11.50 Es werden die letzten Fragen an die Gutachter gestellt. Gerichtspräsident Six schliesst die Befragung der Gutachter ab. Nun ist die Verhandlung bis 14 Uhr unterbrochen. Es geht mit den Parteivorträgen weiter.

11.38 Gutachter Dittmann glaubt den Ausführungen von Daniel H. nicht, er habe Lucie einfach reinigen wollen. Aufgrund seiner Erfahrungen sagt er, dass sexuelle Handlungen sehr wahrscheinlich waren.

11.30 Nun geht es um die Frage, wie weit in die Zukunft Prognosen zur Therapierbarkeit gemacht werden. Gutachter Knecht sagt, dass es auch darauf ankomme, wie alt der Beschuldigte sei. Bei Menschen in der Adoleszenz sei es sehr schwierig, lange Prognosen zu machen. Ab 25 Jahren sei ein Prognose nicht mehr überschaubar. Auch Dittman bestätigt diese Aussage mehrheitlich, je jünger ein Mensch sei, desto weniger kann man den Zeitraum eingrenzen. Bezüglich Daniel H. kann Gutachter Knecht eine Prognose bis zu 10 Jahren machen, über den weiteren Verlauf kann er keine Aussagen über dessen Therapierbarkeit machen. Er glaubt aber, dass er in 15 Jahren nicht so grosse Fortschritte machen kann, dass er in die Freiheit entlassen werden könnte. Für den Zeitraum von 20 Jahren kann er keine Aussage machen. Er schliesst jedoch weitgehend einen Erfolg der Behandlung innerhalb von 15 Jahren aus. Dittman schliesst sich an, will aber davon warnen: "Alles was wir hier abgeben, sind Schätzungen. Ich möchte nahezu ausschliessen, dass der Beschuldigte in 15 Jahren so therapiert werden kann, dass er in Freiheit entlassen werden könnte. Alles was über 20 Jahre hinausgeht, ist im Bereich der reinen Spekulation."

11.08 Gutachter Knecht: Es gebe eine gewisse sadistische Komponente, Daniel H. sei aber eindeutig heterosexuell. Das sadistische Element sei aber nicht so dominant, dass es den ganzen Sexualtrieb beherrscht. Dittmann: Ein ausschliesslich sexueller Sadismus sei hier nicht vorliegend, jedoch seien gewisse Tendenzen erkennbar.

11.03 Gutachter Thomas Knecht bestätigt die Frage vom Gerichtspräsidenten, dass Daniel H. von seiner Intelligenz her fähig ist, sich auf eine Therapie einzulassen. Gutachter Dittmann sagt aber, dass die Gefahr gross ist, dass er durch seine vielen Therapieerfahrungen eine Therapie auch durchschauen kann und in der Lage ist, erwünschte Antworten zu geben.

10.59 Staatsanwalt Aufdenblatten will wissen, ob Daniel H. Parallelen zum Delikt 2003 sah. Daniel H. bestätigt, dass es Parallelen gibt. Doch er habe sonst in seinem Privatleben nie sadistische Vorstellungen gehabt. Er hätte ganz normale Beziehungen geführt.

10.49 Auf die Frage, ob er im Gefängnis nochmals ein solches Gefühl wie bei der besagten Tat hatte, sagt er: "Ich fühle mich so schlecht. Das war eine einmalige Sache und für mich eine Lehre für mein ganzes Leben. Ich fühle mich nicht generell gewalttätig. Ich glaube nicht, dass ich nochmals in eine solche Lage komme. Es braucht gewisse Voraussetzungen, damit ich mich nicht unter Kontrolle habe."

10.39 Daniel H. wird gefragt, ob er im Gefängnis Kontakte zu anderen habe. Er sagt, am Anfang sei es schwierig gewesen, er sei Einzelgänger gewesen, gehasst worden. Mittlerweile pflege er einige Kontakte und werde akzeptiert, wie er ist. Mit Frauen habe er Mühe. Er habe allgemein mit Beziehungen Mühe. "Ich mache sie meist kaputt, bevor sie richtig Fuss gefasst haben", sagt Daniel H, als er auf seine "dunkle Seite" angesprochen wird. Er müsse seine dunkle Seite so bearbeiten, dass nie mehr eine solche Tat passiere. Er sehe die dunkle Seite in sich, es sei aber nicht einfach, darauf Zugriff zu haben.

10.21 Daniel H. anerkennt die Genugtuungen von 40000 Franken und 25000 Franken ohne Rücksprache mit seinem Anwalt.

10.19 Der Vater kommt wieder in den Gerichtssaal.

10.16 Es geht um weite Details. Daniel H. sagte, er hätte das Gefühl gehabt, er müsse Lucie vom Blut befreien. Lucies Vater verlässt danach den Gerichtssaal. Er kann die Details nicht mehr hören. Lucies Mutter weint leise.

