Wettingen
Neues Auto-Center: «Wir verwirklichen Vaters Traum»

Die Küng Automobile AG ist seit Jahren in Gebenstorf zu Hause, Ende März eröffnet sie an der Landstrasse in Wettingen ein neues Auto-Center. Im Interview spricht Geschäftsleiterin Nicole Küng über die Gründe und über das Marktumfeld.

Dieter Minder
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Nicole Küng leitet seit zwei Jahren die Küng-Gruppe.

Nicole Küng leitet seit zwei Jahren die Küng-Gruppe.

Sandra Ardizzone

Vor 65 Jahren, am 10. März, gründete der Vater von Max Küng in Gebenstorf die Garage Küng AG. Vor 20 Jahren kam das Autohaus Küng im Geelig, ebenso in Gebenstorf, dazu. Am letzten Wochenende im März, also im Jubiläumsmonat, eröffnet die Familie Küng nun den Garagenbetrieb an der Landstrasse in Wettingen. Geschäftsleiterin Nicole Küng im Gespräch mit dem Badener Tagblatt zum neuen Marktgebiet.

Frau Küng, wie gross ist Ihr Vertrauen in die Automobilbranche?

Nicole Küng: Unser Vertrauen ist unbestritten, sonst würden wir ja nicht expandieren. Deshalb ergreifen wir die Chance, zu vergrössern und ausserhalb von Gebenstorf einen Betrieb zu eröffnen. Dabei ist es ein grosser Vorteil, dass unsere Familie seit 65 Jahren in der Branche verankert ist.

Persönlich: Nicole Küng

Nicole Küng leitet seit zwei Jahren die Küng-Gruppe. Sie ist 36 Jahre alt, verheiratet mit Stefan Küng (er ist ebenfalls im Familienbetrieb tätig) und Mutter des anderthalb Jahre alten Thiago. Ihr Vater und Unternehmensgründer Max Küng ist Verwaltungsratspräsident und Ihr Bruder Roger Küng ist Mitglied der Geschäftsleitung sowie Technischer
Leiter. (DM)

Sie ziehen mit dem neuen Betrieb in einen anderen Wirtschaftsraum, was bedeutet dies?

Es war schon lange der Traum meines Vaters, nach Wettingen zu expandieren. Dort finden wir eine andere Kundschaft als westlich von Baden. Baden ist eine Grenze im Limmattal, östlich davon beginnt das Einzugsgebiet von Zürich. Das Marktpotenzial in Richtung Brugg ist geringer.

In der Nachbarschaft Ihrer neuen Garage befinden sich vier weitere Betriebe der Autobranche, was bringt das?

Mehrere beieinanderliegende Betriebe beleben den Markt, so entsteht eine Automeile. Das ist für die Kunden interessant, denn sie können an einer Strasse verschiedene Automarken vergleichen. Wir sind aber nicht bewusst an diesen Ort gegangen, das hat sich so ergeben, weil wir die Garage Ehrbar im März 2009 übernommen haben.

Immer wieder hört man, es gebe zu viele Autogaragen, eine Strukturbereinigung sei nötig. Und trotzdem werden immer neue gebaut, wie stehen Sie zu diesem Widerspruch?

Ich glaube, dies wird vor allem von den Importeuren gefördert. Höhere Standards, grössere Investitionen sind die heutigen Vorgaben, welchen nicht mehr alle Betriebe gerecht werden können oder wollen. Das Ziel ist klar – weniger Garagen wie im Ausland. Aber im Ausland nimmt der Kunde, im Gegensatz zur Schweiz, grössere Wege in Kauf. Leider entstehen in der Schweiz immer mehr Hinterhofgaragen oder Occasionsplätze an den Strassenrändern. Es sind vor allem die seit langem bestehenden Betriebe, die den Markt charakterisieren. Zum Glück werden sie über Generationen weiter geführt. Wir leben die Kultur des Familienbetriebes und unter den Familienbetrieben haben wir gute Kontakte.

Die Autoproduktion konzentriert sich zunehmend auf einige Grosskonzerne, die mehrere Marken anbieten. Wie wirkt sich das auf die Garagenbetriebe aus, wie Sie einen führen?

Wir spüren diese Verknüpfung stark. Viele Importeure betreiben auch selber Autohäuser, wir stehen also im Wettbewerb zu diesen. Unsere Vorteile sind direkte Kontakte zum Kunden. Bei uns kennen die Kunden die Familie Küng und wir unsere Kunden persönlich. Zudem sind bei uns die Entscheidungswege viel kürzer.

In den letzten Jahren haben die Grossraumlimousinen und SUV stark zugekommen. In welcher Richtung wird sich das Auto entwickeln?

Der Trend zum energieeffizienteren Fahrzeug ist ein grosses Thema. Wir spüren aber, dass der Fahrspass und die Optik in der Schweiz ebenfalls eine grosse Rolle spielen. Deutlich wird dies bei den Flotten, Firmen stellen ihren Mitarbeitern ökonomischere Autos zur Verfügung als früher. Zudem spielen die Bedürfnisse der Kunden eine grosse Rolle, so lassen sich in einem Kleinwagen fast keine Kindersitze montieren, also entscheidet sich eine Familie für ein grösseres Auto. Sicherheit und ergänzende Dienstleistungen spielen beim Kaufentscheid ebenfalls eine Rolle. Wichtig ist, dass wir als Profi die Bedürfnisse des Kunden genau eruieren.

Sie waren am Autosalon, welches sind dort die Trends?

Es ist schwierig zu sagen, wohin der Trend geht. Sicher sind Elektromobile ein Thema. Wir setzen in allen drei Betrieben auf diese Technik. So richtig haben sich diese Fahrzeuge aber noch nicht etabliert, unter anderem weil ein gutes Netz der Ladestationen fehlt. Wir bieten in den Betrieben von Gebenstorf und Wettingen öffentliche Schnellladestationen an. Weiter muss der Kunde bereit sein den Preis für ein Elektroauto zu bezahlen. Es braucht noch ein grosses Engagement, bis sich diese Fahrzeuge im Markt durchsetzen.