An der Schiefen Brücke zwischen Baden und Ennetbaden scheiden sich die Geister seit je. Nur schon wegen ihres Aussehens: Hermann Hesse, Literaturnobelpreisträger und jahrzehntelanger Kurgast in Baden, liess sich einst zur poesielosen Aussage hinreissen, es handle sich um eine «hässliche schräge Brücke». Die Denkmalpflege des Kantons Aargau hingegen war von ihrer «markanten Erscheinung» schnell begeistert, nahm sie deswegen in die Liste der Kunstdenkmäler auf.

Auch heute noch sorgt die 1874 gebaute Brücke für Emotionen. Wer sie mit dem Auto passiert, muss hundert Franken Busse bezahlen. Seit zehn Jahren gilt ein Fahrverbot – für viele Autofahrer bis heute ein ärgerlicher Entscheid. Für die Stadt Baden hingegen ist die Brücke dadurch zu einem Goldesel geworden.

Im vergangenen Jahr hat sie Baden sogar einen Allzeit-Rekord bei den Busseneinnahmen beschert, wie ein Blick in den städtischen Geschäftsbericht zeigt, der diese Woche veröffentlicht wurde: 2,782 Millionen Franken betrugen die Busseneinnahmen 2015 insgesamt.

Eine halbe Million Franken stammen allein vom Blitzkasten auf der Brücke, 4996 Autofahrer – im Schnitt 14 pro Tag – wurden dort vergangenes Jahr gebüsst. Auffällig: In den Vorjahren lag dort die Zahl der Fahrverbotsmissachter deutlich tiefer – bei 1962, 2374 und 2296. Grund für die gestiegene Zahl sei die Baustellensituation beim Schulhausplatz, heisst es im Bericht. Offenbar versuchten also viele Autofahrer, den Stau zu umgehen und über die Schiefe Brücke in die Stadt zu gelangen.

Weiterer Grund, dass 2015 auf der Brücke mehr als doppelt so viele Autofahrer gebüsst wurden wie in den Vorjahren: Es wurde ein neuer Blitzkasten installiert, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger tadellose Arbeit abliefert. Der alte Blitzkasten hatte regelmässig seinen Dienst verweigert, ehe er am vergangenen 1. August von Vandalen zertrümmert wurde.

Weniger Temposünder dank Stau

Der Bussen-Bericht beinhaltet eine weitere interessante Information: Die Zahl der Autofahrer, die wegen Geschwindigkeitsübertretung gebüsst wurden, ist gegenüber den Vorjahren deutlich gesunken (8646 gegenüber früher jeweils rund 11 900). Stadtpolizeichef Martin Brönnimann erklärt: «Die Strassenbausituation in und rund um Baden führt zu einer Verstetigung des Verkehrs und damit letztlich zu einer Senkung der gefahrenen Geschwindigkeiten.» Oder anders formuliert: Wegen der Bauarbeiten beim Schulhausplatz gab es Stau, Stau kann man nicht schnell fahren.