10.10 Es geht um den Vorwurf des Totenfriedens: Daniel H. kann nicht sagen, warum er nach der Tat Lucie ausgezogen und gewaschen hatte. "Meine Gefühle waren nach der Tat nicht dieselben wie vor der Tat. Vorher war ich aggressiv, danach musste ich weinen. Nach der Tat hatte ich das Gefühl, dass ich es ungeschehen machen müsste. Deshalb habe ich angefangen, zu putzen und Lucie zu waschen. Wieso musste ich Lucie den Strumpf über den Kopf ziehen? Ich weiss nur, dass ich ihren Kopf nicht sehen wollte. Der Strumpf war für mich ein vertrauter Gegenstand."

10.05 Daniel H: "Ich wäre zu allem bereit, bezüglich einer möglichen Therapie. Es ist aber schwierig, das glaubhaft rüber zu bringen, da ja die vorherige Therapie gescheitert ist.

10.03 Der Gerichtspräsident fragt Daniel H., ob ihm eine weitere Therapie etwas nützen könnte. Daniel H. "Die erste Therapie im Arxhof kann man als gescheitert betrachten. Das lag aber an mir und nicht an der Therapie, ich konnte vieles nicht umsetzen. Das jetzige Delikt ist so heftig und so brutal, dies erübrigt für mich die Frage, ob ich mich ändern will. Ich will mich verändern und versuche alles daran zu setzen, um diese Chance irgendwann zu bekommen."

10.01 Auf die Frage, ob er Besuch bekomme sagt Daniel H.: "Ja, eigentlich regelmässig. Vor allem von meinem Vater und von meiner Familie. Diese steht nach wie vor hinter mir." Die Therapie sei aber in keiner Weise vergleichbar wie jene in der Arbeitserziehungsanstalt Arxhof, in der er vor dem Mord an Lucie war.

9.58 Daniel H. wird nun befragt, eine Übersetzerin übersetzt ins Französische. Daniel H. ist bereit für eine Aussage. Gerichtspräsident Jann Six fragt ihn nach seinem Alltag in der Justizvollzugsanstalt in Lenzburg. Daniel H. sagt, er mache viel Sport und Sprachausbildungen, zudem gehe er regelmässig (Minimum alle zwei Wochen) zur Therapie zu einem Psychologen.

9.56 Verteidiger Fricker argumentiert mit den Aussagen der beiden Gutachter: "Die beiden Tatverständigen gehen davon aus, dass in einem Zeitraum bis zu zehn Jahren die Therapierbarkeit in Frage gestellt wird, im Zeitraum danach werde nicht von einer dauerhaften Nicht-Therapierbarkeit ausgegangen", sagt Fricker. Von einer dauerhaften Nicht-Therapierbarkeit könne also nicht ausgegangen werden und Fricker will damit die "normale" Verwahrung begründen.
Zu den Genugtuungssummen sagt Fricker: Er will die Berufungen der Geschwister von Lucie abweisen und das Urteil vom Bezirksgericht zu bestätigen.

9.48 Zu dauerhaften Nicht-Therapierbarkeit: Eine Therapie dürfe also überhaupt nie Erfolg versprechen, führt Fricker an. Dauerhafte Nicht-Therapierbarkeit würde bedeuten, dass sich sich verändernde Umstände keine Rolle spielen würde. Der Begriff hätte bereits im Vernehmlassungsverfahren zum neuen Gesetzesartikel zu grossen Diskussionen geführt. Die Untherapierbarkeit müsse lebenslänglich gegeben sein.

9.41 Der Verteidiger von Daniel H., Matthias Fricker, hat das Wort. Zuerst geht es um die Störung des Totenfriedens, ein Freispruch oder Schuldspruch hätte keinerlei Ausmass auf das Urteil, das Daniel H. bereits zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Daniel H. sei bereits wegen Mord verurteilt worden und es stelle sich die Frage nach der Konkurrenz dieser beiden Anträge. Weil für die Begründung des Mordes auch das Nachtatverhalten bereits integriert wurde, liege deshalb eine unechte Konkurrenz vor und der Beschuldigte könne deswegen nicht noch einmal verurteilt werden. Zudem hätte er ein schlechtes Gewissen gehabt und hätte deshalb die Leiche gewaschen, er sei nicht von einer sexuellen Motivation getrieben gewesen.

9.36 Göksu macht ein Beispiel aus einem Fahrlässigkeitsdelikt, in dem das Opfer 20000 Franken Genugtuung bekommen hatte. Die Situation von Bruder Bruno und Elsa seien grundsätzlich verschieden. Bruno Trezzini konnte die Tat wesentlich besser verkraften als Elsa Trezzini. Er fordert deshalb für Elsa Trezzini eine Genugtuung von 40000 Franken.

