Baden
Nordportal: Kuratorium kürzt Beitrag um 40000 Franken – aber nicht als Strafe

Weil das Nordportal zuwenig Konzerte mit innovativen Bands anbot, erhält es vom Aargauer Kuratorium für 2015 nur noch 60000 Franken. Die Reduktion wiegt schwer für das Lokal.

Roman Huber
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Der Club Nordportal in Baden (Archivbild).

Der Club Nordportal in Baden (Archivbild).

Die Kürzung des Programmbeitrages kam für die Führungscrew im «Nordportal» nicht ganz überraschend. Bereits für das Jahr 2012 forderte das Kuratorium – kantonales Fachgremium, das über kulturelle Förderbeiträge entscheidet – 30 000 der gemäss Dreijahresvertrag vereinbarten 100 000 Franken zurück. Der Grund laut Stephan Diethelm, beim Kuratorium für die Sparte Rock/Pop zuständig: «Das Konzertprogramm hat nicht mehr unseren Qualitätsansprüchen genügt.»

Die mangelnde Zahl an Konzerten mit innovativen Bands hat laut Kuratorium dazu geführt, dass per 2015 der Betrag von 100 000 auf 60 000 Franken reduziert wurde. «Der Betrag ist immer noch sehr hoch.» Er wird ohne Leistungsvertrag gesprochen. Laut Stephan Diethelm entspreche das einem Programmbeitrag ausgerichtet auf 50 bis 60 Konzerte. Es sei keine Strafmassnahme, so Diethelm: «Im Gegenteil: Wir sind froh, dass es Veranstaltungsorte wie das ‹Nordportal› gibt.»

Die Reduktion wiege auch darum schwer, weil im Jahr 2013 ein Betriebsverlust von 100 000 Franken eingefahren wurde, sagt Muriel Peterhans vom «Nordportal». Sie spricht von schwindenden Konzertbesucherzahlen. Nicht nur Konzerte mit «No name»-Bands seien davon betroffen. Auch Florian Ast habe vor lediglich 80 Personen in der Halle gespielt.

Den Vorwurf der nicht erfüllten Qualitätsansprüche will Peterhans nicht unerwidert auf dem «Nordportal» sitzen lassen. «Leider hatten wir nie die Möglichkeit erhalten, ein grösseres Programmangebot zu fahren, da wir die finanziellen Mittel dazu nicht hatten», erklärt Peterhans.

Sie hält auch entgegen, dass man im «Nordportal» nach wie vor auf Swiss Music Special setze und von diesem Kurs mit nationalen und auch regionalen oder lokalen Bands nicht abgewichen sei. Leider würden heute jedoch sogar Bands, die dem Kommerz zuzuordnen sind, die Halle nicht mehr füllen.

Man benachteilige niemanden, sagt Stephan Diethelm. In der Region Baden gäbe es viele Veranstalter, die aufgrund ihres Programms mit kleinen Beiträgen unterstützt würden. Anders sei die Situation in Aarau, wo das «KiFF» quasi alleine stehe und als Konzertkulturhaus mit kuratiertem Konzert-Programm in einer höheren Liga spiele.

Klassenunterschied zum «KiFF»

«KiFF»-Geschäftsleiter Oliver Dredge, der das «Nordportal» aus seinen früheren Badener Zeiten als Programmleiter des «Merkker» bestens kennt, führt den Klassenunterschied zwischen den beiden Veranstaltungsorten auf die Anzahl der Live-Konzerte von internationalen und exklusiven Bands sowie das nationale Publikum zurück.

«Wir haben uns auf Konzertveranstaltungen von nationalen und internationalen exklusiven Acts konzentriert», erklärt Dredge. So sei es dem «KiFF» auch gelungen, Sparten wie die Metal Music aufzubauen, deren Einzugsgebiet weit über die Region hinausreiche und Publikum bringe.

In Baden spüre man die Konkurrenz der Stadt Zürich bestimmt ebenso wie in Aarau, meint Dredge. Auch im «KiFF» wird ein Teil des Konzertbetriebs durch Party-Events quersubventioniert.

Mit den Unterstützungsbeträgen sieht es in Aarau besser aus als in Baden. Das «KiFF» erhält von der Stadt 370 000 Franken, davon gehen 260 000 für Miete und Unterhalt weg. Das «Nordportal» erhält von der Stadt 193 000 Franken für Miete und Nebenkosten. Vom Kanton gibt es 200 000 Franken ans «KiFF» als «Leuchtturm»-Beitrag, vom Kuratorium kommen 230 000 Franken. Das «Nordportal» erhält neu 60 000 Franken vom Kuratorium. Der Umsatz (2013, inklusive Subventionen) lag in Aarau bei 2,4 Mio. Franken, in Baden bei 1,45 Mio. Franken.