Im Jahr 2017 ist der Bezirk Baden um 1342 Personen gewachsen. Fast alle Gemeinden verzeichneten ein Wachstum, nur sechs Ortschaften haben Bewohner verloren. Die kräftigste Zunahme – sowohl prozentual als auch in absoluten Zahlen – verzeichnete die Gemeinde Niederrohrdorf: Ende Dezember lebten dort 4035 Menschen, 290 mehr als noch im Januar, was einer Zunahme um 7,74 Prozent entspricht.

Gemeindeammann Gregor Naef (FDP) ist überzeugt: Das kräftige Wachstum hängt mit der 2004 eröffneten S-Bahn-Haltestelle Mellingen-Heitersberg zusammen, von wo aus Pendler direkt nach Zürich gelangen könnten. Wegen der Haltestelle kam es zum Wohnungsbauboom, im vergangenen Jahrzehnt stieg die Anzahl Wohnungen in Niederrohrdorf um ein Drittel an.

    

Das alleine genüge aber als Erklärung nicht aus, sagt Gregor Naef: «Wir achten immer auf einen qualitativ hochstehenden Wohnungsbau und stellen dies in vielen Bauprojekten mit Gestaltungsplänen sicher.» Es gebe weitere Gründe für die Attraktivität Niederrohrdorfs: Das neu erstellte Oberstufenzentrum, die Tagesstrukturen sowie das gute Angebot für Einkaufsmöglichkeiten.

Die S-Bahn als Wachstumsmaschine – zumindest auf Niederrohrdorfs Nachbargemeinde Mellingen trifft diese These ebenfalls zu. Während die Einwohnerzahl zu Beginn des neuen Jahrtausend stagnierte und sich bei ungefähr 4300 eingependelt hatte, stieg sie seit der Eröffnung der neuen Haltestelle mit direkter Verbindung nach Zürich um 28 Prozent an. Auch vergangenes Jahr wuchs die Bevölkerungszahl um 2,3 Prozent. Platz für weiteres Wachstum ist vorhanden: In keiner Gemeinde des Bezirks stehen so viele Wohnungen leer wie im Reussstädtchen.

Zu den Gemeinden mit grossem Wachstum gehören auch Killwangen und Spreitenbach im Limmattal, die ebenso wie die angrenzenden Zürcher Ortschaften seit Jahren boomen. Die bereits dicht bebauten Zentren Baden und Wettingen mit je rund 20 000 Einwohnern wachsen nach wie vor, aber um weniger als ein Prozent.

Turgi und Siggenthal schrumpfen

In sechs Gemeinden des Bezirks wohnen nicht mehr so viele Menschen wie vergangenes Jahr. In Turgi hat der Gemeinderat den Bevölkerungsrückgang diskutiert, aber noch keine Erklärung gefunden. «Wir werden dem nun genauer nachgehen», sagt Gemeindeammann Adrian Schoop (FDP). Mit der neuen Bau- und Nutzungsordnung strebt die Gemeinde ein moderates Wachstum und einen guten Bevölkerungsmix an.

Der Rückgang um 90 Einwohner in Obersiggenthal letztes Jahr bedeuten kantonalen Rekord. «In unserer Gemeinde gibt es kaum mehr neues Bauland», erklärt Gemeindeammann Dieter Martin (FDP). Innere Verdichtung finde zwar statt, aber nur in geringem Masse. Die langjährige Bevölkerungskurve zeige nach wie vor nach oben, in den kommenden Jahren werde Obersiggenthal wieder wachsen, ist Dieter Martin überzeugt.

Auf dem Areal Häfelerhau werden 70 neue Wohnungen gebaut, ausserdem hofft der Gemeindeammann auf Neubauten beim Oederlin-Areal. Das 100-Millionen-Franken-Projekt «Zackenbarsch» mit 110 Appartements und Stadtvillen würde auch Obersiggenthal wieder ein Wachstum bescheren.