Zusammenschluss
Nun geht Baden auf Turgi zu – wird die Fusion bereits in vier Jahren Tatsache?

Der Badener Stadtrat erklärt sich offiziell bereit, einen Zusammenschluss zu prüfen. Der Gemeinderat von Turgi freut sich darüber riesig.

Pirmin Kramer
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Blick auf Turgi: Bei einer Umfrage sprach sich eine klare Mehrheit der Bevölkerung für einen Zusammenschluss mit Baden aus. (Archivbild)

Blick auf Turgi: Bei einer Umfrage sprach sich eine klare Mehrheit der Bevölkerung für einen Zusammenschluss mit Baden aus. (Archivbild)

Sandra Ardizzone

Der Gemeinderat von Turgi zeigt bereits seit eineinhalb Jahren Interesse an einer Fusion mit Baden. Bisher reagierte der Stadtrat aber bloss mit höflicher Zurückhaltung auf die Avancen des Nachbarn an der nordwestlichen Grenze. Man sei grundsätzlich offen, lautete der Tenor aus dem Stadthaus, würde es aber begrüssen, wenn noch weitere Gemeinden aus der Region an der Debatte über Zusammenschlüsse teilnehmen. Dementsprechend lud der Stadtrat im Oktober Delegierte aus dem ganzen Bezirk zu einem runden Tisch ein – mit Turgi fand bisher aber erst ein informeller Austausch statt.

Seit Donnerstagabend steht nun aber fest: Baden ist offiziell bereit, eine Fusion mit Turgi zu prüfen. Gemeindeammann Adrian Schoop (FDP) sprach am Rande der Gemeindeversammlung von heute Abend gegenüber der AZ von einem Meilenstein. «Wir haben dem Stadtrat Ende Oktober einen Brief geschrieben und gefragt, ob er gewillt sei, mit Turgi Fusionsgespräche zu führen, unabhängig vom runden Tisch, an dem sich diverse Gemeinden mit einer Stärkung der Region befassen.» Bereits wenige Tage später sei die Antwort aus Baden – ein Ja – eingetroffen. «Der Gemeinderat von Turgi freut sich darüber riesig. Wir haben uns Fusionsgespräche als Legislaturziel gesetzt, und an einem Workshop im Juni hat eine grosse Mehrheit der Anwesenden dieses Vorgehen befürwortet.» Das klare Ergebnis des Workshops erachte der Gemeinderat als Auftrag, die Gespräche voranzutreiben und eine Fusion zu prüfen.

Statistik Aargau/Maps4news.com

Zu Beginn der Gemeindeversammlung am Donnerstagabend informierte Schoop die Bevölkerung über die neuesten Entwicklungen; rund eine halbe Stunde später, um 20 Uhr, teilte auch die Stadt Baden in einem Communiqué an die Medien mit: «Der Gemeinderat Turgi und der Stadtrat Baden wollen eine Gemeindefusion im Sinne eines Pilotprojekts vorantreiben. Der Prozess soll 2020 gestartet werden.» Der Badener Stadtrat habe die Möglichkeit von zwei parallelen Prozessen – für eine Stärkung des funktionalen Raums einerseits sowie Gespräche mit Turgi andererseits – ebenfalls schon diskutiert. «Nun wurde vereinbart, den Prozess für die Prüfung der Fusion aufzugleisen.»

«Ziel wäre eine Fusion innerhalb von vier Jahren»

Adrian Schoop sagt, der Gemeinderat sei erleichtert, dass sich Baden für bilaterale Gespräche bereiterklärt habe. «Offen gesagt hatten wir befürchtet, dass die Diskussionen am runden Tisch mit vielen weiteren Gemeinden unsere Bemühungen verwässern könnten. Im ersten Quartal des kommenden Jahres werden sich Delegationen der beiden Gemeinden für einen Austausch treffen, das Datum wurde bereits vereinbart. Dabei soll diskutiert werden, wie die Prozesse zur Prüfung einer Fusion an den beiden Orten aussehen werden.

Baden will Meinung der Bevölkerung erfahren

Auf die Frage, wie schnell der Prozess nun vorangetrieben werden soll, antwortet Schoop: «Aus unserer Sicht muss eine Fusion zügig, gleichzeitig aber auch so sorgfältig wie möglich unter Einbezug der Bevölkerung geprüft werden. Den Schwung der vergangenen Monate gilt es mitzunehmen. Unser Ziel wäre es, eine allfällige Fusion innerhalb von vier Jahren umzusetzen.» Stadtammann Markus Schneider (CVP): «Aus unserer Sicht geht es nun als Nächstes darum, die Meinung der Badener Bevölkerung abzuholen. Wir müssen hierfür anders vorgehen als Turgi, können nicht auch einen Workshop durchführen, um den Puls zu fühlen, weil wir deutlich mehr Einwohner haben. Aus Sicht des Stadtrats lässt sich sagen, dass wir uns auf die Gespräche mit Turgi freuen.» Sollten die Nachbarn fusionieren, würde Baden mit neu rund 22'100 Einwohnern Aarau (aktuell 21'459) als grösste Stadt im Kanton Aargau vermutlich ablösen.

