Ennetbaden
Neuer Schwanen-Wirt: «Man muss in seinen Job verliebt sein»

Tony Rexhaj ist mit Leib und Seele Gastronom – und in der Region kein Unbekannter. Gemeinsam mit Bruder David wagt er sich nun an den «Schwanen» in Ennetbaden.

frederic härri
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Trotz viel Erfahrung sagt Rexhaj: «Ich lerne jeden Tag dazu.» Sandra Ardizzone

Trotz viel Erfahrung sagt Rexhaj: «Ich lerne jeden Tag dazu.» Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

Im grossen Speisesaal, dem Prunkstück des «Schwanen», wandert der Blick unweigerlich nach oben. Hinauf zur Decke mit den pittoresken Verzierungen und den massiven, goldenen Kronleuchtern. In der Mitte des Raums sitzt ein Mann in einem schicken marineblauen Anzug, den Kaffee vor sich auf dem Tisch. Tony Rexhaj ist Wirt der neuen Brasserie. Ohne Umschweife sagt er: «Ich will meinen Teil dazu beitragen, die ‹Kleinen Bäder› wieder aufleben zu lassen».

Die Wortwahl Rexhajs ist kein Zufall. Einerseits ist sie Ausdruck seines Selbstverständnisses als erfahrener Gastronom. Sie verdeutlicht aber auch das Pflichtbewusstsein gegenüber seiner neuen Aufgabe. Seit Mitte der 1970er-Jahre ist Ennetbaden als Badekurort in Vergessenheit geraten. Das Restaurant im «Schwanen» soll nun wieder Leben in das Quartier bringen. Durch Beziehungen habe er davon erfahren, dass die Verantwortlichen einen Pächter für die Brasserie suchen, sagt Rexhaj. «Als dann das Angebot kam, habe ich keine Sekunde gezögert.»

13 Jahre lang bei «La Cappella»

Die Begeisterung für die Gastronomie entwickelte Rexhaj schon früh. Im Jugendalter schloss der gebürtige Kosovo-Albaner in seiner Heimat eine Ausbildung als Koch ab. Bereits mit 18 Jahren zog er aus und kam in die Schweiz. Nicht aus beruflichen Gründen, sondern «der Liebe wegen», wie er sagt. Auch die Leidenschaft fürs Kochen blieb – und wuchs weiter. Rexhaj vertiefte sein Wissen als Koch, im Service und in Managementkursen. Es folgten erste Lehrjahre als Restaurantführer bei Stationen in Bern, Interlaken und Zürich.

Rundgang in den neuen Räumlichkeiten der Brasserie des demkmalgeschützten Schwanen in Ennetbaden. Der Eingangsbereich.
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Rundgang in den neuen Räumlichkeiten der Brasserie des demkmalgeschützten Schwanen in Ennetbaden. Tony Rexhaj, neuer Wirt Brasserie Schwanen.
Rundgang in den neuen Räumlichkeiten der Brasserie des demkmalgeschützten Schwanen in Ennetbaden. Othmar Angst, Directeur de cuisine.
Rundgang in den neuen Räumlichkeiten der Brasserie des demkmalgeschützten Schwanen in Ennetbaden. Der Brasseriesaal, der besonders denmalgeschützt ist.
Rundgang in den neuen Räumlichkeiten der Brasserie des demkmalgeschützten Schwanen in Ennetbaden. Lampe im Brasseriesaal.
Rundgang in den neuen Räumlichkeiten der Brasserie des demkmalgeschützten Schwanen in Ennetbaden. Alte Böden liess man erhalten.
Rundgang in den neuen Räumlichkeiten der Brasserie des demkmalgeschützten Schwanen in Ennetbaden. Im Treppenhaus
Rundgang in den neuen Räumlichkeiten der Brasserie des demkmalgeschützten Schwanen in Ennetbaden. Der Eingangsbereich.
Rundgang in den neuen Räumlichkeiten der Brasserie des demkmalgeschützten Schwanen in Ennetbaden. Das Fumoir des Schwanen.

