Baden
Noch dominiert beim Rundgang im Bäderquartier das Morbide

Beim Rundgang durch das Bäderquartier wird dem Betrachter hauptsächlich der traurige Zustand des Quartiers vor Augen geführt. Im Gespräch mit den Menschen ist jedoch eine gewisse Zuversicht zu spüren.

Roman Huber
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Ein Teil des heruntergekommenen Bäderquartiers.

Ein Teil des heruntergekommenen Bäderquartiers.

Alex Spichale

Durch das Bäderquartier spazierend spürt man weder etwas von Durchbruch noch von Aufbruch. Nur wer den einen oder anderen Menschen anspricht, der dort lebt, wohnt oder ein Geschäft betreibt, bekommt von der Hoffnung etwas mit, dass sich hier in Bälde das Bild ändern könnte.

Claudia Mauthe, Direktorin Limmathof Hotel und SPA «Wir hoffen sehr, dass es jetzt vorwärtsgeht. Die Bauerei wird zwar Erschwernisse auch für uns mit sich bringen. Und die Verkehrs- und die Parkierungssituation in Baden und im Bäderquartier könnte zweifellos besser sein. Doch das ‹goldene Wasser› ist für Baden sehr wertvoll und wichtig. Unsere Kundenbindung funktioniert, vor allem, weil ein grossartiges Team hinter unseren Dienstleistungen steht. Doch es wäre schön, wenn bald zusätzliche Gäste das Bäderquartier beleben würden.»

Claudia Mauthe, Direktorin Limmathof Hotel und SPA «Wir hoffen sehr, dass es jetzt vorwärtsgeht. Die Bauerei wird zwar Erschwernisse auch für uns mit sich bringen. Und die Verkehrs- und die Parkierungssituation in Baden und im Bäderquartier könnte zweifellos besser sein. Doch das ‹goldene Wasser› ist für Baden sehr wertvoll und wichtig. Unsere Kundenbindung funktioniert, vor allem, weil ein grossartiges Team hinter unseren Dienstleistungen steht. Doch es wäre schön, wenn bald zusätzliche Gäste das Bäderquartier beleben würden.»

Aargauer Zeitung
Ruedi Fischli, Fotograf und Gestalter «Was Benno Zehnder hier leistet und plant, ist sehr mutig. Es gibt niemanden hier unten, der es nicht begrüssen würde, wenn es vorwärtsginge. Doch bei unserer Baubehörde fällt es mir schwer, daran zu glauben. Es hat für mich noch zu viel wäre, könnte und würde. Als ich 1981 in die Bäder zog, sprach man schon von der Umfahrung. Es scheint hier unten lange zu dauern. Über Architektur und Dimensionen kann man unterschiedlicher Meinung sein. Doch das Thema Verkehr ist für mich hier und in Baden generell nicht gelöst. Da hat es die Stadt verpasst, das Gespräch mit den Betroffenen zu suchen und mit ihnen Lösungen zu entwickeln.»

Ruedi Fischli, Fotograf und Gestalter «Was Benno Zehnder hier leistet und plant, ist sehr mutig. Es gibt niemanden hier unten, der es nicht begrüssen würde, wenn es vorwärtsginge. Doch bei unserer Baubehörde fällt es mir schwer, daran zu glauben. Es hat für mich noch zu viel wäre, könnte und würde. Als ich 1981 in die Bäder zog, sprach man schon von der Umfahrung. Es scheint hier unten lange zu dauern. Über Architektur und Dimensionen kann man unterschiedlicher Meinung sein. Doch das Thema Verkehr ist für mich hier und in Baden generell nicht gelöst. Da hat es die Stadt verpasst, das Gespräch mit den Betroffenen zu suchen und mit ihnen Lösungen zu entwickeln.»

Aargauer Zeitung

Ein Quartier der Kontraste

Wer durch den Torbogen von der Bäderstrasse ins Bäderquartier gelangt, betritt eine zwiespaltige Welt. Im ersten Eckhaus links steht die Tür des Coiffeurgeschäfts offen, weil Kundschaft eingetreten ist. Firmenschilder bei den renovierten Dépendancen des «Ochsen» und des «Bären» zeigen, dass hier wenigstens Arbeitsleben eingekehrt ist. Auch die gepflegten Rabatten an der leeren Strasse und turtelnde Tauben unter den Dächern vermitteln Leben an diesem Ort.

Doch damit hat es sich vorerst. Rechter Hand stehen verblichene Wegweiser, dahinter die pastellgrüne, bröckelnde Fassade des leeren «Ochsen». Der Anblick lässt das Morbide im Quartier erspüren und gleichzeitig die längst vergangene Blütezeit der Bäderhotels erahnen. Dieser Kontrast ist es, warum der «Ochsen»-Saal vorübergehend zum Ausstellungsort des Blumengeschäfts «Terra Flora» gewählt wurde.

Weiter limmatwärts, wo die Hotelgäste beim «Bären» einst ein- und ausgingen, ist die Pforte mit Brettern vernagelt. Die darüber posierenden Bären machen in ihrer verwitterten Gestalt einen tristen Eindruck. Hier gibt es definitiv kein Leben mehr. Da ändert auch die Zugangstafel zu den «Verenahof-Bädern» auf der Rückseite nichts daran. Nicht einmal der Geruch von Schwefel liegt noch in der Luft. Einzig der Bäderbus, Spaziergänger, Jogger und hie und da Zulieferer stören dieses Bild der Verlassenheit. Die Bauabschrankungen vor dem «Römerbad» lassen wenigstens die Vermutung zu, dass hier dereinst etwas entstehen soll. Wer nahe genug herantritt, dem öffnet sich der Blick auf eine Baugrube, in der stückweise die Mauern vergangener Epochen freigelegt wurden, oder ins Thermalbad, das vor zwei Jahren erst stillgelegt wurde.