Historische Bilder von Baden:

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So sah es am Schulhausplatz im Juli 1814 aus. Der Abbruch des «Mellingerturms», des Oberen Tors am Cordulaplatz (damals hiess er noch Paradiesplatz), wurde 1874 wie ein Fest gefeiert. Der Durchbruch sollte Luft und Licht in die Altstadtgassen bringen.
So sah es vor der Bahnverlegung aus: Durch den engen Schlossbergtunnel fuhr seit 1847 die Spanischbrötlibahn nach Zürich. Die Häuser vor dem Cordulaplatz wurden beim Bau des Strassentunnels abgerissen.
Als die Dampflok noch über den Platz fuhr und die Schiebebarrieren von Hand geschlossen wurden: Eine Postkarte von Baden um 1900. Der Gasthof zum Glas (rechts neben der Bahn) brannte 1960 ab, die Reben am Schlossberg wurden zu Bauland. Der Obeliskenbrunnen steht jetzt wieder an seinem Platz.
Der Kurpark in Baden war auch schon 1890 ein lauschiges Plätzchen, das zum Verweilen einlädt.
Baden, die Holzbrücke und der Bergsturzkopf um 1906.
Baden von Süden im Jahr 1913. Im Vordergrund der rauchende Schlot der Firma Merker.
Diese Postkarte zeigt das ehemalige Landvogtei-Schloss um ca. 1915.
Baden mit Lägern 1913: Als der Lägernhang noch völlig unbebaut war.
Das Brauerei-Gasthaus Falken gab der Barriere ihren Namen. Das Hotel musste schon 1957 weichen. Die 1850 erbaute Brauerei wurde erst 2004 durch den Neubau ersetzt, in dem sich heute das Bezirksgericht befindet.
Ein letztes Mal fällt die Falkenbarriere: Die Bahn brachte Wohlstand und Arbeitsplätze nach Baden. Aber auch viele Stunden mühsamen Wartens. Die Erleichterung war deshalb gross, als von 1957 bis 1965 der «neue» Schulhausplatz gebaut wurde.
Verstopfte Weite Gasse im Jahr 1960 mit Velo- und Buskolonnen. Das abgebrannte Restaurant Glas erlaubt die Datierung. Am oberen Bildrand das Schulhaus, das dem Platz seinen Namen gab.
Der Tunnelbogen des alten Bahntunnels steht noch, der Strassentunnel durch den Schlossberg ist schon betoniert. Der Ennetbadener Fotograf Werner Nefflen kam 1962 gerade noch rechtzeitig, um diesen denkwürdigen Augenblick festzuhalten. Rechts montiert ein Arbeiter die Sprengladung.
Als es in der Altstadt noch Handwerker gab: Der Sattler Mühlebach hatte seine Werkstatt in der Weiten Gasse und arbeitete gerne draussen. Hier zusammen mit den Pferden der Brauerei Müller am Schulhausplatz.
Der Bahnwärter hat ausgedient: Im September 1961 wurde die «Bahnverlegung» vollzogen, zumindest von der Eisenbahn war der Schulhausplatz befreit. Sie fuhr ab dann durch den grossen Bahntunnel.
Baden um 1919: im Vordergrund die mittelalterliche Brückenstadt, das moderne Baden liegt links.
Verkehr anno 1961: Im Hintergrund sieht man die alte Cordulapost mit dem Bild des abgebrochenen Mellingerturms. Rechts daneben der legendäre Lebensmittelladen Moneta. Die beiden Häuser wurden 1984 durch die neue «Porta Moneta» ersetzt.
Blick auf das Bahnhofquartier 1919. Der Badener Bahnhof zählt zu den ältesten des Landes. Er wurde 1847 als Endstation der Spanisch-Brötli-Bahn eröffnet.
Blick von oben auf die Hochbrücke und das Kleinkraftwerk Aue zwischen 1918 bis 1937.
Eine Postkarte von 1923, die den Kursaal Baden zeigt.
Eine weitere Postkarte vom Kurpark Baden aus dem Jahr 1926.
Blick in die Halle II des BBC-Gebäudes im Jahr 1926.
Blick auf die Ruine Stein um ca. 1930.
Im Jahr 1930 war der Löwenbrunnen bereits 108 Jahre alt.
Eine Postkarte des Kursaales datiert auf das Jahr 1936.
So sah die Badener Altstadt 1942 aus.
Limmat abwärts von der neuen Hochbrücke im Jahr 1942.
Limmat aufwärts von der neuen Hochbrücke im Jahr 1942.
Die Badener Altstadt 1945. Der Strassenverkehr wurde erst später aus der Altstadt verbannt. In der Badstrasse (links im Bild) entstand 1972 im Zuge des Bahnhofumbaus die erste Fussgängerzone der Schweiz.
Die Badener Altstadt im Jahr 1945, links im Bild die Hochbrücke, die 1926 eröffnet wurde.
Blick auf die Schiefe Brücke 1949, die Baden mit Ennetbaden verbindet. Sie wurde 1874 eröffnet und ist seit 2006 für den motorisierten Individualverkehr gesperrt.
Das 1963/64 erbaute Thermalbad im Jahr 1969.
Hier wurde fast 40 Jahre lang fröhlich geplanscht – gegen Ende des 20. Jahrhunderts gerieten die Bäder in eine Krise.
Baden 1970 von oben aus süd-östlichem Blickwinkel. Im Bild: das Stadtzentrum, der Elektrotechnikkonzern Brown Boveri & Cie. (BBC, später ABB), die Hochbrücke und das Terrassenschwimmbad.
Baden 1980 von Südwesten. Im Bild: das Stadtzentrum, der Schulhausplatz, die Ruine Stein und der Schlossbergtunnel.
Baden 1980 von Osten. Im Bild: Die Altstadt, die Hochbrücke, die Limmat, rechts im Bild der Elektrotechnikkonzern BBC.
Baden 1987 von Westen. Im Bild: die Stadtkirche, das Stadtzentrum und die Kreuzung Schulhausplatz.
Ein Blick in die Mittlere Gasse im Jahr 1988.

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