Seit Jahren herrscht in der Stadt Baden vom Morgen des Schmutzigen Donnerstag bis zum Aschermittwoch reges Treiben. Kein Wunder, gilt doch Baden längst als Fasnachtshochburg. Die Gesamt-Organisation der Fasnacht teilen sich die Spanischbrödlizunft und die Vereinigten Fasnachts-Gruppen Baden (VFGB). Die Zunft respektive deren Brödlirat als ausführendes Organ ist für den Prozess und die Verbrennung des Füdlibürgers, den Schnitzelbank-Parcours, den Fasnachtsmarkt, den Kinderball und den grossen Umzug am Sonntag verantwortlich. Die Zunft gilt schlechthin als die Traditionsbewahrerin der Badener Fasnacht. Sie ist zudem für den Plakettenverkauf zuständig, dessen Erlös vollumfänglich der Fasnacht zu Gute kommt.

Badener Fasnachtsplakette

Badener Fasnachtsplakette

Die Badener Fasnacht aufgemischt

Seit über 30 Jahren fördern die VFGB massgebend die Strassenfasnacht. Mit dem Aufkommen der Guggenmusiken haben sie die Badener Fasnacht frisch belebt. Den neuen Wind nahm der Brödlirat erst leicht argwöhnisch zur Kenntnis. So entstand zu Beginn des Wirkens der VFGB eine Konkurrenzsituation. Doch mit der Bademer Guggen-Nacht am Fasnachtssamstag hatten die VFGB eine neue Institution ins Leben gerufen, die ganz dem Trend nach Guggenmusiken entsprach. Ebenso initiierten sie die Verslischmitten.

Während der Güggelschrei am Donnerstagmorgen früh – von den VFGB eingeführt – nach einigen Jahren wegen Heiserkeit und mangels Interesse gestrichen wurde, hielt sich die Gugge-Nacht als einer der Höhepunkte der Badener Fasnacht. Inzwischen arbeiten Brödlirat und der VFGB-Vorstand im OK Badener Fasnacht Hand in Hand – für Hanspeter Seiler, Präsident der VFGB, und Brödlimeister Beni Schmid heute eine Selbstverständlichkeit.

Nachfolgeplanung ausschlaggebend

«Es ist sehr wichtig, dass rechtzeitig jeweils alle wichtigen Chargen besetzt sind. Dieser Prozess funktioniert bei uns sehr gut», erklärt Schmid. Im Brödlirat gibt es für die wichtigen Jobs wie Umzugschef oder Chef Füdlibürgerprozess wie auch für die Posten bei den andern Zunft-Anlässen sowohl einen Stellvertreter als auch einen potenziellen Nachfolger. «So haben wir immer eingespielte Teams, die in klar definierten Prozessen und straff organisierten Abläufen funktionieren.»

«Die Nachswuchsplanung erfolgt auch bei uns langfristig», sagt Hanspeter Sailer von den VFGB. So ist sein Nachfolger, der ihn an der nächsten Fasnacht ablösen wird, bereits heute bestimmt. «Ein Vorstand steht und fällt natürlich mit dem Einsatz all seiner Mitglieder», sagt Sailer.

Und wenn der Nachwuchs fehlt?

Auch in Oberrohrdorf arbeiten die Polterzunft, die Bänkli-Clique und seit einiger Zeit auch die Rohrdorfer Chessler als Frauen-Clique eng miteinander. «Als Verein muss man heute den Nachwuchs fördern und frühzeitig einplanen», bezeichnet der langjährige Zünfter Daniel Müller das Rezept gegen Traditionsverlust. So seien die Aufgaben vom Gruusige Mettwoch über den Hinterbächli-Ball bis zum Kinderumzug und zur Outdoor-Chesslete verteilt.

«Dieses und nächstes Jahr ist unsere Fasnacht noch gesichert», erklärt Patrick Weber, Präsident der Heidugger-Clique in Untersiggenthal. Trotz drei einheimischen Guggenmusiken und der Fasnachtsclique der Fluehgeischter, die für den Kinderumzug zuständig ist, sieht die Zukunft eher düster aus. «Wir sind derzeit noch sechs Mitglieder, welche die Hauptarbeit für den Heidugger-Ball und den Kinderball leisten», sagt Weber. Er sieht aber den Traditionsball in Gefahr, wenn die Haupthelferinnen und -helfer dereinst von Bord gehen. Für Weber ist klar: «Es gibt heute zahlreiche Vereine, die mit diesen Problemen zu kämpfen haben.»

Andernorts existiert die Fasnacht gar nicht mehr: Seit es die Clique der Nuggilutscher nicht mehr gibt, hat es in der Gemeinde Turgi keinen Maskenball mehr. Nicht viel besser sieht es in Gebenstorf aus, wo es mit den Häxeschränzern immerhin noch eine Guggenmusik gibt.

Guggen weiter im Trend

Während die Guggenmusiken weiter im Trend sind, geht es mit den Fasnachtsbällen und der Originalität an diesen bergab. Weil die Guggenmusiken selber an der Fasnacht unterwegs sind und auswärts aufspielen, haben sie keine Kapazitäten mehr, um selber einen Ball zu veranstalten. Währenddessen beschäftigen sich die Ballveranstalter vermehrt mit dem Alkoholkonsum einzelner Gäste als mit der Jurierung von tollen Sujets. Die originellen Sujets und die aufwendig hergestellten Masken und Kostüme verschwinden immer mehr von der Bildfläche.

Ist denn die Fasnacht mit ihren kreativen Sujets ein Auslaufmodell? Brödlimeister Beni Schmid verfolgt die Entwicklung seit Jahren. Auch in der Stadt Baden selber hat einzig noch der ehemalige FC Maskenball, heute noch MABA genannt, überlebt, weil er von der einheimischen Guggenmusik Bloser-Clique übernommen wurde.

Beni Schmid hat festgestellt, dass es auch am Umzug weniger kreative Sujets hat als noch vor einigen Jahren. Auch sehe man kaum mehr intrigierende Gestalten, welche die Strassenfasnacht beleben. «Ob diese kreative Fasnacht weiter schwinden wird, das hängt sehr davon ab, wie diese Tradition in den Familien noch gepflegt und weitergegeben wird.»

Traditionsfasnacht im Rückgang

Manchenorts, wo die Fasnacht lange Zeit blühte, ist das närrische Treiben nahezu vollständig verschwunden. Müttergruppen und Vereine sind da und dort in die Bresche gesprungen, und organisieren wenigstens noch einen Kinderumzug. Fällt aber die Fasnacht in die Zeit der Sportferien, so sind auch bei den kleinen Narren die Reihen stark gelichtet.

In Fislisbach sind die bekannten Bälle der Musikgesellschaft und des Turnvereins längst verschwunden. In Nussbaumen gibt es noch die Uuslumpete; die traditionellen Chlöpferboys halten gerade noch die Fasnacht im Markthof am Leben. In Würenlos ist die Fasnacht am Ende. Und in Wettingen gibt es nebst dem Guggenmonsterkonzert auf dem Zentrumsplatz gerade noch den Kinderumzug. Der legendäre Fassbode-Ball im Tägerhard ist längst Geschichte.

In Neuenhof hat einzig der Ball der Chlausgesellschaft überlebt. Die Regierungsübergabe in Spreitenbach am Schmutzigen Donnerstag hat sich zwar gehalten, doch von den Bällen hat nur der Güderi-Ball überlebt. Kaum anders sieht es mit der Fasnacht in den übrigen Regionsgemeinden aus. Die närrische Tendenz ist weiterhin rückläufig.