Die Freiheit hat ihren Preis. Es gibt sie nicht ohne Gefahr. Aber immer noch besser, als in einer dumpfen und monotonen Sicherheit vor sich hin zu vegetieren. Das zeigt das neue Stück des Kinder-und Jugendtheater Turgi: «Wem ghöret d’Würm?».

Am Premierenwochenende gingen für das Ensemble arbeitsreiche Wochen zu Ende. «Wir haben seit den Sommerferien jedes Wochenende intensivst geprobt», berichtet Theaterleiterin Rebekka Renggli. Von dem Stück, das ursprünglich aus der Feder von Paul Steinmann stammt, blieb nur die Grundidee stehen. «Wir haben die Zahl der Akteure von 15 auf 37 erhöht und den Hühnern auch Charakter gegeben», erzählt die Regisseurin. So kann sich jetzt irgendwie jeder mit einem der Federtiere identifizieren – mit dem, das immer schlafen oder dem, das stets tanzen will.

König Othmar und seine Hühner – er hat es aber auch verdammt schwer, den flattrigen Haufen zusammenzuhalten. Dabei sagt er von sich: «Ich will doch nur das Beste für euch.» Aber immer wieder kommt es vor, dass die Hühner aufgebehren: Die einen wollen nicht schlafen, andere lieber tanzen. Und ein paar Hühner begehren den Wurm, der dem König vorbehalten ist.

«Mir Bibeli proteschtiered!»

«Mir Bibeli proteschtiered!»

Eine Kostprobe aus dem Stück.

Eigentlich haben sie es ja gut: Sie haben genug Futter und eine Ordnung, die sie vor den Gefahren von aussen schützt. Von den vermeintlichen Gefahren, wie sich herausstellt. Denn vom schwarzen Loch, vor dem der König so penetrant warnt, kommen gar nicht Angst und Schrecken. Dahinter tut sich eine Welt voll mit Abenteuer, Ideen und Inspirationen auf.

Durch das Loch kommen eines Tages auch die blauen Hühner und werfen die alte Ordnung über den Haufen. Ihre Botschaft: «Nicht erschrecken, wir sind ganz harmlos.» Die Antwort auf die Frage im Titel «Wem ghöret d’Würm?», ist am Ende ganz klar: allein dem Volk.

Keine Ruhepause für die Akteure

Die neuerliche Produktion aus der Feder von Theaterleiterin Rebekka Renggli kommt von Beginn an sehr schwungvoll rüber. Beim «Musiktheater für die ganze Familie» packen die fedrigen Akteure das Publikum mit Musik zum Mitklatschen, ausdrucksstarken Songs und quirligen Tanzeinlagen. Beeindruckend auch, wie die Darsteller die ruckartige Fortbewegung der Tiere nachzuahmen verstehen. In Kombination mit Maske und Kostüm ein ganz zauberhaftes Gesamtpaket.

Bemerkenswert ist auch, dass sämtliche Akteure permanent auf der Bühne stehen. Ruhepausen hinter den Kulissen gibt es keine. Textsicherheit und der richtige Ton – im Stück «Wem ghöret d’Würm?» muss beides stimmen.

Nach rund 90 Minuten konnte jeder etwas mit nach Hause nehmen – die jüngeren Zuschauer so mancher Erinnerung an ein paar schräge Vögel, die älteren die politische Botschaft des Stücks: Was aus der Fremde kommt, muss nicht immer schlecht sein. Von dort kann auch Befreiung kommen oder zumindest der Anstoss dazu. Das Theater läuft noch am Wochenende vom 24. und 25. November und am 1. und 2. Dezember um 16 Uhr in der Mehrzweckhalle Gut in Turgi. Der Eintritt für Erwachsene kostet 16 Franken und für Kinder zehn Franken.