Wettingen
Neuer Leiter der Center Passage: «Laden- und Gastro-Angebot muss auf lokale Bedürfnisse zugeschnitten sein»

Das Wettinger Einkaufszentrum hat viele Wechsel hinter sich. Mit Center-Leiter Marco Stadelmann weht wiederum ein neuer Wind.

Claudia Laube
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Alex Spichale

«Das neue Einkaufszentrum wird Wettingens neue Drehscheibe», sagte 1994 der damalige Präsident des Wettinger Handels- und Gewerbevereins über die Center Passage. Es gehe nun ganz klar um Marktanteile, vor allem im Wettbewerb mit Spreitenbach, erklärte er dem «Badener Tagblatt». Fokus des damaligen Artikels: die Liberalisierung der Laden-Öffnungszeiten. Die Center Passage an der Landstrasse 99 als Konkurrenz zum Shoppi? Schon lange kein Thema mehr. Sie konnte die in sie gesteckten Erwartungen nie erfüllen.

Das Einkaufszentrum hat seit seiner Realisation eine bewegte Geschichte hinter sich. Zahlreiche Läden wurden eröffnet und wegen mangelnder Kundschaft nach kurzer Zeit bereits wieder geschlossen. Hier gaben sich aber nicht nur Ladenmieter, sondern auch die Eigentümer die Klinke in die Hand. Unter der Ägide von Züblin Immobilien hiess es ab 2004 «Zentrum 99» – so wurde versucht, diesem neues Leben einzuhauchen. 2010 übernahm die Vögele Immobilien Gruppe.

Sie erneuerte das Gebäude innen und aussen, nannte das Einkaufszentrum wieder Center Passage und eröffnete es 2012 feierlich. Seither ziert die Fassade ein grosser Stern. Inzwischen ist die Anlagestiftung Swiss Life als Eigentümerin eingetragen. Am 1. Januar 2016 übernahm die Rimaplan AG mit Sitz in Regens- dorf die Bewirtschaftung. Das Unternehmen, das unter anderem kommerzielle Immobilien und Areale wie Shoppingcenter betreut, lagerte 2019 diesen Bereich aus und gründete dazu die neue Firma Centerio AG.

Stadtluzerner übernimmt das Steuer

Im Frühling 2020 folgte ein Wechsel in der Geschäftsleitung und damit auch ein Wechsel in der Strategie: «Wir wollen in den Centern, die wir betreuen, einen direkten Draht zu Mietern und Kunden aufbauen und ihnen eine direkte Ansprechperson bieten», sagt Marco Stadelmann. Er ist seit Anfang November beim Unternehmen angestellt und wurde vor kurzem der Bevölkerung als Manager der Center Passage präsentiert.

Bisher wurden die Leitungen nicht so prominent angekündigt, aber das gehört zur neuen Strategie: «Damit wollen wir der Center Passage ein Gesicht geben», sagt Stadelmann. «Bewirtschaftung können viele, aber wir wollen mehr als das.» Aktiv Kontakte pflegen, mit den Kundinnen und Kunden und natürlich auch mit den Ladenmietern gemeinsame Aktionen durchführen – damit die Menschen hier nicht einfach nur einkaufen, sondern auch verweilen wollen.

Der 32-jährige Stadtluzerner war zuvor fünf Jahre Gebietsvertriebsleiter bei Tchibo. Er hat nach der Ausbildung zum Sportartikelverkäufer die Erwachsenen-Matur nachgeholt und sich im Detailhandel-Bereich weitergebildet. Aktuell macht er seinen Master in Business Administration. Ihm war die Center Passage bereits ein Begriff, bevor er die Leitung übernommen hat: «Mein früherer Arbeitgeber hatte in Wettingen ebenfalls eine Filiale», sagt er.

Corona kommt ihm entgegen

Einmal pro Woche ist er nun in der Center Passage anzutreffen. Sie ist aber nicht das einzige Einkaufszentrum, das er betreut. Zur Inspiration sei er aber auch in solchen anzutreffen, die nicht zum Portfolio gehören. Eines habe er gelernt: «Das Laden- und Gastro-Angebot in einem kleinen Einkaufszentrum wie der Center Passage muss auf lokale Bedürfnisse zugeschnitten sein», ein solches funktioniere ganz anders als ein Shoppi.

Der aktuelle Ladenmix in der Center Passage erfülle die Bedürfnisse schon zu grossen Teilen. Wo er aber noch viel Ausbaupotenzial sieht, ist in der Einkaufsmall: «Speziell diese soll emotionaler gestaltet werden: Hier haben wir viel Fläche zur Verfügung, die Raum für innovative Aktivitäten lässt, und zum Beispiel auch von regionalen Vereinen genutzt werden könnte», erklärt er.

Dass es mit den derzeit geltenden Coronamassnahmen etwas schwieriger ist, gleich damit loszulegen, kommt ihm entgegen, will er doch zuerst einmal ein Konzept für das Center ausarbeiten und dabei auch die Bedürfnisse und Ideen der Mieter abholen. In den nächsten Monaten werde es ausserdem kleinere Änderungen im Eingangsbereich geben. Stadelmann hofft, dass sich die Situation mit Corona Mitte des nächsten Jahres beruhigt hat und im Center die neuen Ideen angegangen werden können.