Genau ein Jahr ist es her, dass der Stadtturnverein Baden den Stadtrat aufforderte, eine Studie für eine Gesamtsanierung der Sportanlage Aue in Auftrag zu geben. Passiert ist seither nichts.

«Eine solche Studie – man hätte beispielsweise eine ETH-Klasse einladen können – hätte in das Sportanlagenkonzept der Stadt einfliessen können», sagte Hansruedi Hagen, STV-Baden-Präsident und damals noch Mitglied der Sportkommission.

Das Ausbleiben einer solchen Studie wie auch das Nein des Einwohnerrats im Oktober 2014 gegen eine Dreifachturnhalle im geplanten Sekundarstufenzentrum Burghalde haben Hagen nun dazu bewogen, möglichst viele Badener Sportvereine an den Tisch zu holen.

Das erklärte Ziel: die Schaffung einer breit abgestützten Sportverein-Interessensgemeinschaft. «Immer wieder hört man: In Baden findet die Kultur statt, für den Sport geht man nach Wettingen. Als ob Schüler und Badener Vereinssportler ins Tägi gehen würden.»

Dabei gehe es explizit nicht darum, die Kultur gegen den Sport auszuspielen. «Beides ist für die Lebensqualität einer Stadt, ja einer ganzen Region wichtig», sagt Hagen. Er stelle einfach fest, dass es den Kulturschaffenden ganz offensichtlich besser gelinge, ihre Anliegen aufs politische Parkett zu bringen. «Unter den Kulturschaffenden herrscht eine grosse Solidarität, während viele Sportvereine vor allem und in erster Linie für die eigenen Bedürfnisse schauen», so Hagen.

Dies war denn auch der Konsens der ersten, vom STV Baden einberufenen Sportkonferenz letzte Woche, zu der Hagen zusammen mit Peter Heer (Alt-FDP- Einwohnerrat und ehemaliger STV-Baden-Präsident), Werner Eglin (Alt-CVP-Einwohnerrat) und Martin Keller (SVP-Grossrat aus Obersiggenthal und STV-Baden-Mitglied) geladen hatte. Zwar war nur rund die Hälfte der 60 Badener Sportvereine vertreten, doch für einen würdigen Auftaktanlass reichte es allemal.

Sportaffine Einwohnerräte gesucht

«In Sachen Sport ist in Baden verdammt wenig los», eröffnete Hagen mit deutlichen Worten. Das sei aber nicht in erster Linie als Kritik an der Stadt zu verstehen, sondern als Selbstkritik aufzufassen.

«Wir Sportvereine müssen uns besser vernetzen und mehr miteinander sprechen, wollen wir von den Behörden gehört werden und sichergehen, dass unsere Anliegen auch ankommen.» Ihm schwebe die Gründung einer Interessengemeinschaft vor, damit die Sportvereine in der Stadt vermehrt mit einer Stimme sprechen und somit mehr Gewicht erlangen würden.

«Es geht nicht darum, Kultur gegen Sport auszuspielen», betonte auch Heer. Doch man wünsche sich von der Stadt schon mehr Anerkennung und Förderung im Sportbereich. «Damit dies geschieht, sind aber zuerst die Sportvereine gefordert. Man muss sie besser spüren; sie müssen ihre Anliegen besser artikulieren.»

Was das anbelangt, könne man viel von den Kulturschaffenden lernen. SVP-Einwohnerrat Bruno Knörr (früher Handballer, heute Fussballer bei den Senioren des FC Baden) bestätigt dies. Als die CVP im Herbst letzten Jahres im Rahmen der Sparbemühungen den Kunstraum schliessen wollte, hätten sich die Kulturschaffenden sofort zu einer spontanen Demo vor der Einwohnerratssitzung organisiert.

