Baden
Norovirus: Alterszentrum Kehl bleibt unter Quarantäne

Inzwischen sind 23 Bewohner und 10 Angestellte an dem Magendarmvirus erkrankt. Der stationäre Pflegebereich bleibt bis Mittwoch auf Stufe Rot. Den Bewohnern geht es zwar besser, doch die Isolation macht ihnen zu schaffen.

Sabina Galbiati
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Das Alterszentrum Kehl rüstet sich für die Zukunft.

Das Alterszentrum Kehl rüstet sich für die Zukunft.

EMANUEL PER FREUDIGER

Im Alterszentrum Kehl grassiert das Norovirus. Bisher haben sich 33 Personen mit dem Magendarmvirus angesteckt. 23 von ihnen sind Bewohner. Bereits am Mittwoch hatte die Kehl-Führung Stufe Orange des Pandemiekonzepts verhängt. Das ist die zweithöchste Stufe.

Eine Elektronenstrahlen- mikroskopaufnahme zeigt ein Norovirus (Archiv)

Eine Elektronenstrahlen- mikroskopaufnahme zeigt ein Norovirus (Archiv)

Keystone

Für die stationäre Pflege hat die Leitung bis Mittwoch die höchste Stufe Rot verhängt. Das bedeutet: Das ganze Haus steht unter Quarantäne. Bewohner und Personal tragen Schutzmasken, sobald sie miteinander Kontakt haben. Wer einen Raum verlässt oder betritt, reinigt seine Hände mit Desinfektionsmittel. Zudem wird das ganze Haus mehrmals pro Woche mit Noroviren-tötenden Mitteln gereinigt.

So wird das Virus übertragen

Noroviren sind für die Mehrzahl der nicht bakteriell bedingten Durchfälle verantwortlich. Da sie sehr infektiös sind (10 bis 100 Viren genügen für eine Ansteckung), kommt es überall dort zu gehäuftem Krankheitsauftreten, wo Menschen auf engem Raum zusammenleben. Dies ist insbesondere in Familien, Heimen, Spitälern, Kasernen, Kreuzfahrtschiffen und Kindergärten der Fall. Die Ansteckung erfolgt über den Mund, durch Kontakt mit der Haut (z. B. verunreinigte Hände) bzw. mit Objekten (z. B. kontaminierte Türfallen), durch Inhalation der in der Luft schwebenden feinen Tröpfchen (z. B. nach Erbrechen) oder durch Konsum von verunreinigten Lebensmitteln bzw. Wasser. Noroviren sind sehr resistent gegen Umwelteinflüsse (z. B. gegen Temperaturschwankungen) und können auf verunreinigten Flächen mehr als 12 Tage lang ansteckend bleiben. Quelle: Bundesamt für Gesundheit

Besser sieht es für die Bewohner der Alterswohnungen aus. Da es während 72 Stunden dort keine neuen Verdachtsfälle gab, setzte die Kehl-Leitung die Stufe am Montagmorgen wieder auf Orange.

Einsamkeit macht zu schaffen

«Wir sind vorsichtig optimistisch», sagt Geschäftsleiter des Kehls Edoardo Forgas auf Anfrage der az. Die Verdachtsfälle sind stark zurückgegangen. Das heisst, es gibt keine neu bestätigten Erkrankungen. «Auch die Erkrankten sind inzwischen symptomfrei», sagt Forgas, doch man müsse extrem vorsichtig bleiben.

Den Bewohnern mache weniger der Magendarm-Virus zu schaffen als vielmehr die Isolation. «Sie bekommen keinen Besuch und deshalb kommt schnell ein Gefühl von Einsamkeit auf,» erklärt Forgas.

Gelber Freitag

Er hofft, dass das gesamte Alterszentrum bis Freitag auf Stufe Gelb gesetzt werden kann. Das heisst: Besucher sind wieder erlaubt und Schutzmasken müssen keine mehr getragen werden. Bewohner, Personal und Besucher müssen sich aber weiterhin die Hände mit Desinfektionsmittel waschen, wenn sie einen Raum verlassen oder betreten.

Das geschieht bei einer Ansteckung

Die Krankheit bricht in der Regel 12 bis 48 Stunden nach der Ansteckung aus; meist abrupt mit oft schwallartigem Erbrechen, starkem Durchfall und häufig begleitet von Bauch-, Muskel- und Kopfschmerzen. Vereinzelt kommt noch Fieber dazu. Nach 2 bis 3 Tagen ist die Krankheit überwunden. Als Behandlung ist vor allem auf genügend Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Quelle: Bundesamt für Gesundheit

«Wir werden in den kommenden Wochen das gesamte Haus vom Keller bis zum Dach zwei Mal pro Woche mit Mitteln reinigen, die das Norovirus abtöten», sagt Forgas weiter.

Am Montagmorgen konnte auch die Feriensperre des Personals aufgehoben werden. «Es ist Ferienzeit und das macht eine solche Epidemie besonders schnell dramatisch, weil weniger Personal eingesetzt werden kann», sagt Forgas.

Viel Verständnis und Unterstützung

Erst Ende letzten Jahres war das Altersheim Fislisbach von einer Norovirus-Epidemie betroffen. «Sie haben uns sofort mit geeignetem Material, Tipps und Erfahrungen unterstützt», sagt Forgas.

Zudem seien die Angehörigen der Bewohner sehr verständnisvoll, sagt er. «Sie machen sich grosse Sorgen und sind dankbar, dass wir sie jeden Tag über den Verlauf der Epidemie und den Zustand der Bewohner informieren.»

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