Todesfall
«Nichts ist mehr so, wie es einmal war»

Die verwitwete Ruth Eggspühler (45) erzählt, wie sie mit dem Tod ihres Mannes umgeht. Dabei spielen die Kinder eine wichtige Rolle.

deborah balmer
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Es ist noch nicht lange her: Vor einem Jahr ist die Welt für die 45-jährige Ruth Eggspühler zusammengebrochen: «Als mein Mann starb, fühlte ich eine grosse Leere», sagt die Mutter von zwei Teenagern.

Der damals 44-jährige Notar war neun Monate zuvor an einem bösartigen Hirntumor erkrankt. «Wir waren zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre verheiratet, hatten unsere zwei Kinder», sagt Ruth Eggspühler mit ruhiger Stimme. «Wir waren glücklich.»

Kinder geben Kraft

Zum Glück zählte auch das eigene Haus und dass beide Eltern neben dem Familienleben arbeiteten. Noch heute lebt sie mit den Kindern im gleichen Einfamilienhaus in Baden.

Die Wohnung ist hell und freundlich eingerichtet – an den Wänden hängen Fotos aus früheren Zeiten: Die Familie mit Freunden in Ägypten in den Ferien. Die Kinder am Strand. Das Paar Ruth und Christoph ausgelassen lachend auf dem Sofa. «Mein Mann war meine grosse Liebe», sagt Ruth Eggspühler. Heute geben ihr die beiden Kinder Kraft. Es sei irgendwie tröstlich, dass ihr Mann durch die Kinder weiterlebe.

«Ein Trauerjahr ist zu theoretisch»

Doch nichts sei mehr so, wie es einmal war. Nach dem Tod waren da plötzlich nur noch drei Gedecke auf dem Tisch. Man habe zu dritt wieder eine Familie werden müssen.

Ruth Eggspühler erzählt offen, was ihr am meisten fehlt: Der Austausch mit dem Partner, die gemeinsamen Erlebnisse und die Berührungen. Und natürlich fehle den Kindern der Vater. Dass manche beim Tod des Partners von einem Trauerjahr sprechen, nachdem der grösste Schmerz vorbei sei, findet sie zu theoretisch. Die Verarbeitung sei bei jedem anders. Ihr haben die Zusammenkünfte mit dem Verein Aurora geholfen.

Einmal im Monat trifft sie in Luzern andere Verwitwete: Man tauscht sich aus, spricht über Dinge wie die Abstimmung vom Wochenende und andere alltäglich Themen.

Und dann redet man eben doch immer wieder über das Schicksal, das man teilt und das laut Eggspühler nur «wirklich nachvollziehen kann, wer es erlebt hat». Ruth Eggspühler hat wieder in den Alltag zurückgefunden: Sie arbeitet als Sekretärin und versucht jeden Tag zu nehmen, wie er kommt.

Der Tod ist ein Tabuthema in der Gesellschaft. Man spricht nicht gerne darüber, obwohl er zum Leben gehört: Auch Eggspühler hat erfahren, dass sich viele nicht damit konfrontieren wollen. Trotzdem war die Witwe auch positiv überrascht, wie ihr Familie, Freunde und auch lose Bekannte in der schwierigen Situation beistanden und immer noch beistehen.