Baden
«No Fasnacht»-Initiative chancenlos: Der Füdlibürger brennt lichterloh

Am Donnerstagabend büsste Hieronymus Füdlibürger zum Auftakt der Fasnacht für seine Schandtaten.

Frederic Härri
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Impressionen von Füdlibürger-Prozess 2018 Mit dem Prozess gegen den und der Verbrennung des Füdlibürgers im Graben wird in Baden die Fasnacht eingeläutet.
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Impressionen von Füdlibürger-Prozess 2018

Impressionen von Füdlibürger-Prozess 2018 Mit dem Prozess gegen den und der Verbrennung des Füdlibürgers im Graben wird in Baden die Fasnacht eingeläutet.

Sandra Ardizzone

Inmitten von Trommelwirbel, gezogen von einer Pferdekutsche, wurde der in Handschellen gekettete Hieronymus Füdlibürger gestern Abend nach 18 Uhr durch die Badener Strassen bis zum Graben unter der Hochbrücke geführt.

Der Schrecken stand dem Angeklagten ins Gesicht geschrieben. Schliesslich wurde ihm zum Auftakt der Fasnacht am Schmutzigen Donnerstag der (Schau-)Prozess gemacht, den die «Spanischbrödlizunft» und die «Vereinigte Fasnachtsgruppe» in Koproduktion aufführten.$

Viele Schaulustige und Fasnachtsbegeisterte zeigten sich in bester Laune und liessen sich das schwarzhumorige Spektakel nicht entgehen. Bevor der Richter den Gerichtsprozess offiziell eröffnete, betonte er, dass es sich dieses Mal um eine kurze Angelegenheit handeln sollte, «denn d Faktelag, wie sie eusi Zunftpolizei im Hoche Gricht uf de Tisch gleit het, isch eidütig».

Eindeutige Beweise

Für zahlreiche Schandtaten musste sich der Füdlibürger vor Gericht verantworten. Als Erstes wurde ihm vorgeworfen, dass ihm beim Baden im Bagno Popolare «öppis Intims under de Badhose vörecho isch», wie die Staatsanwältin hervorbrachte.

Sie enervierte sich, dass so ein Gebaren in Zeiten von «Me-Too» ein absolutes «No-Go» sei. Zudem habe er nicht nur ins Thermalwasser uriniert, sondern seine sexuellen Absichten auch offenbart, als er als Hintermann für die umstrittene Partyaktion des LWB verantwortlich zeigte, als leicht bekleidete Damen vergünstigten Eintritt erhielten.

In der Folge kamen gravierendere Anklagepunkte ans Licht: General Electric habe den Füdlibürger als Abbauer von Arbeitsplätzen engagiert, an der Badenfahrt sei er ständig alkoholisiert gewesen und er sei als Initiant von «No Billag» dafür verantwortlich, dass das öffentliche Anrecht auf ausgewogene Information in Gefahr sei.

Der Verteidiger schützte seinen Mandant und denunzierte die Beweislage als «Fake News». Bei diesem Stichwort hatte auch Donald Trump – Füdlibürgers Kollege – seinen Auftritt und spazierte in aller Seelenruhe über den Gerichtsplatz.

Doch damit nicht genug: Die Staatsanwältin warf dem Angeklagten vor, an einer weiteren Initiative namens «No Fasnacht» beteiligt zu sein, die jegliches fasnächtliches Treiben unterbinden soll, woraufhin ein Raunen durch die Zuschauerreihen ging.

Auch das flammende Schlussplädoyer des Verteidigers, in dem er an die Menschlichkeit des Hohen Gerichts appellierte, half nichts: Der Füdlibürger wurde zum Tode durch Verbrennen verurteilt. Begleitet von lautem Knallen und den Jubelrufen der anwesenden Zuschauer verabschiedete sich der Füdlibürger spektakulär ins Jenseits.

Wie gewohnt wurde mit den traditionellen Worten «Scharfrichter zünd ah, d Bademer Fasnacht foot ah» die Fasnachtszeit dann offiziell eingeläutet.