Baden
Nun werden die Weichen für das Museum Langmatt gestellt

Noch dieses Jahr wird sich zeigen, wie es mit dem Museum Langmatt in Baden weitergeht.

Martin Rupf
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Seit 1990 ein Museum: Die Villa Langmatt.
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Musem Langmatt

Seit 1990 ein Museum: Die Villa Langmatt.

SEVERIN BIGLER

Markus Stegmann nimmt als Langmatt-Direktor seine vierte Saison in Angriff, nachdem er im Herbst 2015 die Leitung des Impressionisten- und Wohnmuseums übernommen hatte (siehe unten). Nimmt man die nackten Zahlen zum Massstab, so scheinen der 56-Jährige und sein kleines Team, bestehend aus sieben Personen (mit Teilzeitpensen), vieles richtig zu machen. So gelang es ihm, die Besucherzahl gleich in seinem ersten Jahr zu verdoppeln. «Doch am meisten freut mich die Tatsache, dass wir diese Zahlen in den Folgejahren halten und sogar deutlich ausbauen konnten», sagt Stegmann nicht ohne Stolz.

Denn es sei normal respektive zu erwarten, dass am Anfang die Besucherzahlen steigen, wenn eine neue Leitung mit neuen Ideen und frischer Energie das Ruder übernehme. «Doch das Ziel ist erst erreicht, wenn Kontinuität entsteht und die Besucherzahlen nachhaltig hoch bleiben.» Das seien sie insbesondere auch im letzten Jahr geblieben, obwohl man die Anzahl Anlässe von 90 auf deren 60 reduziert habe. «Zu sehen, dass trotzdem fast gleich viele Besucher gekommen sind, ist wirklich befriedigend.»

Galerie wird zu Sporthalle

Auch dieses Jahr steht wieder einiges auf dem Programm – Altbekanntes, Bewährtes, aber auch Neues. «Das macht den Reiz dieses Hauses aus», sagt Stegmann. Einerseits das Traditionelle und die Geschichte des Hauses zu erhalten, «andererseits möchte ich immer auch Erfinder sein und versuchen, die Besucher zu überraschen». Zu den bewährten Anlässen, die auch 2019 wieder stattfinden, gehören etwa die Ostereierjagd (20. April), die 4. Langmatt Motor Classics (5. Mai), am Nationalfeiertag die spezielle 1.-August-Feier mit Gastgeber Simon Libsig oder Ende November der Wintermarkt «Winterwonderland». «Ausserdem organisieren wir fünf Ausstellungen im Jahr.» Das Ziel sei es, einmal im Jahr eine Ausstellung mit internationaler Präsenz und Ausstrahlung in der Langmatt zu zeigen.

Den Auftakt machte dieses Wochenende die 84-jährige Margot Bergman aus Chicago (siehe Seite 25). Von Mai bis August ist dann die Ausstellung «Sanatorium Langmatt» zu sehen, auf die sich Stegmann ganz besonders freut. «Es wird für die Besucher viele überraschende Elemente geben; allzu viel möchte ich noch nicht verraten.» Nur dies: «Die Galerie, wo sonst hochkarätige Gemälde hängen, wird zu einer Badminton-Halle umfunktioniert. Wir wollen quasi diese heilige Halle etwas vom Sockel nehmen», sagt Stegmann mit einem Lachen.

Das Beispiel zeigt, in welchem Spannungsverhältnis Stegmann sich bewegt. Einerseits gilt es die Tradition zu wahren, anderseits will er neue Gäste gewinnen, was nur möglich ist, wenn er die Langmatt entstaubt. «Doch bei aller Öffnung wollen wir den Respekt vor der Geschichte wahren und keine beliebige Event-Kultur machen.» Dass das zuweilen ein schmaler Grat ist, beweist die Tatsache, dass dieses Jahr in der Langmatt zum dritten Mal Konzerte des One-of-a-million-Musikfestivals stattfanden. «Mit solchen Anlässen verdienen wir kein Geld, doch sie helfen uns, das Museum in einer breiteren Bevölkerungsschicht bekannt zu machen.»

