Faszinierende Bilder

Nichts ist, wie es scheint - so tricksen die Künstler

Tondo von Urs Aeschbach. Fotografie aus Tausenderlei Sächelechen

Tondo von Urs Aeschbach. Fotografie aus Tausenderlei Sächelechen

Urs Aeschbach und Francisco Sierra verwandeln banale Dinge in faszinierende Bilder. Zu entdecken im Trudelhaus Baden.

Wie eine märchenhafte Unterwasserwelt wirkt das eine kreisrunde Foto von Urs Aeschbach, wie ein wuchernder Urwald das andere. Doch wer genauer hinschaut, muss schmunzeln. Nicht Muscheln bedecken weiss den Boden, sondern Knöpfe, die bunten Pflanzen sind Plastikbesteck und der exotische Fisch ist eine biedere Glasschale.

Der 1956 in Aarau geborene Künstler macht über die Herkunft seiner bezaubernden Fotografien kein Geheimnis, im Trudelhaus Baden hat er die Dingwelt, sein Modell, gar aufgebaut: Auf Böcken und provisorischen Gestellen liegt weisser Styropor, darauf sind tausenderlei Sächelchen verteilt. Aber nicht zufällig. Von hinten betrachtet ist Wirrwarr, wer durch die beiden runden Öffnungen von der anderen Seite schaut, sieht genau das, was die Fotografie dann zeigt.

Zwei Wochen lang habe Urs Aeschbach arrangiert, sagt Kurator Christian Greutmann. Und er verrät auch, dass Aeschbach die erste solche Arbeit für ein Altersheim geschaffen hat. «Die Leute mussten ihren Haushalt auflösen, die Dinge wanderten ins Brockenhaus, dort holt sie der Künstler wieder heraus und gibt ihnen ein neues Leben.»

Kinderplastilin als Basis

Auch der Maler Francisco Sierra baut als Basis für seine Gemälde erst Modelle. Allerdings klitzekleine: Er modelliert aus Ton oder Kinderplastilin Delfine, bunte Halbmöndchen oder ein surreales Gebilde aus Pfeifen. Als Bildhauer würde er mit den eher ungelenken, naiv anmutenden Skulptürchen durchfallen. Aber als das versteht sich der 1977 in Santiago de Chile geborene Künstler auch nicht. Er hat nach seiner Emigration in die Schweiz 1986 Musik studiert und sich selber das Malen beigebracht. Mit Erfolg und Ambitionen.

Seine modellierten Dinge – manchmal auch Brockenhaus-Fundstücke – malt er ab. Stark vergrössert lässt er sie gekonnt auf malerisch geheimnisvollen Untergründen schweben. Und beweist uns so, dass Kinkerlitzchen auf Umwegen zur erhabenen Kunst werden können.

Urs Aeschbach und Francisco Sierra Modelliert. Galerie im Trudelhaus Baden, 13. Mai bis 3. Juli. 

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