Baden
Neuer Städtli-Präsident: «Es spielen wieder mehr Kinder Handball»

Der neue «Städtli»-Handball-Präsident Christoph Blöchlinger verrät, wieso wieder mehr Kinder Handball spielen, wo er Parallelen zum Schwingsport sieht und wieso er sich als Präsiden nicht in die sportlichen Belange einmischt.

Martin Rupf
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Christoph Blöchlinger in der Aue, wo er viele Jahre selber spielte.

Christoph Blöchlinger in der Aue, wo er viele Jahre selber spielte.

Sandra Ardizzone

Seit Mai dieses Jahres ist Christoph Blöchlinger Präsident der Handballer des Stadtturnvereins Baden; er hat das Amt von Daniel Hitz übernommen. Der 37-jährige ist quasi ein Eigengewächs, spielte er doch als Junior – zusammen mit dem Interviewer – beim «Städtli» und später in der 1. Liga. Zweimal verpasste er zusammen mit seiner Mannschaft den Aufstieg in die Nationalliga B nur ganz knapp. Nachdem er seine Aktivkarriere 2004 – wegen Beruf und Familie – beendet hatte, gab er 2009 für eine Saison sein Comeback und trug als Routinier dazu bei, die erste Mannschaft wieder von der 2. Liga in die 1. Liga zu führen.

Christoph Blöchlinger, Handball gilt als ruppiger Sport. Welche Folgeschäden haben Sie davongetragen?

Christoph Blöchlinger: Eigentlich bin ich glimpflich davongekommen. Erst in meiner allerletzten Saison verletzte ich mich am Knie, ansonsten blieb ich von der Verletzungshexe verschont. Es trifft zwar zu, dass Handball sehr körperbetont ist, ich würde aber nicht sagen, dass man mehr Verletzungen riskiert als etwa beim Fussball.

Auf einer Skala von eins bis zehn: Wie talentiert waren Sie, wie gross war der Trainingsanteil?

Von den körperlichen Voraussetzungen und vom Talent würde ich mir etwa eine Fünf geben. Ich war aber sehr trainingsfleissig und habe auch neben dem Handballtraining viel gemacht – sonst hätte es gar nicht gereicht.

Wie kamen Sie als Jugendlicher zum Handball?

Zuerst spielte ich beim FC Baden Fussball. Doch weil viele meiner Bez-Kollegen damals Handball spielten – beim SC Meierhof unter dem legendären Trainer Geri Heusi –, wechselte auch ich zum Handball.

Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Nur die Besten. Der Handball war für uns Jugendliche genial. Dank den Trainings hatten wir eine klare Struktur. Hinzu kamen Trainer, die von uns Disziplin einforderten. Und wir gingen mit Gleichgesinnten einer Freizeitbeschäftigung nach, die uns erfüllte. Ich würde sagen, der Handball hat bei vielen massgeblich dazu beigetragen, dass wir auf geordneten Bahnen durch die Jugendjahre gingen.

Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass «diese geordneten Bahnen» manchmal – wie bei Jugendlichen üblich – auch verlassen wurden . . .

. . . natürlich, im Handball waren wir nicht nur ein Team, sondern wir waren alles Freunde, die auch ausserhalb der Handballhalle viel unternahmen und erlebten. Dass dabei auch mal ausschweifende Erlebnisse darunter waren, versteht sich von selbst (lacht).

2009 beendeten Sie Ihre Karriere. Wieso haben Sie nicht wie viele andere Ihrem Hobby einfach ein paar Ligen tiefer gefrönt?

Weil ich als Sportler immer etwas erreichen wollte. Dem Handballsport blieb ich aber auch so verbunden. So war ich immer regelmässig an den Heimspielen des «Städtli» in der Aue anzutreffen und pflegte die Kontakte zum Vorstand, in dem sich viele alte Handballkollegen engagieren.

Anfang Jahr kam dann die Anfrage, ob Sie das Amt des Präsidenten der Städtli-Handballer übernehmen wollen. Sagten Sie gleich zu?

Zuerst sagte ich ab, weil mir die Familie zu wichtig ist und ich grossen Respekt vor dem zeitlichen Aufwand hatte.

Was führte zum Umdenken? Immerhin haben Sie eine Familie mit drei Kindern und vor drei Jahren übernahmen Sie die Anwaltskanzlei Ihres Vaters.

Ganz einfach: Die Verantwortlichen haben nicht locker gelassen. Insbesondere konnten sie mir aufzeigen, dass der zeitliche Aufwand – vor allem bei den Wochenendspielen – nicht so gross ausfallen werde, wie ich befürchtet habe.

Seit Mai sind Sie nun Präsident. Bereuen Sie Ihren Entscheid schon?

