Region Baden

Neues Gesetz: Warum Eltern mehr für Kitaplätze zahlen müssen

Erst 2015 hat der Krippenpool letztmals die Elternbeiträge erhöht.  (Symbolbild)

Erst 2015 hat der Krippenpool letztmals die Elternbeiträge erhöht. (Symbolbild)

Der Krippenpool der Region Baden macht sich fit für das neue Kinderbetreuungsgesetz. Dabei werden Eltern, die Subventionen erhalten, künftig mehr für die Kitaplätze zahlen müssen.

Der Krippenpool Region Baden, der für die Gemeinden Baden, Wettingen, Ennetbaden und Obersiggenthal die Subventionierung der familienergänzenden Kinderbetreuung abwickelt, steht derzeit vor einigen Herausforderungen.

Zum einen muss er seine Strukturen dem neuen Kinderbetreuungsgesetz (Kibeg) anpassen, das ab kommendem Schuljahr gilt. Zum anderen muss er das Elternbeitragsreglement anpassen.

Eltern, die Subventionen erhalten, werden sich ab kommendem Jahr zu einem höheren Teil an den Kosten für einen Kitaplatz beteiligen müssen. Der Grund: Der Kanton hat bisher defizitäre Kitas mit bis zu 20 Prozent der Betriebskosten unterstützt, sofern zwischen Kita und Gemeinde eine Leistungsvereinbarung bestand.

Dieser Zustupf fällt mit dem neuen Kibeg weg. Diese kosten fallen nun auf die Eltern und Gemeinden zurück. Denn die Kitas müssen ihre Betriebskosten nun voll verrechnen. Kommt hinzu, dass das Impulsprogramm des Bundes zur Anschubfinanzierung von Kitas auf Januar 2019 wegfällt.

Wie viel Subventionen die Eltern künftig erhalten beziehungsweise wie viel sie neu zahlen müssen, kann der Krippenpool vorerst nicht kommunizieren, wie es auf Anfrage heisst, da das neue Beitragsreglement derzeit bei den Gemeinderäten der vier Mitgliedgemeinden in der Beratung sei. «Sobald das neue Beitragsreglement von allen Gemeinden verabschiedet wurde, werden wir über die neuen Tarife informieren», erklärt Barbara Käser, Geschäftsleiterin des Krippenpools.

Erst 2015 hat der Krippenpool letztmals die Elternbeiträge erhöht. Die damalige Badener Stadträtin und Sozialvorsteherin Daniela Berger begründete den Entscheid mit der angespannten finanziellen Lage der Gemeinden und dem Anstieg der Nachfrage für Betreuungsplätze, wodurch die Gemeinden mehr Subventionsbeiträge zahlen mussten.

Nachfrage könnte steigen

Ob diese Nachfrage mit dem neuen Kinderbetreuungsgesetz erneut steigen wird und diese Zusatzkosten wie im Jahr 2015 ebenfalls zum Teil auf die Eltern abgewälzt werden, lässt sich bislang nicht sagen. Fakt ist: Mit dem neuen Gesetz sind die Gemeinden ab dem kommenden Schuljahr verpflichtet, Eltern abhängig von ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit bei der familienergänzenden Kinderbetreuung finanziell zu unterstützen.

Dabei können die Eltern den Standort einer Kita oder Tagesfamilie frei wählen. Künftig können Eltern ihre Kinder beispielsweise auch in einer Kita in Zürich betreuen lassen und dafür bei ihrer Aargauer Wohngemeinde Subventionen geltend machen. Der Krippenpool wird also künftig nicht nur für Krippenplätze in den angeschlossenen Kitas, sondern für jeden Krippenplatz Subventionen zahlen, vorausgesetzt, die Kita erfüllt die Qualitätsanforderungen und die Eltern sind aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation subventionsberechtigt.

Der Wettinger Gemeinderat Sandro Sozzi (CVP), seit diesem Jahr Mitglied des Steuerungsausschusses des Krippenpools, rechnet nicht mit einer massiven Zunahme der Nachfrage. «Sicher wird es einige Gesuche mehr geben, aber die meisten Eltern lassen ihre Kinder heute schon in einer Poolkrippe betreuen.»

Komme hinzu, dass jene Eltern, die eine Kita ausserhalb des Krippenpools nutzen, meist nicht auf Subventionen der Gemeinde angewiesen seien beziehungsweise ein Einkommen haben, mit dem sie gar keinen Anspruch auf Subventionen haben.

Freipass für Unternehmen

Das neue Gesetz birgt eine weitere Gefahr: Firmen, die sich bisher an der Finanzierung von Kitaplätzen für die Kinder ihrer Mitarbeitenden beteiligten, könnten sich aus der Verantwortung ziehen, da diese neu von ihren Wohngemeinden unterstützt werden.

Auf diesen möglichen Rückzug einzelner Firmen angesprochen, sagt Käser: «Wir gehen davon aus, dass sich die Privatwirtschaft weiterhin an der Kinderbetreuung beteiligt.» Zumal die Familienfreundlichkeit zum guten Image einer Firma beitrage. «Und gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel muss die familienergänzende Kinderbetreuung den Firmen ein wichtiges Anliegen sein, da man so besser gut qualifizierte Mitarbeitende gewinnen und die Eltern einfacher in den Arbeitsmarkt integrieren kann.»

Ähnlich tönt es seitens ABB als einem der grössten Arbeitgeber in der Region: «Die ABB Schweiz legt einen hohen Stellenwert auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und möchte den Mitarbeitenden Krippenplätze vereinfacht zugänglich machen.»

Dieses Angebot werde auch stark genutzt: Zurzeit sind in den ABB Kinderkrippen 350 Kinder von ABB-Mitarbeitenden; insgesamt werden rund 1000 Kinder dort betreut. «Aufgrund der guten Erfahrungen werden wir weiterhin an den Subventionen festhalten.»

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