Patrik Erne, Hotelier Atrium-Hotel Blume «Um uns herum ist vieles trist, katastrophal ungepflegt und verwahrlost. Das ist leider Fakt. Wir versuchten, wenigstens mit blauen Absperrungen und attraktiven Tafeln das Quartier zu verschönern. Doch ich bin zum ersten Mal so weit, dass ich von der Realisierung überzeugt bin, auch weil ich als Mitglied von Kommissionen Einblick nehmen konnte. Schade ist, dass es nun ein Jahr länger als geplant dauert. Vielleicht liesse sich mit einer Seilbahn als Erschliessung oder sonst Speziellem etwas für die Attraktivität machen. Für uns wird das Bad insofern eine Diversifizierung bringen, als unser Gästesegment sehr Business-lastig ist.»

Patrik Erne, Hotelier Atrium-Hotel Blume «Um uns herum ist vieles trist, katastrophal ungepflegt und verwahrlost. Das ist leider Fakt. Wir versuchten, wenigstens mit blauen Absperrungen und attraktiven Tafeln das Quartier zu verschönern. Doch ich bin zum ersten Mal so weit, dass ich von der Realisierung überzeugt bin, auch weil ich als Mitglied von Kommissionen Einblick nehmen konnte. Schade ist, dass es nun ein Jahr länger als geplant dauert. Vielleicht liesse sich mit einer Seilbahn als Erschliessung oder sonst Speziellem etwas für die Attraktivität machen. Für uns wird das Bad insofern eine Diversifizierung bringen, als unser Gästesegment sehr Business-lastig ist.»

Aargauer Zeitung
Mirjam Knecht, Coiffeuse und Künstlerin «Zwar bin ich nicht von Laufkundschaft abhängig. Doch es wäre notwendig, dass sich hier unten endlich etwas tun würde – auch wenn das Morbide durchaus seinen Reiz hat. Doch es ist in den vergangenen Jahren etwas schwermütig geworden im Bäderquartier. Über die Architektur des von Mario Botta geplanten Bades kann man geteilter Meinung sein. Für mich ist sie einfach zu klobig. Ich hätte die Architektur eines Renzo Piano (italienischer Architekt, Red.) vorgezogen. Man weiss hier unten nie, ob ein Projekt nicht doch bachab geschickt wird, wie es mit den vorherigen gegangen ist. Vielleicht gibt es hier unten einen bösen Geist.»

Mirjam Knecht, Coiffeuse und Künstlerin «Zwar bin ich nicht von Laufkundschaft abhängig. Doch es wäre notwendig, dass sich hier unten endlich etwas tun würde – auch wenn das Morbide durchaus seinen Reiz hat. Doch es ist in den vergangenen Jahren etwas schwermütig geworden im Bäderquartier. Über die Architektur des von Mario Botta geplanten Bades kann man geteilter Meinung sein. Für mich ist sie einfach zu klobig. Ich hätte die Architektur eines Renzo Piano (italienischer Architekt, Red.) vorgezogen. Man weiss hier unten nie, ob ein Projekt nicht doch bachab geschickt wird, wie es mit den vorherigen gegangen ist. Vielleicht gibt es hier unten einen bösen Geist.»

Aargauer Zeitung

Hartnäckig präsent: die Medizin

Trotz allem: Nebst dem Atrium-Hotel Blume und dem «Limmathof» existieren in den Bädern noch ungeahnt viele Praxen mit Ärzten, Physio- und andern Therapeuten. Sie alle begleitet die Hoffnung, dass die Bäder-Projekte der Verenahof AG realisiert werden.

Manuel Tejero, Spezialarzt für Innere Medizin, Rheumatologie, Sportmedizin «Die Situation ist unbefriedigend, und dass das Hotel Verenahof so lange leer steht, tragisch. Seit so vielen Jahren wird geplant, und man ist immer noch nicht sicher, ob letztlich Einsprachen das Projekt verhindern könnten. Unsern Patienten würden wir hier gerne einen Ort mit mehr Leben und Attraktivität gönnen. Insofern werden die geplanten Projekte dem Bäderquartier einen emotionalen Auftrieb verleihen. Durch die Konzentration von Einrichtungen und Praxen der Medizin und Therapie werden Synergien geschaffen. Ich hoffe, ich darf das noch vor meiner Pensionierung (in acht Jahren, Red.) miterleben.»

Manuel Tejero, Spezialarzt für Innere Medizin, Rheumatologie, Sportmedizin «Die Situation ist unbefriedigend, und dass das Hotel Verenahof so lange leer steht, tragisch. Seit so vielen Jahren wird geplant, und man ist immer noch nicht sicher, ob letztlich Einsprachen das Projekt verhindern könnten. Unsern Patienten würden wir hier gerne einen Ort mit mehr Leben und Attraktivität gönnen. Insofern werden die geplanten Projekte dem Bäderquartier einen emotionalen Auftrieb verleihen. Durch die Konzentration von Einrichtungen und Praxen der Medizin und Therapie werden Synergien geschaffen. Ich hoffe, ich darf das noch vor meiner Pensionierung (in acht Jahren, Red.) miterleben.»

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