Am 23. März bekommt die Badener Industriegeschichte neuen Schub. Unter dem Namen «Industriewelt Baden» hat sich eine Gruppe von Persönlichkeiten zusammengetan, um die Industriekultur in der Region aufzuarbeiten und zu pflegen. Nächste Woche wird der Verein in der Badener Trafohalle 37 aus der Taufe gehoben.

Im Verein sind neben ehemaligen ABB-Grössen wie Ex-CEO Edwin Somm die Player der lokalen Industrie dabei (unter anderem ABB, Ansaldo, Axpo, GE und Merker), aber auch Schulen wie die ABB-Technikerschule und die FHNW. Darüber hinaus engagieren sich die Stadt Baden, die Gemeinden Ennetbaden und Wettingen und rund hundert Personen aus Kultur und Wirtschaft.

Einerseits geht es dem Verein um den Erhalt historischer Maschinen und Turbinen der BBC, andererseits um die Vermittlung der Geschichte an Jugendliche. Entstanden ist die Idee 2013 aus dem Entscheid des Regierungsrates, die Industriegeschichte im Aargau aufzuarbeiten.

Kanton machte Rückzieher

Mittlerweile hat sich der Kanton aus Spargründen zurückgezogen – der neue Verein springt in die Bresche und setzt das Vorhaben nun zuerst auf lokaler Ebene um. Leiter des Projektteams und designierter Präsident des Vereins ist der Untersiggenthaler Peter Wollschlegel. Er hat einst eine Berufslehre als Mechaniker bei BBC gemacht und später verschiedene Direktorenposten bei BBC, ABB und Alstom innegehabt.

Mit dem bereits bestehenden Verein Melonenschnitz gebe es eine enge Zusammenarbeit, sagt Wollschlegel. Der Verein Melonenschnitz ist der Förderverein des Historischen Museums und kümmert sich um den Industriekulturpfad Limmat-Wasserschloss. Auf die Frage, ob sich die Vereine inhaltlich nicht konkurrenzieren, sagt Wollschlegel: «Überhaupt nicht. Wir koordinieren uns eng mit dem Verein Melonenschnitz und ergänzen uns sehr gut.»

«Die Tradition lebt weiter»

Alt Stadtammann Josef Bürge, der mit den Anstoss für die Vereinsgründung gab, sagt: «Es geht uns nicht um eine Verklärung der Vergangenheit oder einen nostalgischen Blick zurück.» Und es gehe auch nicht darum, dass sich ein paar Wirtschaftskapitäne ein Denkmal setzen wollen, wie kritisiert wurde. «Im Gegenteil: Wir wollen jungen Leuten zeigen, wie unsere Stadt zu dem wurde, was sie heute ist. Die jüngere Generation soll daran erinnert werden, woher die regionale Wertschöpfung kommt. Und wir wollen auch aufzeigen, dass die Tradition weiterlebt», sagt Bürge. Es gebe heute beispielsweise in Dättwil Start-ups, die weltweit anerkannt sind.

Der Verein möchte laut seinen Satzungen die Industriekultur an «authentischen Orten» für «ein breites Publikum, insbesondere Jugendliche, mit allen Sinnen erlebbar» machen. Dazu soll unter anderem der erste Turbogenerator der Welt, der zurzeit bei GE in Birr steht, in der Lobby des Trafo Hotels aufgestellt werden. Dieser wurde von Charles E. L. Brown 1898 in Lizenz bei BBC entwickelt. Eine längerfristige Idee ist auch, die erste Gasturbine der BBC, die ebenfalls in Birr steht, wieder nach Baden zu holen.

Auf kantonaler Ebene ist gleichzeitig das «Netzwerk Industriewelt Aargau» entstanden. In dieser Arbeitsgemeinschaft wollen das Historische Museum Baden, das Museum Aargau, das Museum Burghalde in Lenzburg und das Stadtmuseum Aarau gemeinsam das Jahr 2020 zum Themenjahr der Industriekultur machen. In Baden sind dann Ausstellungen und Veranstaltungen in der Alten Schmiede geplant.