Auf die Frage, wie lange Stegmann denn noch in der «Langmatt» bleiben möchte, antwortet der Direktor bestimmt. «Die Arbeit hier macht mir grosse Freude. Wir haben zwar zu wenig Geld und Personal. Und permanent sind wir mit notfallmässigen Instandsetzungen am Gebäude blockiert. Doch als kleines Museum können wir etwas, das die Grossen nicht können: Risiken eingehen und erfindungsreich querdenken.» Gerade diese Rolle als kleiner David gegen die grossen Goliaths in Zürich, Basel und Bern sei es, die ihn so sehr reize. «Dies umso mehr, als es uns – wie zum Beispiel in der zweiten Jahreshälfte mit Renée Levi – immer wieder gelingt, namhafte Künstlerinnen und Künstler zu gewinnen, weil die Historie und die Atmosphäre hier im Museum Langmatt ihresgleichen suchen.»

Im Herbst im Einwohnerrat

Ein weiterer Grund, weshalb Stegmann Lust hat, hier in Baden noch ein paar Jahre anzuhängen, liegt wohl darin begründet, dass die Weichen für die Langmatt bald schon entscheidend gestellt werden. Im Frühjahr 2017 hat der Einwohnerrat nämlich 200 000 Franken für die Erarbeitung einer Strategie für das Wohnmuseum Langmatt gutgeheissen.

Eine Expertengruppe, bestehend aus Martin Heller, Abteilung Kultur der Stadt Baden, sowie Markus Stegmann für den Stiftungsrat hat nun eine Expertise ausgearbeitet, die dem Einwohnerrat schon bald vorgelegt werden soll. «Ich kann und will den politischen Prozessen natürlich nicht vorgreifen. Doch die Zeichen für die längst fällige Sanierung des Museums stehen so gut, wie nie zuvor.» Kulturvorsteher Erich Obrist (parteilos) sagt auf Anfrage: «Die Arbeiten sind weit vorangeschritten. Ziel ist es, dass der Einwoherrat in der zweiten Jahreshälfte über die Zukunft des Museums Langmatt befinden kann.»

Erbe der Familie Brown wurde 1990 zum Museum

Im Jahr 1988 ging die Liegenschaft Langmatt samt eindrücklicher Sammlung von Bildern vor allem von französischen Impressionisten als Erbe von John Alfred Brown an die Stadt über. Mit der Übernahme der Langmatt steuerte die Ortsbürgergemeinde damals 2 Mio. Franken für Umbau und Renovation bei. Mit 800 000 Franken Darlehen des Kantons und einem ebenso hohen Betrag des Bundes nahm die öffentlich-rechtliche «Stiftung Langmatt Sidney und Jenny Brown» 1990 den Museumsbetrieb auf. 25 000 Personen besuchten das Museum im ersten Jahr. Die Besucherzahl schrumpfte dann auf durchschnittlich zwischen 6000 und 8000.

Im Jahr 2010 gab es mit der Ausstellung von Pipilotti Rist nochmals aussergewöhnlich viel Publikum, zuletzt waren die Zahlen aber wieder rückläufig (2015 total 6692 Besucherinnen und Besucher). «Der Betrieb des Museums kostet rund eine Million Franken pro Jahr», sagt Direktor Markus Stegmann. Die Stadt beteiligt sich am Betrieb des Museums und dessen Parkanlage. So finanziert sie die durch den Werkhof ausgeführte Gartenpflege in Höhe von jährlich rund 70 000 Franken. Seit 2014 wird zudem ein jährlicher Kulturförderbeitrag von 200 000 Franken gesprochen. Seit 2017 unterstützt auch die Ortsbürgergemeinde Baden den Betrieb jährlich mit 100 000 Franken befristet auf fünf Jahre. Zudem sprach der Einwohnerrat 2015 für bauliche Notmassnahmen 100 000 Franken gut und im Herbst 2016 total 645 700 Franken, mit denen in den kommenden fünf Jahren dringend notwendige Sanierungen realisiert werden sollen.

Weiter erhält das Museum einen jährlichen Förderbeitrag von 195 000 Franken vom Kanton. Der Museumsbetrieb wird darüber hinaus von Sponsoren und von Geldern des Vereins «Freunde der Langmatt» und des «Clubs Langmatt» getragen. 2015 gab es in der Stiftung wie auch beim Museum zwei namhafte Wechsel. So übernahm Lukas Breunig das Amt des langjährigen Stiftungsratspräsidenten Alfred R. Sulzer. Und im September 2015 wurde Markus Stegmann neuer Museumsdirektor. Der Badener Stadtrat als Stifter ist heute noch in der Pflicht, wenn es etwa um die dringend notwendige Sanierung geht. (mru)