Die Folge: Die Kunstraum-Schliessung war vom Tisch. «Wären die Sportvereine vor der Abstimmung über die Dreifachturnhalle im Einwohnerrat ebenfalls geschlossen aufmarschiert, hätte das eventuell auch Wirkung gehabt», so Knörr. Doch genau beim Einwohnerrat ortet Werner Eglin das grosse Problem.

«Durch die zahlreichen Abgänge alleine in dieser Legislatur fehlt jegliche Konstanz.» Und es müsse doch gelingen, gezielt Personen in den Rat zu wählen, die sich für den Sport starkmachen würden. «In jedem Parlament wird für weiss Gott was lobbyiert, wieso nicht auch für Anliegen des Sports?»

Thomi Bräm, Präsident des FC Baden, beschreibt die Zusammenarbeit mit der Stadt als grundsätzlich gut, plädiert aber vielmehr dafür, eine Stufe höher anzusetzen. «Wir sollten dafür sorgen, dass mehr Gelder des kantonalen Departements Bildung, Kultur und Sport im Ostaargau landen. Peter Herr gab ihm recht: «Die Gelder sind da, sie müssen einfach abgeholt werden, indem die Badener Vereine mehr Gesuche beim Kanton einreichen.» Mehr als ein «Nein» könne man nicht riskieren.

Sport näher zum Volk bringen

Viele Vereine würden auch in Sachen Ehrenamtlichkeit, also bei den Trainern und Helfern, an ihre Grenze stossen, was auch mit der erfreulichen Tatsache zu tun hat, dass einzelne Vereine geradezu überrannt werden.

«In den letzten Jahren verspüren wir einen riesen Andrang; die Leichtathletik geniesst eine sehr grosse Popularität», sagt Domenic Keller, vom Leichtathletik-Verein Wettingen-Baden. Nun sei man vor die Tatsache gestellt worden, dass die Leichtathletik-Bahn in der Aue diesen Sommer wegen der Badenfahrt während fünf Wochen geschlossen sein wird.

«Nichts gegen die Badenfahrt. Aber vielleicht hätte es auch noch eine andere Lösung gegeben. Aber als einzelner Verein hatten wir wohl zu wenig Gewicht», mutmasst Keller. Er ist auch überzeugt: «Wir müssen den Sport noch mehr zu den Menschen tragen», wobei er etwa an eine Sprintveranstaltung in der Weiten Gasse denkt.

Alt-SP-Stadtrat Hans Sturm wies darauf hin, dass der Sport eine wichtige Stütze der Zivilgesellschaft sei. Und: Sportpolitik finde nicht erst im Einwohnerrat statt, sondern die Fühler müssten schon vorher ausgestreckt werden.

Fabienne Tanoa vom Touch-Rugby-Club «Baden Banditos» hob derweil die Wichtigkeit noch besserer Informationspolitik hervor, damit Menschen überhaupt auf die Sport-Angebote aufmerksam würden.

In der Folge der Diskussion tauchten weitere Themen und Ideen wie Seniorensport, Jugendcamps, die Schaffung eines «Sportprozents» analog dem «Kulturprozent» oder einer noch engeren Zusammenarbeit mit dem Standortmarketing auf.

Hansruedi Hagen zeigte sich am Ende der ersten Sportkonferenz sehr zufrieden. «Der Konsens ist da, dass wir uns besser organisieren müssen, um unsere Anliegen noch besser zu deponieren.» Doch Absichtserklärungen allein würden nicht reichen.

«Als Nächstes geht es darum, einen Vorstand zu wählen und erste konkrete Massnahmen in die Wege zu leiten. Bereits in rund zwei Monaten wollen wir uns wieder treffen.» Zwar findet 2017 kein sportlicher Grossanlass wie etwa eine Fussball-WM oder Olympische Spiele statt. Für die Badener Sportvereine könnte es trotzdem, ein wegweisendes Sportjahr werden.

Interessierte Vereine können sich per per Mail unter der Adresse praesident@stvbaden.ch melden.