Rundgang in den neuen Räumlichkeiten der Brasserie des demkmalgeschützten Schwanen in Ennetbaden. Der Eingangsbereich.

Chris Iseli

In der Region ist der heute 58-Jährige kein Unbekannter. 2004 zog es ihn erstmals in den Aargau, als er das « Ristorante La Cappella» im Kappelerhof übernahm. Bis Anfang 2017 blieb er dort. Den Job in leitender Funktion teilte sich Tony Rexhaj 13 Jahre lang mit seinem jüngeren Bruder David, der als gelernter Restaurantfachmann einen ähnlichen Werdegang wie er selbst hinter sich hat. Für «La Cappella» kreuzten sich die Wege der Brüder erstmals auch beruflich. Es ist eine Zusammenarbeit, die Früchte zu tragen scheint. David wird Tony auch in der Brasserie Schwanen unterstützend zur Seite stehen.

Von Zankereien und Reibungen, wie unter Brüdern üblich, sei bei ihnen während der Arbeit wenig zu spüren, sagt Tony Rexhaj. Trotz eines Altersunterschieds von zwölf Jahren würden sie sich beinahe blind verstehen. Die Erklärung dafür liefert Rexhaj gleich mit: «Wir sind beide Gastgeber von ganzem Herzen.» Neben der Passion fürs Gastrogewerbe verbinden die Brüder noch weitere Eigenschaften. Beide sind dreifache Väter und fest mit der Familie verwurzelt. So werden auch Tony Rexhajs zwei Söhne in der Brasserie «Schwanen» mithelfen.

Grosse Verantwortung, unregelmässige Arbeits- und hohe Präsenzzeiten: «Das Führen eines Restaurants kann sehr anstrengend sein», weiss Rexhaj. Auch wenn ihr Beruf einige Entbehrungen mit sich bringe, seien sie mit Leib und Seele dabei. Was ihn zu einer weiteren Gemeinsamkeit zwischen seinem Bruder und ihm bringt: «David und ich sind Workaholics.» Sein persönliches Erfolgsrezept, um erfolgreich durch schwierige Phasen zu gehen, hat Rexhaj schon längst für sich entdeckt: «Man muss in seinen Beruf verliebt sein.»

Gegentrend zur Imbissbude

Liebesgefühle entwickeln sollen künftig auch die Gäste in seiner Brasserie, wenn es nach Rexhaj geht. Das Restaurant setzt auf klassische Gerichte wie Zwiebelsuppe, Gänseleber oder Entenbrust. «Viele kennen solche Speisen noch aus ihrer Kindheit, haben sie aber lange nicht mehr gegessen. All jene werden das eine oder andere auf der Speisekarte wiedererkennen und sich an früher zurückerinnern.»

Das Angebot soll auch Gegentrend sein zu den vielen Bistros und Imbissbuden, die in den letzten Jahren in der Region aufgetaucht, danach aber schnell wieder verschwunden sind. Eine Entwicklung, die Rexhaj mit Sorge verfolgt. Betriebe, die ohne klares Konzept eröffnen, würden das Gastrogewerbe auf lange Sicht schwächen. «Einiges ist aus meiner Sicht in letzter Zeit in die falsche Richtung gegangen.»

Es sind Aussagen wie diese, die spüren lassen: Das lokale Gewerbe liegt ihm am Herzen – wie auch die gesamte Region. Die Mehrzahl der Gäste aus seiner Zeit bei «La Cappella» kennt Rexhaj persönlich, viele zählt er heute zu seinen Freunden. Er hofft, auch in Ennetbaden so lange wie möglich Gäste begrüssen zu dürfen.

Zum Schluss nimmt Rexhaj noch einmal einen grossen Schluck aus der Kaffeetasse und lehnt sich entspannt in seinem Sessel zurück. Der Gesichtsausdruck des Wirts verrät: Er fühlt sich pudelwohl in seiner neuen Aufgabe.

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