9.31 Göksu fügt an, dass die beiden Schwestern nicht nur Schwestern waren sondern eben beste Freundinnen. Elsa Trezzini sei mit Lucie oft am Sonntagabend zur ihrer Gastfamilien nach Pfäffikon gefahren und am selben Abend wieder zurück. Das zeige die sehr enge Beziehung. Deshalb müsste die Genugtuung sicher im oberen Bereich angesetzt werden. Daniel H. habe getötet des Tötens wegen. Seit dem 5. März 2009 sei Elsa Trezzini "psychisch gestört" und sei in ständiger psychischer Behandlungen. Sie sei selbstmordgefährdet und habe Alkohol- und Drogenprobleme. Daniel H. habe Lucie getötet und "er tötet jeden Tag Elsa Trezzini", sagt Göksu.

9.20 Tarkan Göksu, Rechtsanwalt von Elsa Trezzini (Schwester von Lucie) bestreitet nicht, dass eine Genugtuung erforderlich ist. Diese hänge jedoch konkret vom Fall ab. Es gehe um die Frage, wie nahe der Angehörige zum Opfer stand. Danach gehe es um das subjektive Element, also wie das Opfer konkret vom Vorfall beeinträchtigt wurde.

9.15 Flury kommt zur Genugtuung: Dem Bruder von Lucie habe eine schwere Zeit der Ungewissheit durchmachen müssen, in einer Phase des Lebens, in der die Beziehung zur Schwester sehr wichtig sei. Es sei ein schwieriges Unterfangen, zu sagen, welches die richtige Genugtuung in einem solchen Fall ist. In diesem Fall sei deshalb die Summe von 16000 Franken, die das Bezirksgericht festgelegt hatte, nicht angemessen.

9.10 Flury führt an, Daniel H. habe ausgesagt, er hätte die Leiche reinigen müssen. Ein Gutachter sagte im Februar aus, dass das vorkommen kann. Die vom Beschuldigten an der Leiche durchgeführten Handlungen würden die sexuelle Motivation zeigen, führt Flury aus.

9.06 Rechtsanwalt Serge Flury spricht und erklärt die Anträge: Der Bruder soll anstatt 16000 Franken 25000 Franken erhalten. Und auch über die Störung des Totenfriedens müsse man zu einem Urteil kommen. Er sagt nochmals, wie sich die Tat und vor allem die Umstände nach der Tat abgespielt haben: Nach der Tat schlief Daniel H. noch neben Lucie, danach schaffte er sie in die Dusche und reinigte sie. Auch den Strumpffetischismus sprach er an.

9.00 Erstes Fazit von Aufdenblatten im ersten Vortrag: "Meines Erachtens ist der dritte Punkt - die dauerhafte Nicht-Therapierbarkeit - gegeben." Zudem habe der laufende Prozess und das Gerichtsurteil auch grosse Resonanz in der Presse gefunden und es sei oft gesagt worden, dass nicht ganz klar sein, was die lebenslange Verwahrung bedeute. Aufdenblatten sagt, es sei ganz klar, was die lebenslange Verwahrung bedeute. Nur sie sichere, dass der Täter lebenslang verwahrt werden kann, wortwörtlich lebenslang. "Auch die Gesellschaft hat ein Recht auf die maximale Sicherheit vor solchen Tätern", sagt er.

8.55 Es gebe verschiedene Indizien, dass hier sexuelle Tatkomponenten beim Tötungsdelikt integriert waren, sagte der Staatsanwalt Aufdenblatten. Würde sexuelle Motivation vorliegen, würde auch die Prognose der Untherapierbarkeit aussehen. Daniel H. wollte vor dem Bezirksgericht nichts dazu sagen. Dazu Aufdenblatten: "Wenn er nichts dazu sagen kann, kann er auch nicht therapiert werden."

8.47 Laut Aufdenblatten gibt es genügend Beweise, die die dauerhafte Untherapierbarkeit von Daniel H. bestätigen. Er geht auf die Aussagen der Gutachter vor dem Bezirksgericht im Februar 2012 zurück. Sie konnten beide nicht definitiv klären, ob Daniel H. dauerhaft nicht therapierbar ist. Deshalb hat das Gericht damals auch beschlossen, den Beschuldigten nicht lebenslänglich zu verwahren.

8.45 Folgende Frage steht im Raum: Ist Lucies Mörder Daniel H. untherapierbar?

8.42 Staatsanwalt Dominik Aufdenblatten hält seinen ersten Vortrag: Es geht vor allem um eines und zwar um die Klärung des Wortlautes "dauerhaft nicht therapierbar", der im Gesetzesartikel zur lebenslänglichen Verwahrung steht.

8.30 Der Prozess hat begonnen. jetzt muss geklärt werden ob Daniel H. wegen Störung des Totenfriedens angeklagt wird, ob normale oder lebenslängliche Verwahrung und die Höhe der Genugtuung der Geschwister.