Baden

Nun dürfen in Baden Wohnungen ohne Parkplätze gebaut werden

Wer in der Innenstadtzone Wohnungen baut, kann das künftig tun, ohne dass er Bewohnerparkplätze erstellen oder für deren Wegfall Ersatzabgaben entrichten muss. (Archiv)

Wer in der Innenstadtzone Wohnungen baut, kann das künftig tun, ohne dass er Bewohnerparkplätze erstellen oder für deren Wegfall Ersatzabgaben entrichten muss. (Archiv)

Autofreies Wohnen in der Innenstadtzone hat in der revidierten Bau- und Nutzungsordnung (BNO) Eingang gefunden. Wer künftig Wohnungen baut, muss nicht mehr unbedingt Parkplätze zur Verfügung stellen. Doch das Auto ist noch nicht ganz verbannt.

Der Verkehr lässt sich nicht aus der Innenstadt verbannen. Doch wer in der Innenstadtzone Wohnungen baut, kann das künftig tun, ohne dass er Bewohnerparkplätze erstellen oder für deren Wegfall Ersatzabgaben entrichten muss. «Wir haben hiermit den Willen des Einwohnerrates umgesetzt», sagt Stadtrat und Bauvorsteher Markus Schneider. «Autofreies Wohnen wird sicher bei der bevorstehenden Gesamtrevision der BNO ein Thema sein. Wie weit dies führen soll, ist noch offen.» Diese kleine Teiländerung eines BNO-Paragrafen liegt zurzeit öffentlich auf.

Auflagen garantieren «autofrei»

«Die Möglichkeit des autofreien Wohnens soll Bauherren die Türen öffnen», sagt Wladimir Gorko von der städtischen Abteilung Entwicklungsplanung. Das Interesse für autofreies Wohnen im Zentrum nehme tatsächlich zu, stellt er fest.

Die Auflagen sind klar: Wer autofreien oder autoreduzierten Wohnbau erstellen will, muss ein Mobilitätskonzept vorweisen und ein periodisches Controlling über sich ergehen lassen. Damit soll die Umsetzung garantiert werden. Wer bauen will, ohne Autoabstellplätze zu erstellen, muss ausserdem rechtlich sicherstellen, dass autofrei gewohnt wird. Dafür benötigt es entsprechende Verträge sowie Einträge im Grundbuch. Sollte der Stadtrat feststellen, dass von diesen Vereinbarungen abgewichen wird, kann er hinterher Parkplatz-Ersatzabgaben einfordern, die der Differenz entsprechen. Die Regelung soll verhindern, dass letztlich Quartierstrassen von Autos zuparkiert werden.

Weil bei Besuchern nicht zwingend davon ausgegangen werden kann, dass sie auch aufs Auto verzichten, heisst autofrei doch nicht ganz autofrei: Besucherparkplätze sind gemäss geltender Norm zu erstellen, oder der Wegfall ist über die Ersatzabgaben zu entschädigen.

Ausserhalb des Zentrums, wo die Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr immer noch gut sei, werde autoreduziertes Wohnen ermöglicht, ergänzt Entwicklungsplaner Gorko: «Für das neue Baugebiet im Galgenbuck in Dättwil sind Reduktionsfaktoren für Parkplätze von Beginn an in die Planung eingeflossen.»

Autofrei wirkt preisregulierend

In der Immobilienbranche glaubt man durchaus an einen preisregulierenden Effekt. Angesichts steigender Wohnraumkosten im Zentrum würde der Verzicht auf Einstellplätze die Objekt- und damit die Miet- oder Eigentumspreise entlasten.

Die Abteilung Raumentwicklung des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt hat die BNO-Revision vorgeprüft. Dort ist man überzeugt, dass das Badener Beispiel Signalwirkung haben könnte. Von der Möglichkeit des autoreduzierten Wohnens, wie sie gemäss Kantonalem Baugesetz bereits möglich sei, werde in unterschiedlicher Form schon in einigen Städten Gebrauch gemacht, erklärt Kreisplaner Reto Candinas. «Doch das Bedürfnis nach autofreiem Wohnen in Innenstadtzonen, die mit dem öffentlichen Verkehrsmittel sehr gut erschlossen sind, wird unterschätzt,» so der Raumplaner. «Wir stellen fest, dass der Anteil junger Leute, die ohne Auto leben, in gut erschlossenen Stadtteilen zunimmt», fügt Candinas an.

Sofern es keine Einwendungen gibt, wird der Einwohnerrat am 2. September die revidierte BNO nochmals behandeln. Dann fehlt für die Rechtskraft nur noch der Segen des Regierungsrates.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1