Nein, überhaupt nicht, auch wenn der Aufwand gerade im Hinblick auf die Saisoneröffnung nicht unterschätzt werden darf. Aber ich bin stolz darauf, den Verein nach aussen repräsentieren zu dürfen. Und vor allem erfüllt es mich mit grosser Freude, dem Verein, der mir so viel gegeben hat, etwas zurückgeben zu dürfen.

Die erste Mannschaft des Städtli startet in ihre 4. Nationalliga-B-Saison. Letzte Saison landete man auf einem hinteren Tabellenrang. Was ist heuer das Saisonziel?

Einen konkreten Rang haben wir nicht definiert. Aber klar: Mit dem Abstieg dürfen wir sicher nichts zu tun haben.

Sprechen Sie als Präsident bei der Zusammenstellung der Mannschaft oder der Trainingspläne ein Wörtchen mit?

Nein! In die sportlichen Belange habe ich mich nicht einzumischen, das ist alleine Sache des Trainers und des Sportchefs. Als Präsident habe ich dafür zu sorgen, dass die langfristigen Ziele erreicht werden können.

Und die lauten?

Wir wollen in der Region Spitzenhandball ermöglichen und für eine gute Juniorenförderung bekannt sein.

Ein ziemlicher Spagat: Hier die erste Mannschaft mit ambitionierten Sportlern, die teilweise sogar einen bescheidenen Lohn erhalten. Da der Dorfverein, der auf Identität und Verwurzelung baut.

Für mich stellt das keinen Widerspruch dar: Mit eigenen Spielern hätten wir den Aufstieg vor vier Jahren nie geschafft. Wichtig ist, dass die Jungen sehen, dass sie nach dem Juniorenhandball die Möglichkeit haben, im gleichen Verein auf hohem Niveau zu spielen.

Ist Handball bei Kindern und Jugendlichen überhaupt in?

Um ehrlich zu sein: Wir haben zu wenige Junioren. Der Handball kämpft wie andere Sportarten auch mit dem Problem, dass es immer mehr Freizeitaktivitäten gibt. Doch ich stelle fest, dass sich wieder mehr Familien für Handball interessieren und wieder mehr Kinder Handball spielen.

Woran kann das liegen?

Wie der derzeit sehr populäre Schwingsport vertritt auch der Handball Werte, die wieder in Mode gekommen sind. So gibt es bei Handballspielen kaum Unsportlichkeit, und Handballer treten in der Regel bescheiden auf – nehmen wir als Beispiel etwa den Schweizer Vorzeigehandballer Andy Schmid, der in der Bundesliga zum dritten Mal in Folge zum «Spieler der Saison» gewählt wurde uns sich trotzdem ganz normal aufführt.

Anders als etwa im Fussball fehlen die grossen Stars, die wohl nicht für wenige Junge Ansporn sind, den gleichen Sport auszuüben. Wie wollen Sie die Jungen erreichen?

Indem wir zum Beispiel wieder das Programm «Handball macht Schule» lanciert haben. Handalltrainer besuchen Turnstunden und zeigen, wie faszinierend Handball ist. Zudem bieten wir in Baden auch Handball als Schulsport an, mit einem Spieler der ersten Mannschaft als Trainer.

Wäre es nicht auch sinnvoll, die drei Nationalliga-B-Klubs Städtli, Siggenthal und Endingen würden enger zusammenspannen?

Im Moment scheint es so, als ertrage es in dieser Region drei Klubs. Aber dass es in Zukunft zu engeren Kooperationen kommt, ist nicht ausgeschlossen. Die Rivalität auf engstem Raum nützt uns vielmehr, indem wir bei den Derbys überdurchschnittlich viele Zuschauer haben . . .

. . . was auch daran liegen könnte, dass man bei den Städtli-Heimspielen keinen Eintritt bezahlt . . .

. . . Richtig, das wissen viele nicht. Wo gibt es das denn sonst: gratis Nationalliga-B-Sport! Früher war es üblich, dass man sich am Samstagabend quasi zum Apéro in der Aue traf, um den Abend später in der Stadt ausklingen zu lassen. Diese Kultur wollen wir wieder einführen.

Sie haben selber drei Kinder. Haben diese auch Gefallen am Handball gefunden?

Absolut, sie kommen sehr gerne in die Aue. Wobei nicht ganz sicher ist, ob das wirklich am Handball oder doch eher an den leckeren Hotdogs liegt (lacht).

Erstes Heimspiel am Mittwochabend

Nachdem das 1. Saisonspiel gegen Steffisburg mit 26:27 auswärts verloren ging und es auch im Schweizer Cup eine denkbar knappe 31:33-Niederlage gegen die Lakers Stäfa absetzte, kommt es heute Mittwochabend zum ersten Heimspiel der Saison. Um 20.15 Uhr empfängt der STV Baden die SG/GS Kadetten Espoirs in der Aue.

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