sind die Regionalpolizei-Korps prädestiniert.

Etwas was jeden in der Bevölkerung betrifft, ist die zunehmende Videoüberwachung des öffentlichen Raums. Baden ist ja recht dicht mit Kameras versehen.

Da gibt es wohl noch andere Städte. Das ist immer relativ.

Sie schmunzeln. Es ist ja immer die Frage: Datenschutz oder Sicherheit. Wie stehen Sie dazu?

Ich sehe hier Vor- und Nachteile. Man kann etwa Strassenabschnitte überwachen, um bei Unfällen schneller reagieren zu können. Dann kann man punktuell auf kritische Orte fokussieren, die sogenannten Hotspots, wo es immer wieder Probleme gibt. Diese Orte können durch Kameras sicherer werden.

Können Sie da ein konkretes Beispiel machen?

Allen voran der Bahnhof mit dem Metroshop. Vielleicht eines Tages auch auf der Ruine Stein, wo es immer wieder Littering und Vandalismus gibt.

Ist es eine Idee, auf der Ruine Kameras zu installieren?

Wir prüfen das. Eine Videoüberwachung kann Ressourcen entlasten. Wir wollen damit auch das subjektive Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung stärken. Nachteile sehe ich darin, dass es mit der Zeit auch ein trügerisches Sicherheitsgefühl geben könnte.

Warum trügerisch?

Wir haben festgestellt, dass sich Hotspots dorthin verlagern, wo es noch keine Kameras gibt. Dann ist das Problem umverteilt, aber nicht gelöst. Und schlussendlich sind wir in einem öffentlichen Raum, in dem man sich unbefangen bewegen möchte. Das schränken wir natürlich schon ein, das ist so. Aber wer eine weisse Weste hat, muss sich eigentlich nicht eingeschränkt fühlen.

Gibt es Orte, die Ihnen besonders Sorgen machen?

Wie bereits erwähnt wird das Littering auf der Ruine Stein in der warmen Jahreszeit wieder ein Thema. Ebenso die Limmatpromenade. Und der Bahnhof ist für uns Hotspot und Dauerauftrag zugleich. Dort arbeiten wir mit Transportpolizei, Securitrans und Kantonspolizei zusammen. Das geht wie Zahnrädchen Hand in Hand.

Wenn wir gerade beim Verkehr sind: Es gibt den Vorwurf, die Stadtpolizei würde zu wenige Verkehrskontrollen machen.

Dem ist nicht so; wir führen bei allen Verkehrsbeteiligten systematische Kontrollen durch. Kontrolldruck ist zwar wichtig, aber wir wollen uns nicht nur auf Bagatellfälle konzentrieren, sondern auf die gröberen Verkehrsregelverletzungen. Und da allen voran auf die Tempo-Exzesse. Das ist auch eine Rückmeldung aus der Bevölkerung. Tempoexzesse und Tuning sind zwei Schwerpunkte, die wir dieses Jahr angehen. Und ein drittes Thema sind die «Elterntaxis» zu den Schulhäusern, vor allem in Ennetbaden und Ehrendingen.

Das mit dem Tuning fällt besonders an den Hauptstrassen auf. Es ist teilweise Wahnsinn, wie laut manche Autos etwa auf der Bruggerstrasse dröhnen.

Ein Problem sind Klappenauspuffe. Das andere Problem ist das sogenannte Chip-Tuning. Klappenauspuffe machen vor allem viel Lärm, Chips steigern die Motorleistung via Computer. Dem nachzugehen, ist eine aufwändige Sache für uns. Wir müssen teilweise Experten beiziehen, um solche Umbauten, die oft nicht auf den ersten Blick erkennbar sind, zu entdecken und zu ahnden.

Ist es ein subjektiver Eindruck, dass es immer mehr dieser aufgemotzten Autos gibt?

Das kann ich so nicht bestätigen. Aber es ist ein spürbares Problem. Und heute gibt es natürlich auch andere Leasing-Möglichkeiten als noch vor 20 Jahren. So kommt man relativ einfach zu hochmotorisierten Autos.

Zum Schluss noch ganz kurz: Was liegt Ihnen an Ihrem neuen Arbeitsplatz noch auf dem Herzen?

Eine Herausforderung ist der Platzmangel im Amtshaus. Das ist im Korps immer wieder ein Thema. Wenn wir alarmiert werden und hier vom Kirchplatz aus mit den Fahrzeugen schnell ausrücken sollten, sind Velos und Fussgänger im Weg. Jetzt müssen wir prüfen, was es dafür für Lösungen gäbe. Eine Idee ist ein neues Verwaltungszentrum. Eine andere Idee ist, dezentral mehr Fläche anzumieten. Was ich in der Stadt jetzt schon forciere, sind vermehrte Patrouillen auf dem Velo. Im ganzen Einsatzgebiet will ich mit Fuss-Patrouillen noch mehr Präsenz markieren. Schliesslich will ich motivierte Mitarbeitende und harmonierende Teams.

Apropos Velo: Bald wird ja der neue Schulhausplatz eröffnet. Glauben Sie, es kommt gut, wenn sich in der neuen Cordulapassage Fussgänger und Velofahrer kreuzen?

Es geht nur mit gegenseitigem Respekt. Gemischte Velo- und Fussgängerzonen verlangen von allen besondere Rücksichtnahme. Wir beobachten das Geschehen und greifen nötigenfalls ein.

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